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13.11.2012

12:08 Uhr

Steuern

Wie sicher Schwarzgelder in der Schweiz sind

VonBarbara Moormann

Deutsche Fahnder machen wieder Jagd auf Steuersünder. Doch Insider bestätigen, dass die anonymen Geldanlageformen in der Schweiz auch heute noch kaum auffindbar sind. Können sich Hinterzieher wirklich sicher fühlen?

Steuer-CDs aus der Schweiz stehen in den Finanzbehörden hoch im Kurs. dpa

Steuer-CDs aus der Schweiz stehen in den Finanzbehörden hoch im Kurs.

Steuersünder schlafen wieder schlecht. Am Montag sind mehr als 50 Fahnder zu Razzien ausgeschwärmt. Diesmal nahmen sie Kunden der Schweizer UBS ins Visier. Die Press hatte vorher einen Tipp erhalten. Die Bild-Zeitung berichtete in großen Lettern, dass gleich sechs Fahnder das Privathaus des Düsseldorfer Modehändlers Albert Eickhoff aufsuchten: „Im Bademantel öffnet der ältere Herr die Tür“.

Schon seit längeren erhöhen die Behörden den Druck auf Steuersünder mit Depot in der Schweiz. Das Finanzministerium in Düsseldorf hat in den vergangenen beiden Jahren insgesamt sechs Daten-CDs aus der Schweiz erworben. Steuer-Verfahren und Selbstanzeigen spülten dem Fiskus seitdem mehr als drei Milliarden Euro in die Kassen. Die Behörden haben angeblich Daten von 7.000 Anlegern darunter Kunden von UBS, Julius Bär und Credit Suisse. Doch wie hoch ist die Gefahr als Steuerhinterzieher in der Schweiz tatsächlich aufzufliegen? Und sind andere vermeintliche Steuerparadies wirklich sicherer?

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Wie sicher können sich Steuersünder mit Stiftungen und Nummernkonten im Ausland fühlen? Handelsblatt Online sprach mit dem Stuttgarter Steuerstrafrechtsexperten Alexander Sommer über das Risiko aufzufliegen.

Deutsche Steuermuffel sind längst dabei, ihr Geld von der Schweiz in die Ferne schwinden zu lassen, wie zum Beispiel nach Singapur. Doch auch in Fernost besteht die Gefahr aufzufliegen. Denn Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will laut Medienberichten Steuersünder auch in Singapur verfolgen. Er plant mit Singapurs Regierung ein neues Auskunftsabkommen. Kein Wunder: Laut Experten soll es sich um hohe Milliardenbeträge handeln, die da von der Schweiz in den asiatischen Staat fließen.

Solche Transaktionen könnten ein Fehler sein. Denn unter Umständen ist das Geld in der Schweiz viel sicherer als nervöse Steuersünder meinen. Eidgenössische Vermögensverwalter erklären zumindest hinter vorgehaltener Hand, dass Nummernkonten, Stiftungen und Trusts auch jetzt kaum ins Visier der deutschen Steuerfahnder geraten.

So funktioniert das Nummernkonto

Vorrausetzungen

Prinzipiell kann jeder ein Nummernkonto in der Schweiz eröffnen. Eine gewisse Bonität sollte vorhanden sein.

Mindesteinzahlungen

Eine Mindesteinlage ist grundsätzlich nicht nötig. Doch einige Banken fordern sie. Das gilt vor allem dann, wenn es sich um ein so genanntes "Private Banking" handelt.

Legitimation

Der Kunde muss sich vor Ort einmal per Personalausweis oder Pass identifizieren und eine gültige Anschrift vorlegen.

Keine Reise in die Schweiz

Das persönliche Erscheinen jenseits der deutschen Grenze lässt sich umgehen. Immer dann, wenn die gewählte Bank über eine Niederlassung hierzulande verfügt.

Überprüfung

Die Bank kontrolliert die Anschrift überprüfen. Sämtliche persönlichen Daten werden bei der Bank gespeichert.

Tarnung

Der Kunde kann das Konto nach außen, also auf allen Formularen, unter einem Decknamen oder einer Nummer führen.

Anonymität

Zu einem normalen Konto besteht der Unterschied darin, dass der Kunde nur wenigen Bankmitarbeitern bekannt ist. Sein Name erscheint nicht auf Kontoauszügen und ähnlichen Dokumenten. Nur wer die Nummer des Kontos und die Zugangsdaten hat, kann darauf zugreifen. Für Dritte ist das Nummernkonto sozusagen „ohne Identität“ ist.

Überweisungen, Ein- und Auszahlungen

Seit Juli 2004 müssen sich die Kunden bei der Einzahlungen oder Abhebungen vor Ort ausweisen. Auslandsüberweisungen auf die Konten sind schwierig, weil hier die Angabe des tatsächlichen Namens und der Anschrift des Kontobesitzers vorgeschrieben sind.

Bankgeheimnis

Deutsche Behörden bekommen von Schweizern wegen Steuerhinterziehung nur dann eine Auskunft, wenn es sich um eine Straftat handelt. Der Haken: Steuerhinterziehung ist an sich ist in der Schweiz keine Straftat, sondern nur eine Gesetzesübertretung. Darum leisten Schweizer Banken nur sehr selten Amtshilfe wenn die angelegten Summen nicht in Deutschland versteuert werden.

Auf den CDs würden im Falle eines Falles nur Nummern oder Stiftungsnamen auftauchen, die dann nicht weiter zugeordnet werden können. Die Namen der dahinter steckenden Anleger, könnten eigentlich kaum enttarnt werden, es sei denn, Bankmitarbeiter wenden hohe kriminelle Energie auf und stellen ein entsprechendes Datenmaterial zusammen, das sie dann an deutsche Fahnder verkaufen.

Kommentare (54)

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Steuereintreiber

13.11.2012, 12:29 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

13.11.2012, 12:41 Uhr

Oft wird China als Vorbild für billig, billig genommen. Dort sind die Arbeitskräfte billiger, die Umweltauflagen geringer etc.

Die deutschen Arbeitnehmer müssen für immer weniger Geld arbeiten, um mit den Billigkräften aus China zu konkurrieren.

Vielleicht sollte man sich auch im Steuerrecht an China orientieren und hier für Verbrecher die mehr als eine Million Euro hinterzogen haben das Chinesische Recht übertragen. Die haben da eine recht abschreckende Strafe. Die Steuerverbrechen würden merklich zurückgehen...

Account gelöscht!

13.11.2012, 12:51 Uhr

ah, "Steuereintreiber", wie provokant! Da hat offenbar ein Kollektivist / Staatist (Sozialist welcher Prägung auch immer) totalitäre Allmacht-Träume. Die Kavallerie reitet wieder!
Die wirklich Reichen (und ihre Berater) sind aber deutlich schlauer und werden sich IMMER - und zwar legal (wenn auch nicht legitim) - dieser "Kollekte" entziehen können (schließlich lassen sie ja die Steuer-Gesetze schreiben). Worauf diese publikumswirksamen Marketingaktionen der Steuerbehörden abzielen ist, den "gehobenen Mittelstand" an Steuerhinterziehern einzuschüchtern.

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