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30.04.2014

14:29 Uhr

Steuererklärung 2013

Vorausgefüllt? Von wegen!

VonJessica Schwarzer

Stundenlang Belege zusammensuchen und sortieren, Bögen ausfüllen und alles wegschicken – die Steuererklärung ist mühsam. Doch wer glaubt, mit der vorausgefüllten Variante werde das mühsame Ausfüllen einfacher, der irrt.

Abgabefrist Ende Mai: Millionen Deutsche sitzen in diesen Tagen wieder an ihrer Einkommensteuererklärung. dpa

Abgabefrist Ende Mai: Millionen Deutsche sitzen in diesen Tagen wieder an ihrer Einkommensteuererklärung.

DüsseldorfEs ist paradox, doch viele Deutsche geben keine Steuererklärung ab, obwohl sie mit einer Erstattung rechnen dürften. Neun von zehn Steuerzahlern bekommen nämlich Geld zurück, im Schnitt sind es knapp 870 Euro. Doch viele setzen sich gar nicht erst an die lästigen Formulare. „Es wird viel verschenkt“, sagt Roland Kleemann, Steuerberater und Präsident der Steuerberaterkammer Berlin. „Viele wissen gar nicht, was sie alles absetzen können.“

Es kann sich aber lohnen, die Steuererklärung abzugeben. Denn wer zu bequem ist, die grau-grünen Bögen auszufüllen, verschenkt oft bares Geld. In vielen Fällen besteht ein Rückerstattungsanspruch – manchmal sind das sogar ein paar tausend Euro.

Das deutsche Steuerrecht wird immer komplizierter, auch deshalb scheuen viele das lästige Ausfüllen. Da viele Steuerpflichtige auch gar nicht mehr abschätzen können, ob sich die freiwillige Abgabe der Erklärung lohnt, hat der Lohnsteuerhilfeverein eine Liste mit Beispielen ins Netz gestellt, „die steuerlich relevant sein können und in der Praxis häufig zu einer Steuerrückerstattung beitragen“.

Tipps zur Steuererklärung

Abgabefrist

Wer seine Einkommensteuererklärung für das Jahr 2015 selbst anfertigt, muss sie bis zum 31. Mai 2016 abgegeben. Wer mehr Zeit braucht, kann beim Finanzamt einen Antrag auf Fristverlängerung stellen. Erledigt ein Steuerberater oder ein Lohnsteuerhilfeverein die Steuererklärung, endet die Frist erst am 31. Dezember 2016.

Nachfragen vermeiden

Damit das Finanzamt die Steuererklärung schnell bearbeiten kann und keine Nachfragen stellen muss, sollten Steuerzahler zu allen Rückforderungen Belege mitschicken. Um die Werbungskosten zu begründen, kann es hilfreich sein, den ausgeübten Beruf möglichst genau anzugeben.

Anleitung zur Steuererklärung

Wer seine Steuererklärung selbst erledigt, sollte auf jeden Fall die Anleitung (von dort aus auf Steuerformular > Einkommensteuer > Einkommensteuer 2014 klicken) lesen, die das Bundesfinanzministerium in seinem Formularkatalog veröffentlicht. Das Finanzamt setzt voraus, dass der Steuerzahler sich diese Anleitung genau durchgelesen hat.

Steuererklärung kopieren

Um den Steuerbescheid später kontrollieren zu können, sollten Steuerzahler eine Kopie ihrer Steuererklärung behalten - entweder gedruckt oder gespeichert als Datei.

Rechtsprechung beachten

Bevor Steuerzahler ihre Erklärung beim Finanzamt abgeben, sollten sie sich über laufende Verfahren zum Steuerrecht informieren. Häufig lässt sich die Rechtsprechung auf den persönlichen Fall übertragen. Auch, wenn ein Sachverhalt noch nicht endgültig geklärt ist, kann es sich lohnen die Ausgaben bei der Steuererklärung geltend zu machen. Bei positivem Prozessausgang besteht auch nach vielen Jahren noch die Chance auf eine Steuererstattung.

Elektronische Übermittlung

Seit 2012 sind sehr viel mehr Steuerzahler verpflichtet, ihre Steuererklärung elektronisch zu übermitteln. Unternehmer müssen nahezu sämtliche Steuererklärungen für den Veranlagungszeitraum 2011 elektronisch an das Finanzamt übermitteln. Ausgenommen von dieser Pflicht sind Arbeitnehmer, die keine sogenannten Gewinneinkünfte haben.

Steuerlich geltend machen lassen sich demnach unter anderem Krankheitskosten, Aufwendungen für die Pflege alter Menschen und die Kinderbetreuung, Handwerkerrechnungen, Riester- und Rürup-Rente, Fahrten zur Arbeit, Zahlungen an Versicherungen und Aufwendungen für Arbeitsmittel. Insgesamt nennt die Liste fast 30 Punkte, allerdings ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Sie zeigt aber, wie viele Möglichkeiten Steuerpflichtige haben, ihre Steuerlast zu senken.

Mit der sogenannten vorausgefüllten Steuererklärung soll der lästige Papierkram künftig weniger werden. Denn viele Daten, die in die Erklärung gehören, liegen dem Staat bereits vor. Der Fiskus hätte sie also längst übernehmen können. Es sind die Angaben aus der vom Arbeitgeber übermittelten Lohnsteuerbescheinigung, die Bankverbindung, Mitteilungen  über den Bezug von Rentenleistungen, Beiträge zu Kranken- und Pflegeversicherungen, Altersvorsorgeaufwendungen wie etwa Rürup- und Riester-Verträge. Dieses Jahr können Steuerzahler über das Elster-Portal erstmals auf diese Daten zugreifen.

Das klingt erstmal gut, allerdings geht der Begriff „vorausgefüllte Steuererklärung“ doch ein bisschen zu weit. Denn in der Regel haben Steuerpflichtige noch viele andere Dinge, die sie steuerlich geltend machen können. „Die vorausgefüllte Steuererklärung gibt es eigentlich nicht“, sagt auch Steuerberater Kleemann. „Der Begriff ist missverständlich.“ Im Grunde erhalte der Steuerpflichtige nur alle elektronisch an den Fiskus übermittelten Daten. Alles andere – von den Fortbildungsaufwendungen, über die Aufwendungen für Arbeitsmittel bis zu Praxisgebühren – müssen die Steuerzahler weiterhin mühsam in die entsprechenden Kästchen schreiben. „Rurüp- und Riester-Rente, Gehaltsabrechnungen und Krankenversicherung werden schon länger elektronisch an das Finanzamt gemeldet, jetzt können Steuerzahler sie über das Elster-Portal abrufen“, so Kleemann.

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