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17.04.2015

14:49 Uhr

Steuererklärung 2014

Wo das Finanzamt dieses Mal genau hinschaut

VonKatharina Schneider

Geben ist seliger als nehmen? Das gilt nicht für Finanzämter. Einmal gezahlte Steuern lassen sie sich nicht einfach wieder entlocken. Wozu es häufig Nachfragen gibt und wann die Beamten besonders skeptisch sind.

Einige Angaben von Steuerzahlern werden die Finanzämter dieses Jahr besonders genau prüfen. Getty Images

Unter der Lupe

Einige Angaben von Steuerzahlern werden die Finanzämter dieses Jahr besonders genau prüfen.

DüsseldorfJetzt gibt es keine Ausreden mehr. Mitte April dürfte auch die letzte Bank die Steuerbescheinigungen an ihre Kunden verschickt haben, auch Belege zu möglichen Gewinnen oder Verlusten sollten inzwischen jedem Steuerzahler vorliegen. Und das heißt: Der Steuererklärung steht nichts mehr im Wege. Na, endlich? Jubelschreie wird das wohl nur bei wenigen Steuerzahlern auslösen, schließlich ist das Ausfüllen der Steuerformulare nicht gerade ein Vergnügen. Trotzdem lohnt sich der Aufwand, denn im Durchschnitt zahlt das Finanzamt etwa 900 Euro zurück.

Wer zur Abgabe der Erklärung verpflichtet ist, hat jetzt noch sechs Wochen Zeit, diese fristgerecht beim Finanzamt einzureichen. Wer einen Steuerberater beauftragt muss erst am 31. Dezember liefern. Von dieser Pflicht befreit sind ledige Arbeitnehmer, die nur bei einem Arbeitgeber beschäftigt sind und ausschließlich Arbeitslohn bekommen, von dem die Lohnsteuer bereits abgezogen wurde. Doch schon durch Nebeneinkünfte in Höhe von mehr als 410 Euro kann sich das ändern. Auch wer mehrere Arbeitgeber hat, Freibeträge nutzt oder verheiratet ist und deshalb Steuerklasse V oder VI nutzt, muss sich vor dem Finanzamt erklären.

Was sich alles von der Steuer absetzen lässt - und was nicht

Hochwertige Oldtimer

Nein, die kann man nicht absetzen. So entschied das Finanzgericht Baden Württemberg, dass Autoliebhaber die Kosten eines teuren Oldtimers als Betriebsausgaben nicht geltend machen können (Az. 6 K 2473/09). Die Richter meinten, diese unangemessenen Repräsentationsaufwendungen seien als Betriebsausgaben nicht abzugsfähig.

Luxusauto

Geht nicht immer, aber manchmal schon. Unternehmer sollten eher davon absehen, sich einen teuren Firmenwagen zuzulegen. Die Richter des Finanzgerichts Nürnberg meinten, ein zweisitziger Mercedes 500 SL deute eher auf einen privaten Fahrspaß hin, als auf Geschäftsfahrten und erkannten die Betriebsausgaben nicht an (Az. I 111/2003). Anders die Richter des Niedersächsischen Finanzgerichts, sie ließen einen Mercedes Roadster 500 SL durchgehen. 75.000 Euro wurden hier anerkannt (Az. 6 K 547/95).

Augenlasern

Hier zahlt der Fiskus teilweise mit. Nach dem deutschen Steuerrecht sind nämlich ärztliche Behandlungen und auch notwendige Operationen außergewöhnliche Belastungen, sofern sie eine bestimmte Zumutbarkeitsgrenze überschreiten. Was wiederum von der Familiensituation abhängig ist. Nach der Rechtsprechung und den Anweisungen der Finanzdirektionen wird eine Augenlaserbehandlung als eine solche außergewöhnliche Belastung anerkannt. Man muss in seiner Steuerklärung einen Beweis für die entstandenen Kosten erbringen und kann diese somit von der Steuer absetzen.

Internate

Auch hier macht der Fiskus mit. Aber nur, soweit es um den Unterricht geht. Kost und Logis müssen schon die Eltern selbst zahlen. Abzugsfähig sind laut Bund der Steuerzahler grundsätzlich 30 Prozent, höchstens aber 5000 Euro.

