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12.07.2015

17:00 Uhr

Steuern sparen mit Strafzins?

Negativzinsen sind keine Verluste

VonKatharina Schneider

Bislang verlangen nur wenige Banken Strafzinsen auf große Spareinlagen. Doch der Fiskus schützt sich bereits gegen mögliche Erstattungsansprüche – indem er den negativen Zinsen einen neuen Namen gibt.

Die ersten Banken verlangen Negativzinsen auf Spareinlagen. dpa

Schlechte Zeiten für Sparschweine

Die ersten Banken verlangen Negativzinsen auf Spareinlagen.

FrankfurtNoch sind negative Zinsen auf Spareinlagen in Deutschland die Ausnahme. Trotzdem hat sich jetzt das Bundesfinanzministerium damit beschäftigt. Für das, was der Volksmund als Strafzinsen bezeichnet, haben die Beamten einen neuen Begriff gefunden: Wirtschaftlich gesehen, so heißt es in einem aktuellen Schreiben des Ministeriums, handle es sich „um eine Art Verwahr- oder Einlagegebühr“.

„Na, und?“, werden sich die meisten Anleger nun denken. Schließlich ändert der Begriff nichts an der Tatsache, dass die Bankguthaben geschrumpft werden – und zwar nicht nur real durch die Inflation, sondern nun auch durch diese Gebühr. Tatsächlich geht es aber nicht nur um eine Vokabel, sondern um die Frage, wie Finanzbeamte diese Gebühren bei der Steuererklärung verrechnen sollen. Die Antwort des Ministeriums ist enttäuschend: gar nicht.

Für wen lohnt die Anlage KAP?

Steuersatz unter 25 Prozent

Wenn der persönliche Steuersatz unter 25 Prozent liegt, sollten Anleger ihre Einkünfte einzeln in der Anlage KAP erklären, damit sie die zu viel gezahlten Steuern zurück bekommen. Ob der persönliche Satz günstiger ist, prüft das Finanzamt aber nicht automatisch, dafür muss in Zeile vier der KAP ein Kreuz bei „Günstigerprüfung“ gesetzt werden.

Rentner

Wer zu Beginn des Steuerjahres mindestens 64 Jahre als war, hat Anspruch auf einen Altersentlastungsbeitrag. Dadurch kommt zu dem üblichen Sparerpauschbetrag noch ein Freibetrag hinzu. Um den zu erhalten, muss auch die Günstigerprüfung beantragt werden.

Freibeträge nicht genutzt

Auch wer seinen Sparerpauschbetrag nicht optimal ausgenutzt hat, etwa weil er seine Freistellungsaufträge zwischen mehreren Geldinstituten falsch aufgeteilt hat, kann über die KAP Geld zurückholen.

Verluste gemacht

Wer beim Handel mit Wertpapieren Verluste gemacht hat, kann diese ebenfalls in der Anlage KAP geltend machen, um Gewinne und Verluste verschiedener Depots miteinander zu verrechnen. Dadurch verringert sich die Abgeltungsteuer oder die Verluste werden in das kommende Jahre vorgetragen.

Jahreseinkommen unter 8.652 Euro

Wer inklusive Zinsen 2016 nicht mehr als 8.652 Euro (17.304 bei Ehepaaren) steuerpflichtiges Jahreseinkommen hatte, muss gar keine Einkommensteuer zahlen und bekommt die einbehaltene Abgeltungssteuer zurück. Bleibt das in Zukunft voraussichtlich so, können Anleger sich mit einer sogenannte Nichtveranlagungs-Bescheinigung (NV-Bescheingung) vom Kapitalertragsteuerabzug gänzlich befreien lassen.


Der Grund: Es handle sich nicht um Zinsen im Sinne des Steuergesetzes. Das Ministerium schreibt, die negativen Einlagezinsen würden „nicht vom Kapitalnehmer an den Kapitalgeber als Entgelt für die Überlassung von Kapital gezahlt“. Anders ausgedrückt: Nicht die Bank zahlt dafür, dass sie das Geld der Kunden nutzen darf, sondern die Kunden zahlen dafür, dass sie ihr Vermögen nicht unter der Matratze lagern müssen.

Das Ministerium hat die Problematik also erkannt, doch es geht noch weiter im Text: Es sei also „eine Art Verwahr- oder Einlagegebühr, die bei den Einkünften aus Kapitalvermögen als Werbungskosten vom Sparer-Pauschbetrag gemäß Paragraf 20 Absatz 9 Satz 1 Einkommensteuergesetz erfasst sind“.

Das soll heißen: Mit dem Sparer-Pauschbetrag, den Ledige jährlich in Höhe von 801 Euro und Verheiratete in Höhe von 1.602 Euro erhalten, sind diese Gebühren bereits abgegolten. Sie haben deshalb keine zusätzliche steuerliche Auswirkung.

Kommentare (1)

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Herr Holger Narrog

13.07.2015, 09:46 Uhr

Kapitaleinkommen sind im sozialistischen System in D die am meisten verhassten und mit je nach Situation und Geldentwertung weit über 100% Besteuerung am intensivsten enteigneten Einkommen. Hauptgrund für diesen Hass auf Ersparnisse ist dass solche den Sparer von staatlichen Leistungen und dem sozialistischem Umverteilungsapparat unabhängig machen.

Beispiel Anleihe: Zins 1,5%, Geldentwertung 2%, Gebühren 0,25%, Steuersatz 27% entsprechen einer Besteuerung von 200% des Ertrages.

Beispiel Aktie: Kursgewinn ab 2010 15%, 3% Gebühren in 5 Jahren, Geldentwertung durchschnittlich 2%, Steuersatz 27% entsprechen einer Besteuerung von ca. 200%.

Da den regierenden Sozialisten diese enteignungsgleiche Besteuerung nicht reicht, lassen sich Verluste aus Wertpapieren nicht mit Gewinnen anderer Einkommensarten verrechnen. Dass man Negativzinsen nicht als solche anrechnen kann, erstaunt nicht weiter.

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