Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.06.2012

13:01 Uhr

Steuern sparen

So kommen Sie beim Ferienjob am Fiskus vorbei

VonKatharina Schneider

Wer die Schulbank in den Ferien gegen einen Aushilfsjob tauscht, muss auf sein Gehalt häufig keine Steuern und Sozialabgaben zahlen. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Schüler und Studenten sich aber gut informieren.

Egal ob Schüler oder Student, wer einen Aushilfsjob annimmt, muss sich auch um die Steuern kümmern. picture-alliance

Egal ob Schüler oder Student, wer einen Aushilfsjob annimmt, muss sich auch um die Steuern kümmern.

DüsseldorfEin Computer, eine Reise, der Führerschein - Jugendliche haben meist viele Wünsche. Und wie schön ist es doch, endlich einmal sagen können: Das habe ich von meinem eigenen Geld bezahlt, dafür habe ich selbst gearbeitet. Der Ferienjob bietet die ideale Gelegenheit, um Geld zu verdienen und gleichzeitig ins Berufsleben hineinzuschnuppern.

Doch wer in die Arbeitswelt eintritt, wird schnell merken: Sobald man Geld verdient, ist auch schon jemand da, der einen Anteil davon abhaben möchte. Wer glaubt, dass auf ein paar hundert Euro ja sowieso keine Steuern bezahlt werden müssen und sich deshalb um nichts kümmert, macht einen Fehler.

So lange dürfen Ferienjobber arbeiten

Jugendschutzgesetz

Kinder und Jugendliche werden in Deutschland vor ungeeigneter und zu harter Arbeit geschützt. Als Kind gilt vor dem Gesetz, wer noch keine 15 Jahre alt ist. 15- bis 18-Jährige gelten als Jugendliche. Auch die erlaubte Arbeitszeit ist je nach Alter begrenzt.

13 bis 14 Jahre

Sind die Eltern einverstanden, dürfen 13- bis 14-Jährige täglich zwei Stunden leichte Aushilfsjobs erledigen. Sie können beispielsweise Zeitungen austragen oder Babysitten. Allerdings dürfen sie nicht während der Schule oder abends nach 18 Uhr arbeiten. Zudem darf die Arbeit weder ihre Gesundheit gefährden noch die schulischen Leistungen einschränken.

15 bis 17 Jahre

Wer zwischen 15 und 17 Jahre alt ist, darf bis zu acht Stunden am Tag – maximal 40 Stunden in der Woche – arbeiten. Pro Jahr dürfen sie höchsten 20 Tage als Ferienjobber Vollzeit arbeiten. Erlaubt sind dabei nur Arbeitszeiten zwischen 6 und 20 Uhr und keine Wochenenden. Ausnahmen gibt es jedoch beispielsweise in Bäckereien, Supermärkten und im Gastgewerbe. Gefährliche Arbeiten sowie regelmäßige Arbeiten bei Hitze, Kälte, Nässe und Lärm sind verboten.

Ab 18 Jahre

Volljährige Schüler und Studenten dürfen genauso behandelt werden wie arbeitende Erwachsene. Alles über 50 Tage pro Jahr ist jedoch kein Ferienjob mehr.

Die Zeit für einen Ferienjob ist günstig: „Dank des wirtschaftlichen Aufschwungs gibt es in diesem Jahr wieder ein größeres Angebot an Ferienjobs“, sagt Ilona Mirtschin von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Von der Euro-Krise sei am Arbeitsmarkt noch kaum etwas zu spüren. Allerdings gibt es regionale Unterschiede. „In Bayern und Baden-Württemberg brummt die Wirtschaft, deshalb ist dort die Nachfrage nach Urlaubsvertretungen und Aushilfen besonders groß.“

Um eine der Stellen zu bekommen, müssen die Jugendlichen aber schon vorher Initiative zeigen oder Kontakte haben, denn nur wenige Jobangebote werden bei den Arbeitsagenturen gemeldet. „Der typische Weg zu einem Ferienjob ist immer noch der Kontakt über Verwandte und Bekannte oder das Klinkenputzen – einfach mal bei den Unternehmen vor Ort nachfragen, ob die eine Aushilfe gebrauchen können“, empfiehlt Mirtschin.

Rechtliches zum Ferienjob

Kindergeld

Seit diesem Jahr spielt es für das Kindergeld keine Rolle mehr, wie viel Jugendliche selbst dazu verdienen. Auch wenn der Nachwuchs hohe Einkünfte hat, behalten Eltern den Anspruch auf Kindergeld.

Arbeitslosengeld II

Auch Jugendliche, deren Eltern Arbeitslosengeld II empfangen, dürfen ihre Einkünfte behalten, ohne dass diese mit dem Arbeitslosengeld verrechnet werden. Allerdings gilt das nur für Schüler allgemeinbildender oder berufsbildender Schulen, die noch nicht 25 Jahre alt sind, pro Jahr maximal vier Wochen in den Ferien arbeiten und höchstens 1.200 Euro verdienen.

Meldung bei der Minijob-Zentrale

Während des Ferienjobs arbeiten Schüler und Studenten zwar sozialversicherungsfrei, doch der Arbeitgeber muss sie trotzdem bei der Minijob-Zentrale an- und abmelden.

Unfallversicherung

Unfallversichert sind Schüler und Jugendliche während ihres Ferienjobs über den Arbeitgeber. Die Beiträge muss dieser an die zuständige Berufsgenossenschaft zahlen.

Ausländische Ferienjobber

Schüler und Studenten, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, sollten sich von der Arbeitsagentur beraten lassen, ob sie eine Arbeitserlaubnis beantragen müssen. Das gilt jedoch nicht für Schüler und Studenten aus EU-Ländern.

Damit die Aushilfsjobber nicht vom Finanzamt oder der Sozialversicherung geschröpft werden, müssen sie bestimmte Arbeitszeit- und Gehaltsgrenzen einhalten. Wer maximal 50 Tage pro Jahr oder bei einer fünf-Tage-Woche maximal zwei Monate am Stück arbeitet, muss keine Beiträge in die Sozialversicherung zahlen. „Wie viel man in der Zeit verdient, spielt für die Sozialversicherung keine Rolle“, sagt Anita Käding, Steuerexpertin beim Bund der Steuerzahler.

Auch Steuern werden wohl die wenigsten Ferienjobber zahlen müssen. „Erst ab einem Bruttoverdienst von rund 900 Euro monatlich werden Lohnsteuern fällig“, sagt Käding. Denn ein jährliches Einkommen von 8.004 Euro ist immer steuerfrei und dazu kommen noch der Arbeitnehmerpauschbetrag von 1000 Euro sowie Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Dadurch sind Einnahmen bis zu 11.000 Euro in der Regel steuerfrei.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×