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03.05.2012

13:17 Uhr

Steuererklärung 2011

So schützen Sie die Rendite vor dem Fiskus

VonKatharina Schneider

Egal ob Aktien, Dividenden oder Zinsen, auf Kapitaleinkünfte werden immer 25 Prozent Abgeltungssteuer fällig. Mit der Steuererklärung lässt sich jedoch Einiges zurückholen. Auch Verluste können helfen.

DüsseldorfEigentlich sollte mit der Abgeltungssteuer in Sachen Steuern und Kapitalanlage alles viel einfacher werden. Die Bank erhebt pauschal 25 Prozent Steuern auf sämtliche Arten von Kapitaleinkünften und der Steuerzahler muss sich um nichts mehr kümmern.

Die Realität sieht jedoch anders aus. Häufig müssen Anleger doch selbst aktiv werden. Mal haben sie durch die pauschale Steuer zu viel gezahlt und mal fehlen noch Abgaben, so dass sie unfreiwillig zum Steuerhinterzieher werden können.

Handelsblatt Online zeigt in einem mehrteiligen Spezial zur Steuererklärung 2011, wie sie bei der Erklärung ihrer Steuern vorgehen sollten.

Das Formular, in das Anleger ihre Kapitaleinkünfte einzeln eintragen können – die Anlage KAP – sieht auf den ersten Blick recht kompliziert aus. Auf zwei Seiten kann der Steuerzahler die Art seiner Kapitalerträge und die bereits gezahlten Steuern angeben. Doch der Aufwand lohnt sich und ist auch umso geringer je weniger verschiedene Geldanlagen man hat.

Für wen lohnt die Anlage KAP?

Steuersatz unter 25 Prozent

Wenn der persönliche Steuersatz unter 25 Prozent liegt, sollten Anleger ihre Einkünfte einzeln in der Anlage KAP erklären, damit sie die zu viel gezahlten Steuern zurück bekommen. Ob der persönliche Satz günstiger ist, prüft das Finanzamt aber nicht automatisch, dafür muss in Zeile vier der KAP ein Kreuz bei „Günstigerprüfung“ gesetzt werden.

Rentner

Wer zu Beginn des Steuerjahres mindestens 64 Jahre als war, hat Anspruch auf einen Altersentlastungsbeitrag. Dadurch kommt zu dem üblichen Sparerpauschbetrag noch ein Freibetrag hinzu. Um den zu erhalten, muss auch die Günstigerprüfung beantragt werden.

Freibeträge nicht genutzt

Auch wer seinen Sparerpauschbetrag nicht optimal ausgenutzt hat, etwa weil er seine Freistellungsaufträge zwischen mehreren Geldinstituten falsch aufgeteilt hat, kann über die KAP Geld zurückholen.

Verluste gemacht

Wer beim Handel mit Wertpapieren Verluste gemacht hat, kann diese ebenfalls in der Anlage KAP geltend machen, um Gewinne und Verluste verschiedener Depots miteinander zu verrechnen. Dadurch verringert sich die Abgeltungsteuer oder die Verluste werden in das kommende Jahre vorgetragen.

Jahreseinkommen unter 8.652 Euro

Wer inklusive Zinsen 2016 nicht mehr als 8.652 Euro (17.304 bei Ehepaaren) steuerpflichtiges Jahreseinkommen hatte, muss gar keine Einkommensteuer zahlen und bekommt die einbehaltene Abgeltungssteuer zurück. Bleibt das in Zukunft voraussichtlich so, können Anleger sich mit einer sogenannte Nichtveranlagungs-Bescheinigung (NV-Bescheingung) vom Kapitalertragsteuerabzug gänzlich befreien lassen.

Die Abgeltungssteuer von 25 Prozent gilt pauschal für alle Steuerzahler, unabhängig von ihrem persönlichen Einkommensteuersatz. Besserverdiener profitieren davon, doch wer von seinem niedrigen Einkommen eigentlich weniger abgeben muss, zahlt durch die Abgeltungsteuer erst mal zu viel. Das kann insbesondere Rentner treffen. Damit das Finanzamt dies bei der Steuererklärung korrigiert, müssen Anleger nicht nur ihre Kapitaleinkünfte auflisten, sondern auch ein Kreuzchen in Zeile vier der Anlage KAP setzen: „Ich beantrage die Günstigerprüfung“. Denn das Finanzamt prüft nicht automatisch.

