Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.09.2013

16:33 Uhr

Steuerhinterziehung

Die geheimen Verstecke der Geldschmuggler

Das Strafverfahren gegen Uli Hoeneß hat eine Lawine an Selbstanzeigen ausgelöst. Andere deutsche Steuerflüchtlinge lösen in Panik ihre Konten in der Schweiz auf. Wie Steuerflüchtlinge ihr Geld über die Grenze schaffen.

Beschlagnahmte Euroscheine: Der Einfallsreichtum der Schmuggler ist erstaunlich. dpa

Beschlagnahmte Euroscheine: Der Einfallsreichtum der Schmuggler ist erstaunlich.

An der Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz herrscht derzeit ein reger Handel. Während die Schweizer gerne die für sie günstigen Lebensmittel aus Deutschland in ihr Land bringen, lösen viele Deutsche derzeit in der Eidgenossenschaft ihre Schwarzgeldkonten auf. Zöllner auf beiden Seiten des Rheins haben alle Hände voll zu tun.

Deutsche Steuerhinterzieher kommen dabei auf skurrile Ideen. „Wir hatten einen 72 Jahre alten Mann, der ein Damen-Korsett anhatte, in dem 150.000 Euro steckten”, sagt Markus Ückert, Sprecher des Hauptzollamts in Lörrach. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt: „In einem anderen Fall trug ein Mann zwei Paar Windeln gegen Inkontinenz, zwischen denen fast 140.000 Euro steckten.”

Welche Strafen Steuertricksern drohen

10.000 Euro hinterzogen

Hier wird in der Regel eine Geldstrafe verhängt, die in etwa einem Jahresnettoeinkommen des Steuerpflichtigen entspricht.

Tagessätze

Die Strafverfolgungsbehörden ermitteln die Geldstrafe nach so genannten Tagessätzen. Der Geldbetrag für einen Tagessatz soll dem Tagesnettoeinkommen entsprechen.

Berechnung des Tagesatzes

Hat jemand ein Jahreseinkommen von 50.000 Euro brutto und Abzüge von 20.000 Euro für Steuern, Versicherungen und ähnlichem, so wäre der Tagessatz 82 Euro (gerechnet: 30.000:365).

Anzahl der Tagessätze

Bei einer Hinterziehung von 10.000 Euro werden in der Regel 365 Tagessätze verhängt. Das bedeutet im Beispielsfall 365x82 = 29.930 Euro. Die Geldstrafe läge also bei rund 30.000 Euro.

Verhältnis zur hinterzogenen Steuer

Bei hohen Einkommen kann laut Experten die Strafe durchaus höher als die hinterzogene Steuer sein. Schließlich soll sich Steuerhinterziehung ja nicht lohnen.

20.000 Euro hinterzogen

Bei 20.000 Euro kommt man zu rund 440 Tagessätzen. Die Strafe läge im Beispielsfall dann 36.080 Euro.

Regionale Unterschiede

Es ist bekannt, dass in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich streng bestraft wird. Eine interne Tabelle weist dies nach. Insofern gelten die hier genannten Strafrahmen nicht absolut, sondern sind lediglich Faustregeln.

Schwere Vergehen

Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes (Az. 1 StR 525/11) ist die Chance, auch bei schweren Steuervergehen um eine Haftstrafe herumzukommen, deutlich gesunken. Die Karlsruher Richter haben mit ihrer Entscheidung ein Urteil des Landgerichts Augsburg kassiert, das einen Unternehmer wegen 1,1 Millionen Euro hinterzogener Steuern nur zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt hatte. Dieses Strafmaß sei zu gering, entschied der BGH. Das Urteil liegt im Trend, glaubt Martin Wulf von der auf Steuerstrafrecht spezialisierten Kanzlei Streck Mack Schwedhelm: „In der Tendenz ziehen die Sanktionen an“, sagt der Jurist.

