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04.03.2016

16:17 Uhr

Steuern runter, Gehalt rauf

Steuervorteile für Zocker und Arbeitnehmer

VonKatharina Schneider

Aktuelle Urteile bieten neue Möglichkeiten zum Steuersparen. Das gilt etwa für bestimmte Aktienoptionen. Doch auch von Zuschüssen des Arbeitgebers können Steuerzahler profitieren.

Davon möchte jeder möglichst wenig zahlen. dpa

Steuern

Davon möchte jeder möglichst wenig zahlen.

Frankfurt am MainMit Aktien- und Indexoptionen zu handeln, ist riskant. Aber dank mehrerer Urteile des Bundesfinanzhofs (BFH) fallen Anleger, die bei solchen Produkten daneben gegriffen haben, jetzt nicht mehr ganz so hart. Die obersten Finanzrichter haben nämlich entschieden, dass die Verluste aus dem Verfall von wertlos gewordenen Optionen steuerlich anerkannt werden müssen (Az.: IX R 48/14, IX R 49/14 und IX R 50/14).

Wer eine Option zum Kauf von Aktien erwirbt, erhält damit das Recht, die Papiere innerhalb einer bestimmten Laufzeit zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen. Das Kalkül hinter solch einem Termingeschäft: Der Anleger sichert sich das Recht eine Aktie beispielsweise zum Preis von 20 Euro je Stück zu kaufen, dann wartet er und macht von seinem Kaufrecht Gebrauch, sobald sich die Papiere über den vereinbarten Wert verteuert haben.

Bei den Anlegern, die sich nun vor dem BFH einfanden, ist diese Wette nicht aufgegangen. Die Aktienkurse stiegen nicht, sondern brachen ein. Durch diesen Kursverfall wurden die Optionen wertlos. Die Anleger ließen sie deshalb bei Fälligkeit verfallen und erlitten somit einen Verlust. Wäre es nach dem Bundesfinanzministeriums (BMF) gegangen, würden sie darauf sitzenbleiben. Denn das BMF hatte zuvor in mehreren Schreiben deutlich gemacht, dass die Anschaffungskosten beim Verfall einer Kaufoption ohne Bedeutung seien.

Dieser Meinung widersprach der BFH und begründet: „Die vergeblich für den Erwerb von Optionen aufgewandten Anschaffungskosten sind Aufwendungen, die im unmittelbaren sachlichen Zusammenhang mit dem Termingeschäft stehen und deshalb bei der Ermittlung des Gewinns (oder Verlusts) abzuziehen sind.“ Anleger können solche Verluste also tatsächlich in der Steuererklärung geltend machen.

Was sich alles von der Steuer absetzen lässt - und was nicht

Hochwertige Oldtimer

Nein, die kann man nicht absetzen. So entschied das Finanzgericht Baden Württemberg, dass Autoliebhaber die Kosten eines teuren Oldtimers als Betriebsausgaben nicht geltend machen können (Az. 6 K 2473/09). Die Richter meinten, diese unangemessenen Repräsentationsaufwendungen seien als Betriebsausgaben nicht abzugsfähig.

Luxusauto

Geht nicht immer, aber manchmal schon. Unternehmer sollten eher davon absehen, sich einen teuren Firmenwagen zuzulegen. Die Richter des Finanzgerichts Nürnberg meinten, ein zweisitziger Mercedes 500 SL deute eher auf einen privaten Fahrspaß hin, als auf Geschäftsfahrten und erkannten die Betriebsausgaben nicht an (Az. I 111/2003). Anders die Richter des Niedersächsischen Finanzgerichts, sie ließen einen Mercedes Roadster 500 SL durchgehen. 75.000 Euro wurden hier anerkannt (Az. 6 K 547/95).

Augenlasern

Hier zahlt der Fiskus teilweise mit. Nach dem deutschen Steuerrecht sind nämlich ärztliche Behandlungen und auch notwendige Operationen außergewöhnliche Belastungen, sofern sie eine bestimmte Zumutbarkeitsgrenze überschreiten. Was wiederum von der Familiensituation abhängig ist. Nach der Rechtsprechung und den Anweisungen der Finanzdirektionen wird eine Augenlaserbehandlung als eine solche außergewöhnliche Belastung anerkannt. Man muss in seiner Steuerklärung einen Beweis für die entstandenen Kosten erbringen und kann diese somit von der Steuer absetzen.

