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21.03.2014

17:14 Uhr

Steuerbetrug

Deutsche Anleger schmuggeln ihr Geld nach Hause

Steuerbetrüger versuchen vermehrt, im Ausland gebunkertes Geld in bar abzuziehen – auch aus der Schweiz. Über eine halbe Milliarde Euro beschlagnahmte der Zoll 2013. Beamte nutzen Hunde für die Schwarzgeldjagd.

Die Deutschen werden immer öfter beim Geldschmuggel erwischt. dpa

Die Deutschen werden immer öfter beim Geldschmuggel erwischt.

BerlinDer Vater des Neunjährigen war besonders dreist: Er stopfte etwa 70.000 Euro in die Hose seines Kindes, das das Schwarzgeld dann aus der Schweiz nach Deutschland schmuggeln sollte. In einem anderen Fall wurden mal eben 250.000 Euro unter einem im Auto liegenden Hund versteckt, um das Geld nach Hause zurückzuschleusen.

Beide Beispiele stehen nach Angaben deutscher Zollfahnder für einen neuen Trend: Anleger aus Deutschland holen ihr im Ausland gebunkertes Geld nach Hause – wegen des wachsenden Drucks auf Steuerbetrüger weltweit und des höheren Entdeckungsrisikos.

Im vergangenen Jahr stellten Zollfahnder bei Barmittelkontrollen an den Grenzen insgesamt 573 Millionen Euro vorläufig sicher, da die legale Herkunft zunächst unklar war. Das waren nach der am Freitag in Berlin vorgelegten Jahresbilanz des Zolls deutlich mehr als die fast zehn Millionen Euro 2012: „Es findet schon ein deutlicher Bargeld-Verkehr nach Deutschland statt“, hieß es.

Spürbar zugenommen hat auch die Zahl der Bußgeldbescheide, weil Reisende Bargeld-Beträge nicht angemeldet haben: Von 2489 im Jahr 2012 auf 3287 vergangenes Jahr. Der Erfolg des Zolls geht auch auf Spürhund „Rambo“ zurück. Der erschnüffelte unter anderem 60.000 Euro im Auto eines 88-Jährigen, der auf der Heimreise aus der Schweiz war. Die sichergestellten Bargeldbeträge sind eigentlich eher „Beifang“ im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung.

Welche Strafen Steuertricksern drohen

10.000 Euro hinterzogen

Hier wird in der Regel eine Geldstrafe verhängt, die in etwa einem Jahresnettoeinkommen des Steuerpflichtigen entspricht.

Tagessätze

Die Strafverfolgungsbehörden ermitteln die Geldstrafe nach so genannten Tagessätzen. Der Geldbetrag für einen Tagessatz soll dem Tagesnettoeinkommen entsprechen.

Berechnung des Tagesatzes

Hat jemand ein Jahreseinkommen von 50.000 Euro brutto und Abzüge von 20.000 Euro für Steuern, Versicherungen und ähnlichem, so wäre der Tagessatz 82 Euro (gerechnet: 30.000:365).

Anzahl der Tagessätze

Bei einer Hinterziehung von 10.000 Euro werden in der Regel 365 Tagessätze verhängt. Das bedeutet im Beispielsfall 365x82 = 29.930 Euro. Die Geldstrafe läge also bei rund 30.000 Euro.

Verhältnis zur hinterzogenen Steuer

Bei hohen Einkommen kann laut Experten die Strafe durchaus höher als die hinterzogene Steuer sein. Schließlich soll sich Steuerhinterziehung ja nicht lohnen.

20.000 Euro hinterzogen

Bei 20.000 Euro kommt man zu rund 440 Tagessätzen. Die Strafe läge im Beispielsfall dann 36.080 Euro.

Regionale Unterschiede

Es ist bekannt, dass in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich streng bestraft wird. Eine interne Tabelle weist dies nach. Insofern gelten die hier genannten Strafrahmen nicht absolut, sondern sind lediglich Faustregeln.

Schwere Vergehen

Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes (Az. 1 StR 525/11) ist die Chance, auch bei schweren Steuervergehen um eine Haftstrafe herumzukommen, deutlich gesunken. Die Karlsruher Richter haben mit ihrer Entscheidung ein Urteil des Landgerichts Augsburg kassiert, das einen Unternehmer wegen 1,1 Millionen Euro hinterzogener Steuern nur zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt hatte. Dieses Strafmaß sei zu gering, entschied der BGH. Das Urteil liegt im Trend, glaubt Martin Wulf von der auf Steuerstrafrecht spezialisierten Kanzlei Streck Mack Schwedhelm: „In der Tendenz ziehen die Sanktionen an“, sagt der Jurist.

Erneut gingen Rauschgiftschmuggler den Fahndern ins Netz: Im vergangenen Jahr wurden 22 Tonnen Drogen sichergestellt. Das waren zwar sieben Tonnen weniger als 2012. Allerdings hat sich der Umfang der beschlagnahmten Modedroge „Crystal“ mit 47 Kilogramm fast verdoppelt.

„Das bereitet uns besonderes Kopfzerbrechen“, sagte der Präsident des Zollkriminalamtes, Norbert Drude. Die besonders aggressive und zerstörerische Droge „Crystal“ vor allem aus Tschechien nach Deutschland geschmuggelt.

Kommentare (5)

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21.03.2014, 17:06 Uhr

da schuftet man sich Tag und Nacht ab (als ehrlicher oder dummer Mensch) und liest was die feinen Herrschaften sich leisten koennen. Man kommt sich wirklich saubloed vor.

Account gelöscht!

21.03.2014, 17:09 Uhr

da schuftet man sich Tag und Nacht ab. Als ehrlicher oder dummer Buerger. Man kommt sich wirklich saubloed vor wenn man von den Machenschaften der feinen Menschenklasse liest und hoert.

Account gelöscht!

21.03.2014, 17:46 Uhr

Besser ist, das Möbelhaus schenkt dem Kunden die Mehrwertsteuer.

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