Füllfederhalter

Eine Luxus-Füllfeder ist ebenfalls steuerlich absetzbar. In einem konkreten Fall ging es um die Anschaffung einer Mont­blanc-Füllfeder samt Etui in der Höhe von 460 Euro. Der Betroffene betonte, dass die Füllfeder ausschließlich aus beruflichen Gründen angeschafft worden sei. Eine private Nutzung sei mangels Veranlassung ausgeschlossen, vielmehr benötige er das Schreibgerät zum Setzen von Unterschriften, Planungen und Arbeitsvorbereitungen für Mitschriften bei Konferenzen und Seminaren. Dies sei insbesondere in Hinblick auf die durch einfache Schreibwaren hervorgerufene Unleserlichkeit der Handschrift geboten. Einen Haken hat die Sache allerdings, bisher gibt dazu nur ein Urteil in Österreich. Bei entsprechender Erklärung, könnte das aber auch in Deutschland klappen.

Samenspende

Funktioniert. Mag sein, dass der entsprechende Eintrag auf der Steuererklärung nicht ganz leicht fällt. Doch es lassen sich Steuern sparen. Wer krankheitsbedingt zeugungsunfähig ist, kann die Kosten für Spendersamen laut einem Urteil steuerlich geltend machen, und zwar als außergewöhnliche Belastung. Dann sind die Aufwendungen abzugsfähig, entschied der Bundesfinanzhof (Az. VI R 43/10)

Bordellbesuche

Es war zu vermuten. Nein, die sind nicht absetzbar. Aber es wurde bereits versucht, und der Bundesfinanzhof hatte darüber zu entscheiden (Az. III R 21/86 ). Argumentiert wurde wie folgt: Eine steuerlich absetzbare Bewirtung als Betriebsausgaben im Sinne des Einkommenssteuergesetzes liegt nur dann vor, wenn die Darreichung von Speisen oder Getränken eindeutig im Vordergrund steht. Beim betrieblichen Bordellbesuch geht es jedoch anders als bei einem Restaurantbesuch nicht um die Schaffung eines angenehmen Rahmens für geschäftliche Gespräche. Das persönliche Vergnügen tritt zu sehr in den Vordergrund. Entsprechende Aufwendungen sind somit nicht von der Steuer absetzbar.

Fitnessstudio

Geht. Sport kann von der Steuer abgesetzt werden. Bei medizinischer Notwendigkeit macht der Fiskus mit. Das Finanzgericht München entschied einen entsprechenden Fall (Az. 1 K 2183/07). So kann das Fitness-Studio von der Steuer abgesetzt werden, wenn der Patient Rückenbeschwerden hat, die durch gezielten Sport eine Verbesserung nach sich ziehen würden. Wichtig ist aber eine Bescheinigung vom Amtsarzt. Dieser muss klarstellen, dass hier eine medizinische Notwendigkeit für den Sport vorliegt.

Beitrag für den Golfclub

Nein, das geht nicht. Der Golfclubbeitrag ist nicht steuerlich absetzbar. Das Finanzgericht Köln hat entschieden, dass ein Händler von Sportartikeln auch nicht anteilig seinen Mitgliedsbeitrag für einen Golfclub steuerlich geltend machen kann (Az. 10 K 3761/08). Die Ausübung einer Trendsportart wie Golf betreffe in erheblichem Umfang die private Lebensführung. Deswegen lässt sich hier nichts absetzen.

Je sorgfältiger Steuerzahler dabei sind, desto größer sind ihre Chancen auf eine hohe und zugleich zügige Steuererstattung. „Bei einigen Themen werden die Finanzbeamten dieses Jahr besonders genau hinschauen“, sagt Isabel Klocke, Steuerexpertin beim Bund der Steuerzahler (BdSt). „In den Fokus dürften unter anderem Angaben zu den Reisekosten und zur doppelten Haushaltsführung rücken, denn hier gab es 2014 gesetzliche Änderungen.“

Außerdem legt die Finanzverwaltung in jedem Jahr wechselnde Bereiche fest, die Finanzämter besonders intensiv prüfen sollen. Die Finanzverwaltung NRW veröffentlicht die Prüffelder sogar. „Das ist ein vorbildlicher Service und erleichtert vor allem Steuerberatern die Arbeit“, sagt Klocke. „Die Prüffelder zeigen an, zu welchen Angaben die Finanzbeamten besonders ausführliche Belege verlangen werden.“ Zudem könne die Liste aus NRW auch ein Indiz für Steuerzahler in anderen Ländern sein. Daneben gibt es Dauerbrenner, also Themen, die immer sehr genau geprüft werden, etwa weil die Missbrauchsgefahr groß ist.