Für wen ist die Anlage KAP Pflicht?

Kirchensteuer

Wenn die Bank die Kirchensteuer nicht automatisch einbehält, muss der Anleger nachzahlen und in der Anlage KAP alle Einkünfte erklären.

Investment im Ausland

Wer im Ausland Kapitaleinkünfte erzielt hat, muss diese auch in der KAP angeben, denn ausländische Banken führen in der Regel keine deutsche Abgeltungsteuer ab.

Steuererstattungen

Werden Steuern vergangener Jahre vom Finanzamt verspätet erstattet, muss es dem Steuerzahler unter Umständen Zinsen für diesen Betrag zahlen. Der Fiskus behält selbst aber keine Steuern ein. Der Steuerpflichtige muss diese selbst deklarieren. Ob die Gesetzeslage rechtmäßig ist, überprüfen derzeit die Finanzgerichte.

Um sich diesen Aufwand zu sparen, können Steuerzahler mit niedrigen Gesamteinkünften beim Finanzamt auch eine Nichtveranlagungsbescheinigung (NV) beantragen. Dann behält die Bank – außer bei Dividenden – erst gar keine Steuern ein. „Das können Steuerzahler nutzen, deren steuerpflichtige Einkünfte unter 8.000 Euro liegen“, sagt Markus Deutsch, Steuerexperte vom Deutschen Steuerberaterverband (DStV). Wer eine solche Bescheinigung hat, kann sich die einbehaltene Steuer auf die Dividende bis zum 31. Dezember des Folgejahres direkt bei der Bank zurückholen.

Attraktiv kann die NV insbesondere für Rentner sein. „Denn zu einer oftmals niedrigen Rente, die bei Rentenbeginn vor 2006 auch nur zur Hälfte besteuert wird, kommt noch ein zusätzlicher Freibetrag“, sagt Deutsch. Wer mindestens 64 Jahre alt ist, hat Anspruch auf einen Altersentlastungsbeitrag. Dadurch bleiben über den allgemeinen Sparerpauschbetrag hinaus noch Kapitalerträge von bis zu 1.444 Euro steuerfrei.

Kommentare (5)

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Halfix

03.05.2012, 13:50 Uhr

Die Schweizer Verrechnungssteuer bei Dividenden beträgt 35 %. Auf Antrag werden 20 % von der ESTV zurückerstattet, die definitiv in der Schweiz bleibenden 15 % werden vom deutschen Finanzamt voll angerechnet.
Wo soll da jetzt das Problem sein?
Der Antrag ("Formular 85") ist denkbar einfach auszufüllen und die Schweitzer sind recht flott mit der Erstattung. Länger als 8 Wochen musste ich noch nie warten - bei Abgabe gleich in den ersten Januartagen allerdings.

Zinssklave

03.05.2012, 14:37 Uhr

Warum nennen die privaten Medien AGs nicht das Kind beim Namen?

"Unsere" Regierung ist ein Zinseintreiber!!!

Der zweitgrösste Ausgabenposten im Bundeshaushalt sind Zinszahlungen!!!
( Und der wird jedes Jahr grösser wegen dem Zinseszins )

Es geht immer nur um die Zinszahlungen an die privaten Banken!

In den Medien bekommen wir gesagt, dass Staaten sich bei privaten "Investoren" verschulden.

Staaten verschulden sich zu 97% bei privaten Banken!!!

Warum sprechen die Medien von Investoren und nicht privaten Banken?

Der Staat muss sehen wir er das Geld für die Zinszahlungen an die privaten Banken zusammen bekommt.

Warum sprechen die Medien immer von Anleihen und nicht Kediten?

Rendite und nicht Zinsen?

Rettungspakete und nicht Bürgschaften?

Sind die "freien" Medien vielleicht garnicht so frei wie wir alle glauben? :-)


AUFWACHEN!!!!!!!!!!!!
[...]

[+++Beitrag von der Redaktion editiert+++]

Account gelöscht!

03.05.2012, 15:15 Uhr

Ja, so ist die deutsche Realität...
Artikel gegen die Finanzabzocke und dann darüber schreiben, wie man das Geld am Finanzamt vorbeibringt...

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