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21.05.2012

16:00 Uhr

Steuererklärung 2011

Beim Steuerbescheid ist Erbsenzählen angesagt

VonKatharina Schneider

Wer den Berechnungen des Finanzamtes blind vertraut, verschenkt bares Geld, denn jeder fünfte Steuerbescheid ist fehlerhaft. Worauf Steuerzahler achten sollten - und wann der Widerspruch lohnt.

Wenn der Steuerbescheid kommt, lohnt sich das Erbsenzählen. GETTY IMAGES

Wenn der Steuerbescheid kommt, lohnt sich das Erbsenzählen.

DüsseldorfAb die Post und endlich weg damit! So denken wohl viele Steuerpflichtige, die ihre Einkommensteuererklärung selbst gemacht und dafür mühsam Belege sortiert und Formulare ausgefüllt haben. Doch wenn nach einigen Wochen der Steuerbescheid vom Finanzamt kommt, sollten sie noch einmal eine Kopie der Steuererklärung hervorholen und sich in Ruhe damit beschäftigen.

Handelsblatt Online hat in einem mehrteiligen Spezial zur Steuererklärung 2011 gezeigt, wie sie bei der Erklärung ihrer Steuern vorgehen sollten. Die vergangenen Teile mit allgemeinen Tipps und speziellen Erklärungen rund um das Kindergeld, die Immobilie, die Geldanlage und die Selbstständigkeit finden sich hier.

Das Wichtigste auf dem Steuerbescheid

Datum

Ab dem Datum des Steuerbescheids plus drei Tage für die Postzustellung, läuft die Frist für einen Einspruch gegen den Bescheid. Also: Wenn der Steuerbescheid das Datum vom 23. Juni trägt, muss der Einspruch bis zum 26. Juli beim Finanzamt sein.

Anschrift des Finanzamts

An diese Adresse müssen Steuerzahler etwaige Einsprüche schicken. Den zuständigen Sachbearbeiter geben aber nicht alle Finanzämter an. Bei manchen ist ein Einspruch auch per E-Mail möglich. Andere nennen für dringende Fragen zumindest eine Telefonnummer.

Art der Steuerfestsetzung

Hier steht, ob der Bescheid endgültig ist, noch vorläufig oder sich „unter dem Vorbehalt der Nachprüfung“ befindet.

Höhe der Steuerschuld

In einer Tabelle findet sich die Steuer, die das Finanzamt festgesetzt hat. Sie enthält die Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Davon werden die bereits gezahlten Steuern abgezogen. Es ergibt sich daraus entweder eine Nachzahlung oder eine Erstattung.

Bankverbindung

Wer vom Finanzamt eine Steuererstattung bekommt, sollte unbedingt, prüfen, ob die angegebene Bankverbindung stimmt.

Erläuterungen

Hier begründet das Finanzamt, warum es gegebenenfalls von der Steuererklärung abgewichen ist oder warum ein Steuerbescheid zunächst nur vorläufig ist.

Einen großen Vorteil beim Prüfen des Steuerbescheids haben diejenigen Steuerzahler, die ihre Steuererklärung elektronisch mit einer Steuersoftware erstellt haben, denn diese hat bereits berechnet, wie hoch eine Steuererstattung oder -nachzahlung ausfallen müsste. „Wenn der Betrag auf dem Steuerbescheid mit der Berechnung des Programms übereinstimmt, muss der Steuerzahler eigentlich nicht mehr viel nachprüfen“, sagt Steuerberater Tobias Gerauer von der Lohnsteuerhilfe Bayern. Doch das ist keinesfalls die Regel.

Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens jeder fünfte Steuerbescheid fehlerhaft ist. „Seit die Daten der Krankenkassen oder anderer Versicherer elektronisch an die Finanzämter übermittelt werden, kann es hier vermehrt zu Fehlern kommen“, sagt Isabel Klocke, Steuerexpertin beim Bund der Steuerzahler (BdSt). So könne es beispielsweise passieren, dass Bonuszahlungen, Beitragserstattungen oder Zusatzbeiträge nicht berücksichtigt würden. Oder es komme schlicht zu Fehlern bei der Datenübertragung zwischen Kasse und Finanzamt.

Kommentare (2)

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MIB

21.05.2012, 17:46 Uhr

20% der Steuerbescheide sind fehlerhaft; auch zugunsten des Steuerzahlers!

muunoy

06.05.2013, 11:02 Uhr

Meine Steuerbescheide sind zunächst einmal alle fehlerhaft. Und zwar immer zu meinen Lasten. Der krasseste Fall war bisher, dass mir das Finanzamt mal 22 TEUR zu viel abbuchen wollte. Bei der erneuten Prüfung viel dann auf, dass auch 780,-EUR Steuern auf Kapitalerträge zu viel eingezogen wurden. Der Dame von der Oberfinanzdirektion gegenüber meinte ich dann nur noch, das es mir eben gar nicht auffällt, wenn mich das Finanzamt bis lediglich 1000 EUR über den Tisch zieht.
Ach ja, ich bin Freiberufler und erwirtschaften den größten Teil meiner Steuern im Ausland. Klar, ich werde regelmäßig geprüft und finde den Gestaltungsspielraum, den das Finanzamt hat, außerordentlich groß. Auch kennt kaum ein Finanzbeamter das Reversed Charge Verfahren. Ich bezahle eine Steuerberaterin dafür, den Finanzbeamten die Steuergesetzgebung zu erklären und kann auch diese Kosten nicht zu 100% als Betriebsausgabe absetzen (dazu läuft auch ein Verfahren). Buchhaltungsfehler zu meinen Lasten werden bei Prüfungen übrigens immer übersehen.
Mit Rechtsstaatlichkeit hat unser Steuersystem eigentlich gar nichts mehr zu tun.

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