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Reisekosten

Seit 2014 gilt das neue Reisekostenrecht. Knackpunkt dabei ist die Definition der ersten Tätigkeitsstätte. Diese ist wichtig für die Berechnung des eigenen Arbeitsweges oder für Dienstreisen. In Paragraph neun des Einkommensteuergesetzes heißt es dazu: „Erste Tätigkeitsstätte ist die ortsfeste betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers […], der der Arbeitnehmer dauerhaft zugeordnet ist.“ Dies kann beispielsweise ein Büro oder eine Filiale sein.

Kommentare (16)

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Herr Dr. Michael Klein

17.04.2015, 15:16 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette  

Herr Aloys Haydn

17.04.2015, 15:22 Uhr

Als AN mit ausschließlichen Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit habe ich bezüglich des zu Dienstreisen benutzten Privat-PKW jahrelang ein Überschußrechnung gemacht und Kosten über den von AG erstatteten 0,30 Cent/km
als Werbungskosten geltend gemacht. Bis sich Finanzbeamte des FA Straubing daran gerieben haben und Benzin-und Parkbelege bis ins letzte Detail prüften.
Sodann wurden Benzinrechnungen vom Wochenende nicht mehr anerkannt und die Afa ebenso reduziert. Dieses Prozedere geht nun seit 3 Jahren so und überraschenderweise bekam ich einen anonymen Anruf mit dem Inhalt "ich habe im FA mitgehört, daß man es ihnen mal richtig zeigen will" Leider kann ich aufgrund der Anonymität des Anrufes keine Dienstaufsichtsbeschwerde führen, dieses Beispiel zeigt aber doch, daß einzelne FA-Beamte aufgrund irgendwelcher persönlicher Animositäten einem Steuerzahler das Leben zur Hölle machen können. Ich vermute, daß einzelne Leserbriefe von mir in der Lokalzeitung zur Beamten- und Pensionsproblematik evtl. der Anlaß dazu sind, kann es aber nicht beweisen. Jedenfalls wird seither trotz Abgabe meiner St-Erklärung über elster jeder Beleg angefordert.

Herr Markus Gerle

17.04.2015, 15:40 Uhr

Hallo Herr Haydn, dass passiert wohl jedem mal. Bei mir gab es sogar schon mal eine völlig unberechtigte Strafanzeige, weil man es mir mal so richtig zeigen wollte. Viele Menschen haben halt immer noch Respekt vor Behörden und gehen dann auf Erpressungsversuche von Seiten des Finanzamtes ein. Mir machte man z. B. den Vorschlag, gegen eine geringe Zahlung das Verfahren einzustellen. Gezahlt habe ich nichts, sondern bin bei der Steuerstasi mal komplett ausgerastet, woraufhin das Verfahren auch sofort eingestellt wurde. Den verantwortlichen Beamten, der auch eingereichte Belege zurück hielt, konnte ich aber nicht ermitteln. Da halten die untereinander durchaus dicht. Seitdem weiß ich, dass man am besten damit fährt, die Typen an die Wand zu schreien, wenn die mal wieder meinen, sich aufspielen zu müssen oder mit irgendwelchen Unterstellungen zu kommen. Und wenn mal wieder einer meint, dass ich als Selbständiger nichts anderes zu tun habe, als dem Finanzamt ständig irgendwelchen Kram nachzureichen oder überhaupt deren Arbeit zu machen, verlange ich halt sofort nach einer Betriebsprüfung. Die machen sie nämlich nicht, wenn der Steuerzahler selbst danach verlangt.
Und noch etwas: Im Artikel behauptet ein gewisser Klöckner, dass es zu Nachfragen kommt, wenn man mal deutlich mehr Steuern zahlt. So einen Blödsinn habe ich ja noch nie gelesen. Ich habe noch nie eine Nachfrage bekommen, wenn ich in einem Jahr mehr als davor bezahlt habe. Wenn es dann wieder weniger wird, kommen die Nachfragen.
Ach ja, ich wohne in NRW, wo der unsägliche Finanzminister ständig seine Mannen anstachelt, die Daumenschrauben noch härter anzuziehen. Ich habe schon in anderen Bundesländern gelebt, wo es dann doch mehr ein Miteinander als ein Gegeneinander war. Aber NRW betreibt einen Krieg gegen die Steuerzahler.

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