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04.04.2013

14:23 Uhr

Steuergestaltung

Warum der Trust längst nicht mehr attraktiv ist

VonKatharina Schneider

Steuern sparen mit einem Trust? Das war lange Zeit möglich und in vielen Konstellationen sogar legal. Solche Konstrukte dienen aber auch der Steuerhinterziehung und die Finanzbehörden haben längst gegengesteuert.

Mit Trusts viel Geld zu sparen ist heute nicht mehr möglich. dpa

Mit Trusts viel Geld zu sparen ist heute nicht mehr möglich.

DüsseldorfDie Vermögenden dieser Welt stehen wieder einmal wegen ihrer Steuertricks am Pranger. Sie sollen große Vermögen versteckt und zweifelhafte Geschäfte verschleiert haben. Nach Berichten der „Süddeutschen Zeitung“ und des Norddeutschen Rundfunks (NDR) hat eine anonyme Quelle Medien in 46 Ländern vertrauliche Informationen aus zehn Steueroasen zugespielt.

Im Fokus der Anlagetricks steht diesmal der Trust. Handelsblatt Online zeigt, wie dieses Steuerspar-Konstrukt funktioniert und wann damit auch Steuerhinterziehung betrieben werden kann. Der Trust ist ein Rechtskonstrukt aus dem angloamerikanischen Rechtsraum. In Deutschland gibt es dieses Modell nicht, hierzulande werden die Trusts in fast allen Bereichen wie Stiftungen behandelt. Solche Trusts sind grundsätzlich völlig legal, können aber auch zur Steuerhinterziehung missbraucht werden.

Welche Strafen Steuertricksern drohen

10.000 Euro hinterzogen

Hier wird in der Regel eine Geldstrafe verhängt, die in etwa einem Jahresnettoeinkommen des Steuerpflichtigen entspricht.

Tagessätze

Die Strafverfolgungsbehörden ermitteln die Geldstrafe nach so genannten Tagessätzen. Der Geldbetrag für einen Tagessatz soll dem Tagesnettoeinkommen entsprechen.

Berechnung des Tagesatzes

Hat jemand ein Jahreseinkommen von 50.000 Euro brutto und Abzüge von 20.000 Euro für Steuern, Versicherungen und ähnlichem, so wäre der Tagessatz 82 Euro (gerechnet: 30.000:365).

Anzahl der Tagessätze

Bei einer Hinterziehung von 10.000 Euro werden in der Regel 365 Tagessätze verhängt. Das bedeutet im Beispielsfall 365x82 = 29.930 Euro. Die Geldstrafe läge also bei rund 30.000 Euro.

Verhältnis zur hinterzogenen Steuer

Bei hohen Einkommen kann laut Experten die Strafe durchaus höher als die hinterzogene Steuer sein. Schließlich soll sich Steuerhinterziehung ja nicht lohnen.

20.000 Euro hinterzogen

Bei 20.000 Euro kommt man zu rund 440 Tagessätzen. Die Strafe läge im Beispielsfall dann 36.080 Euro.

Regionale Unterschiede

Es ist bekannt, dass in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich streng bestraft wird. Eine interne Tabelle weist dies nach. Insofern gelten die hier genannten Strafrahmen nicht absolut, sondern sind lediglich Faustregeln.

Schwere Vergehen

Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes (Az. 1 StR 525/11) ist die Chance, auch bei schweren Steuervergehen um eine Haftstrafe herumzukommen, deutlich gesunken. Die Karlsruher Richter haben mit ihrer Entscheidung ein Urteil des Landgerichts Augsburg kassiert, das einen Unternehmer wegen 1,1 Millionen Euro hinterzogener Steuern nur zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt hatte. Dieses Strafmaß sei zu gering, entschied der BGH. Das Urteil liegt im Trend, glaubt Martin Wulf von der auf Steuerstrafrecht spezialisierten Kanzlei Streck Mack Schwedhelm: „In der Tendenz ziehen die Sanktionen an“, sagt der Jurist.

Bei der Gestaltung der Trusts gibt es sehr komplizierte Modelle. So kann der Gründer eines Trusts durch Nebenabreden den Einfluss auf den Trust wahren. „Diese Nebenabreden werden häufig nicht offengelegt, was dann tatsächlich in der Regel zu einer Steuerhinterziehung führt“, sagt Thomas Koblenzer, Steuerrechtsprofessor und Steueranwalt aus Düsseldorf. Denn aus steuerlicher Sicht geht es um die Frage, ob das Vermögen wirklich auf den Trust übergegangen oder doch dem Gründer des Trusts zuzuschreiben ist.

Dass es solche Konstrukte gibt, ist an sich keine Neuigkeit. „Viele vermögenden Familien haben sich früher dieser Truststrukturen bedient“, sagt Koblenzer. „Das frühere Erbschaft- und Schenkungsteuergesetz in Deutschland hatte insoweit eine Lücke, als Übertragungen auf Trusts weder der Schenkungsteuer zum Zeitpunkt der Trustgründung noch der Erbschaftsteuer unterlagen.“

Erst bei Auflösung des Trusts mussten diejenigen, die das Vermögen erhielten, darauf Steuern zahlen. „Der Trust war damit ein ideales und vor allem völlig legales Gestaltungsinstrument im Rahmen der Nachfolgeplanung“, so Koblenzer. Diese Lücke wurde jedoch Anfang 1999 durch ein „Steuerentlastungsgesetz“ geschlossen. „Seitdem wird der Trust in der inländischen Gestaltungspraxis so gut wie gar nicht mehr eingesetzt“, so der Steueranwalt.

Trust-Gestaltungen seien der deutschen Finanzverwaltung in nahezu allen Facetten bekannt. Das bestätigte auch Thomas Eigenthaler, Vorsitzender der Deutschen Steuergewerkschaft (DSTG), gegenüber der dpa: „Wir wissen natürlich schon lange, dass weltweit ein solcher Wildwuchs besteht.“ Allein bei deutschen Steuerhinterziehern dürfte es weltweit ein Hinterziehungsvolumen von rund 400 Milliarden Euro geben, sagte er.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

04.04.2013, 19:22 Uhr

Oh HB, jetzt wissen es alle ganz genau wie's geht. Oder vielleicht doch nicht?

Account gelöscht!

05.04.2013, 09:30 Uhr

Fast alle europäischen Superreichen nutzen schon immer auch Trusts in Europa.

Vor allem werden mithilfe Schweizer Banken auch wg. des inzwischen lückenhaften Bankgeheimnisses bevorzugt über die Filialen in Jersey, Gernsey, Isle of Man usw. verstärkt Trusts gegründet.

Das ist seit Jahrzehnten bekannt und hat kaum jemanden bekümmert, jedenfalls solange nicht, bis irgendein Angestellter, wie jetzt bei den BVI, Datenbestände öffentlich macht.

Jeder kann im Internet nachlesen, wie man das macht.
Dort gibt es auch die Adressen der Unternehmen, die für wenig Geld totale Anonymität garantieren.

Deswegen verstehe ich die Aufregung nicht, die jetzt herrscht.

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