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21.03.2017

12:45 Uhr

Steuerbescheid

Vertippt ist nicht verloren

Steuerzahler haben ab diesem Jahr länger Zeit, Tipp- und Schreibfehler in ihrer Steuererklärung zu korrigieren und in der Folge auch den Steuerbescheid zu ändern. Profitieren sie davon, müssen sie den Fehler beweisen.

Fehler können auch nach Jahren noch korrigiert werden, aber der Profiteur hat die Beweislast. dpa

Einkommenssteuererklärung

Fehler können auch nach Jahren noch korrigiert werden, aber der Profiteur hat die Beweislast.

BerlinIhren Steuerbescheid sollten Sie recht gründlich lesen – schließlich geht es für Sie um bares Geld. Wenn Ihnen also das Finanzamt Post ins Haus schickt, sollten Sie sich in aller Ruhe hinsetzen und den Bescheid mit Ihrer Steuererklärung vergleichen. Gehen Sie vor allem die einzelnen Zahlen, die der Sachbearbeiter errechnet hat, genau durch und lesen Sie die „Erläuterungen zur Festsetzung“. Hier finden Sie Hinweise darauf, warum das Finanzamt gegebenenfalls einzelne Werbungskosten, Betriebsausgaben oder andere Aufwendungen nicht anerkannt hat.

Als kleine Checkliste sollten Sie beim Prüfen des Steuerbescheids diese Fragen für sich beantworten:

  • Stimmt der Gesamtbetrag der Einkünfte, also die Summe von Lohn oder Rente und anderen Einkommen?
  • Hat der Sachbearbeiter alle Werbungskosten richtig addiert oder fehlt etwas?
  • Sind beim Punkt „Sonderausgaben“ die Aufwendungen für Altersvorsorge berücksichtigt?
  • Hat das Finanzamt mögliche „Außergewöhnliche Belastungen“ in der beantragten Höhe anerkannt, also beispielsweise Krankheitskosten oder die Ausgaben für ein Pflegeheim?
  • Sind alle Freibeträge – etwa für Kinder – enthalten?
  • Hat das Finanzamt alle Daten von Dritten – also auch Krankenkassen oder der Rentenversicherung – korrekt übernommen?

Wenn Sie auf diese Weise Fehler finden, die sich nicht durch die Erläuterungen aufklären lassen, müssen Sie nicht gleich Einspruch einlegen. Bei einfachen Rechen- oder Schreibfehlern genügt es, wenn Sie einen formlosen Antrag auf schlichte Änderung stellen.

Wer muss eine Einkommensteuererklärung machen?

Keine Pflicht zur Steuererklärung

Alleinstehende Arbeitnehmer, die nur bei einem Arbeitgeber beschäftigt sind, müssen in der Regel keine Steuererklärung abgeben. Das ändert sich, wenn ...

Nebeneinkünfte

- wenn Nebeneinkünfte von mehr als 410 Euro pro Jahr erzielt wurden.

Mehrere Arbeitgeber

- der Arbeitnehmer bei mehreren Arbeitgebern gleichzeitig beschäftigt ist oder war.

Gesamtbetrag der Einkünfte über 8.354 Euro

- keine Einkünfte aus einer Arbeitnehmertätigkeit mit Lohnabzug erzielt wurden, aber der Gesamtbetrag der Einkünfte bei einem Ledigen im Jahr 2014 beispielsweise durch eine Rente über 8.354 Euro liegt.

Lohnersatzleistungen

- Lohnersatzleistungen wie beispielsweise Arbeitslosen- und Elterngeld über 410 Euro pro Jahr bezogen wurden.

Freibetrag eingetragen

- auf der Lohnsteuerkarte ein Freibetrag eingetragen wurde.

Ehegatte in Steuerklasse V oder VI

- der Arbeitnehmer verheiratet ist und einer der Ehegatten nach der Steuerklasse V oder VI besteuert wurde.

Besteuerung nach Faktorverfahren

- der Arbeitnehmer verheiratet ist und die Ehegatten nach dem sogenannten Faktorverfahren besteuert wurde.

Sonstige Bezüge nicht einbezogen

- der Arbeitnehmer nacheinander bei verschiedenen Arbeitgebern beschäftigt war und ein Arbeitgeber einen sonstigen Bezug (beispielsweise Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder Abfindungen) versteuert hat, bei dem der Arbeitslohn beim anderen Arbeitgeber nicht mit einbezogen wurde.

Scheidung

- der Arbeitnehmer geschieden wurde – oder der Ehegatte gestorben ist – und er im gleichen Jahr wieder geheiratet hat.

Verlustvortrag

- zum Ende des Vorjahres ein sogenannter Verlustvortag festgestellt wurde – beispielsweise Verluste aus Vermietung und Verpachtung.

Bislang betrafen solche schlichten Änderungsanträge vor allem offensichtliche Fehler der Finanzverwaltung. Zum Jahreswechsel ist jedoch das „Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens“ in Kraft getreten – mit einigen Erleichterungen für den Steuerpflichtigen. Unter anderem ist die Abgabenordnung um eine neue Korrekturvorschrift für Steuerbescheide ergänzt worden: Der neue Paragraf lautet nun:

„Steuerbescheide sind aufzuheben oder zu ändern, soweit dem Steuerpflichtigen bei Erstellung seiner Steuererklärung Schreib- oder Rechenfehler unterlaufen sind und er deshalb der Finanzbehörde bestimmte, nach den Verhältnissen zum Zeitpunkt des Erlasses des Steuerbescheids rechtserhebliche Tatsachen unzutreffend mitgeteilt hat.“ (§ 173a AO)

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