Internate

Auch hier macht der Fiskus mit. Aber nur, soweit es um den Unterricht geht. Kost und Logis müssen schon die Eltern selbst zahlen. Abzugsfähig sind laut Bund der Steuerzahler grundsätzlich 30 Prozent, höchstens aber 5000 Euro.

Füllfederhalter

Eine Luxus-Füllfeder ist ebenfalls steuerlich absetzbar. In einem konkreten Fall ging es um die Anschaffung einer Mont­blanc-Füllfeder samt Etui in der Höhe von 460 Euro. Der Betroffene betonte, dass die Füllfeder ausschließlich aus beruflichen Gründen angeschafft worden sei. Eine private Nutzung sei mangels Veranlassung ausgeschlossen, vielmehr benötige er das Schreibgerät zum Setzen von Unterschriften, Planungen und Arbeitsvorbereitungen für Mitschriften bei Konferenzen und Seminaren. Dies sei insbesondere in Hinblick auf die durch einfache Schreibwaren hervorgerufene Unleserlichkeit der Handschrift geboten. Einen Haken hat die Sache allerdings, bisher gibt dazu nur ein Urteil in Österreich. Bei entsprechender Erklärung, könnte das aber auch in Deutschland klappen.

Samenspende

Funktioniert. Mag sein, dass der entsprechende Eintrag auf der Steuererklärung nicht ganz leicht fällt. Doch es lassen sich Steuern sparen. Wer krankheitsbedingt zeugungsunfähig ist, kann die Kosten für Spendersamen laut einem Urteil steuerlich geltend machen, und zwar als außergewöhnliche Belastung. Dann sind die Aufwendungen abzugsfähig, entschied der Bundesfinanzhof (Az. VI R 43/10)

Bordellbesuche

Es war zu vermuten. Nein, die sind nicht absetzbar. Aber es wurde bereits versucht, und der Bundesfinanzhof hatte darüber zu entscheiden (Az. III R 21/86 ). Argumentiert wurde wie folgt: Eine steuerlich absetzbare Bewirtung als Betriebsausgaben im Sinne des Einkommenssteuergesetzes liegt nur dann vor, wenn die Darreichung von Speisen oder Getränken eindeutig im Vordergrund steht. Beim betrieblichen Bordellbesuch geht es jedoch anders als bei einem Restaurantbesuch nicht um die Schaffung eines angenehmen Rahmens für geschäftliche Gespräche. Das persönliche Vergnügen tritt zu sehr in den Vordergrund. Entsprechende Aufwendungen sind somit nicht von der Steuer absetzbar.

Fitnessstudio

Geht. Sport kann von der Steuer abgesetzt werden. Bei medizinischer Notwendigkeit macht der Fiskus mit. Das Finanzgericht München entschied einen entsprechenden Fall (Az. 1 K 2183/07). So kann das Fitness-Studio von der Steuer abgesetzt werden, wenn der Patient Rückenbeschwerden hat, die durch gezielten Sport eine Verbesserung nach sich ziehen würden. Wichtig ist aber eine Bescheinigung vom Amtsarzt. Dieser muss klarstellen, dass hier eine medizinische Notwendigkeit für den Sport vorliegt.

Beitrag für den Golfclub

Nein, das geht nicht. Der Golfclubbeitrag ist nicht steuerlich absetzbar. Das Finanzgericht Köln hat entschieden, dass ein Händler von Sportartikeln auch nicht anteilig seinen Mitgliedsbeitrag für einen Golfclub steuerlich geltend machen kann (Az. 10 K 3761/08). Die Ausübung einer Trendsportart wie Golf betreffe in erheblichem Umfang die private Lebensführung. Deswegen lässt sich hier nichts absetzen.

Doch der Fiskus kommt nicht nur erfolglosen Anlegern entgegen. Auch Arbeitnehmern greift er unter die Arme: Bestimmte Zuschüsse des Chefs müssen sie nicht wie ihres restliches Gehalt versteuern, sondern zahlen darauf entweder gar keine Steuern oder zumindest deutlich weniger. Auch die Sozialabgaben entfallen bei solchen Extraleistungen häufig.

Wie genau sich solche Essenszuschüsse, Warengutscheine oder Zuschüsse zu den Kindergartenkosten auf dem Gehaltszettel bemerkbar machen, kann mit dem Gehaltsoptimierer berechnet werden. Das Tool weist eine detaillierte Rechnung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber aus.

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