Die Zollbehörden an der Grenze zur Schweiz haben im vergangenen Jahr zwanzig Millionen Euro an nicht deklariertem Geld gefunden. In Lindau, wo Beamte schon einmal einen Mann mit 25.000 Euro ertappten, die in einem Lebkuchenhaus verborgen waren, entdeckten die Zöllner im vergangenen Jahr insgesamt zwei Millionen Euro. Beträge über 10.000 Euro müssen dem deutschen Zoll angegeben werden.

Wegen des internationalen Drucks auf Schweizer Banken drängt die Regierung die Institute, keine unversteuerten Vermögen mehr zu verwalten. Prominente Fälle, wie die Steueraffäre des Präsidenten von Bayern München, Uli Hoeneß, und der Ankauf von Kundendaten durch deutsche Behörden versetzen nach Angaben der Zollbeamten die Steuerflüchtlinge in Aufruhr.

Nicht alle Geldschmuggler sind allerdings so einfallsreich: „Ein Rentnerpaar hatte die Scheine in den Schuhen versteckt und wir hatten den Fall, dass Geld mithilfe der Autobatterie versteckt wurde”, sagt Sprecher Harald Gabele vom Hauptzollamt Singen. „Regelmäßig gibt es Leute, die einen verborgenen Geldgürtel tragen oder es in der Unterwäsche verstecken.”

Kommentare (33)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

06.09.2013, 17:44 Uhr

Inzwischen sind wir in einem Land, in dem Kinderstreichler hofiert und Menschen, die ihr eigenes Geld von A nach B transportieren bestraft werden.

JJJ

06.09.2013, 17:59 Uhr

Wer legal keine Steuern zahlen will und das auch nicht braucht sollte nach Griechenland ziehen.

Griechenland: DIE Steueroase Nr. 1 schlechthin und auch noch in der EU gelegen.

Inflate_Or_Die

06.09.2013, 18:25 Uhr

Den Schmugglern von staatlich legitimiertem Falschgeld ist ohnehin nicht mehr zu helfen.
Auf einem ganz anderen Blatt steht, wie man sich RICHTIG gegen den nimmersatten, gierigen Steuerstaat schützen muss:
So hatte der geniale amerikanische Ökonom Murray N. Rothbard herausgearbeitet, dass der Staat aus ökonomischer Sicht de facto nichts anderes als eine parasitäre Verbrecherbande ist (und damit kommt er zu einem ähnlichen Urteil wie der heilige Augustinus von Hippo: "Nimm das Recht weg - was ist dann der Staat noch anderes als eine große Räuberbande?"):
"Was hier verinnerlicht werden sollte, ist, dass es praxeologisch keinen Unterschied zwischen der Natur und den Auswirkungen der Besteuerung und der Inflation auf der einen Seite und der Raubüberfälle und der Geldfälschung auf der anderen Seite gibt. Durch beides wird mit Zwang in den Markt eingegriffen, um eine Gruppe von Menschen auf Kosten einer anderen Gruppe zu begünstigen."
http://www.propagandafront.de/1133730/der-staat-nichts-weiter-als-eine-parasitare-verbrecherbande.html
Der beste Schutz vor dem staatlichen Überfallkommando ist es daher, seine Ersparnisse in werthaltiges Echtgeld umzuwandeln und außerhalb der eigenen Staatsgrenze zu deponieren. Echtgeld kann man nämlich überall auf der Welt kaufen und auch sicher verwahren.
Eine andere ebenso effektive Methode im Kampf gegen die gierige Staatskrake ist die PASSIVE STEUERVERMEIDUNG - nur ist diese Methode für den Großteil unserer überwiegend konsumgeilen Gesellschaft unvorstellbar:
Passive Steuervermeidung heißt z.B. nämlich freiwillige Reduzierung der Arbeitsleistung - von einer Vollzeitstelle z.B. auf eine Teilzeitstelle. Natürlich bedeutet das Gehaltsverzicht, aber wegen der kalten Steuerprogression bedeutet das ebenfalls deutlich weniger Kohle für die Staatskrake, die sie dann "umfairteilen" kann.
Zudem leistet man dadurch einen persönlichen Beitrag gegen unser krankes Geldsystem, das nur durch Mehr-Konsum + Mehr-Verschuldung überleben kann.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×