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15.05.2015

17:45 Uhr

Steueroase Schweiz

„Die Mentalität hat sich geändert“

Wir sind kein Ort für versteckte Steuergelder mehr, erklärt Franco Morra. Der Schweiz-Chef der HSBC verkündet einen Kulturwandel: Steuerhinterzieher, Drogenkartelle oder Waffenhändler werden abgewiesen.

Die Schweizer Privatbank und HSBC-Tochter verkündet Besserung. Kunden würden nun alles versteuern, sagt das Unternehmen. dpa

HSBC Genf

Die Schweizer Privatbank und HSBC-Tochter verkündet Besserung. Kunden würden nun alles versteuern, sagt das Unternehmen.

GenfDie Genfer Privatbankentochter von HSBC ist kein Platz mehr für reiche Leute, die dort ihre nicht versteuerten Gelder verstecken wollen. Das erklärte Franco Morra, Vorstandschef der HSBC in der Schweiz.

„Heute kommt ein neuer Kunde zum ersten Meeting und erklärt, dass er alles versteuert, und er bringt sogar die Akten mit“, erklärte Morra auf einer Pressekonferenz des Verbands der Auslandsbanken in der Schweiz. „Ich denke, die Mentalität hat sich sehr geändert.“

Im Februar hatte die HSBC sich entschuldigt, nachdem den sogenannten „Swiss-Leaks“-Berichten zufolge die Schweizer Tochter der britischen Bank Gelder von Steuerhinterziehern, Drogenkartellen und Waffenhändlern annahm. Gegen die Sparte ermitteln die Genfer Behörden weiterhin wegen Geldwäsche, in den USA laufen Ermittlungen wegen Steuerkriminalität.

HSBC hat erklärt, sie habe Compliance und Risikokontrollen überarbeitet, seit sie 2008 den Datendiebstahl des ehemaligen IT-Mitarbeiters Herve Falciani entdeckte. Die Kontodaten, die zwischen 2006 und 2007 entwendet wurden, landeten in der Folge bei den Steuerbehörden einer Reihe von Ländern.

Beim grenzüberschreitenden Private Banking gehe es heute darum, den Kunden eine „Super-Dienstleistung“ zu bieten, das Vermögen zu bewahren und für die Zukunft vorzusorgen, so Morra. Der 47-Jährige arbeitet seit 2010 für die HSBC. Zuvor war er als Schweizer Vorstandschef der größten Schweizer Bank UBS tätig.

Wie Steuersünder ihr Geld in Steueroasen verstecken

Was ist eine Steueroase?

Als Steueroasen werden Länder bezeichnet, die keine oder nur sehr niedrige Steuern auf Einkommen oder Vermögen erheben - und Anlegern Anonymität und Diskretion versprechen. Besonders für Anleger, die in ihrem Heimatland höhere Steuersätze zahlen müssten, sind Steueroasen attraktiv. Die Staaten sind oft klein und wohlhabend, werden meist von stabilen Regierungen geführt und bemühen sich häufig um Investitionen aus dem Ausland. Außerdem garantieren sie Rechtssicherheit und wahren das Bankengeheimnis.

Um welche Länder geht es konkret?

Vielfach geht es um autonome Inselstaaten, weshalb häufig von „Offshore-Leaks“ die Rede ist. In Berichten werden etwa die Britischen Jungferninseln und Kaimaninseln in der Karibik, im Südpazifik die Cookinseln und Samoa, die im Indischen Ozean gelegenen Seychellen und das zu Malaysia gehörende Eiland Labuan sowie Hongkong, Singapur und Panama genannt. Aber auch auf dem Festland, etwa in Luxemburg, soll schon Geld versteckt worden sein.

Wie funktionieren die Steuersparmodelle?

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für diese Geschäfte ist Verschwiegenheit. Viele Steueroasen werben im Internet mit dieser Diskretion und locken so Anleger an, die ihr Kapital vor dem heimischen Fiskus verstecken wollen. Sie gründen oder kaufen für ihre Auslandsgeschäfte beispielsweise Tochterunternehmen, deren Gewinne im Niedrigsteuerland gehalten und wieder investiert werden. Oft erschweren komplexe Unternehmensgliederungen den Behörden die Ermittlungen.

Wie groß ist der Schaden?

Nach Schätzungen der Deutschen Steuergewerkschaft (DStG) umfasst das weltweite Hinterziehungsvolumen allein für deutsche Steuerhinterzieher mehrere hundert Milliarden Euro. Hiervon dürfte laut DStG ein nicht beträchtlicher Teil auf die Schweiz entfallen. Nach einer im Jahr 2012 veröffentlichten Studie verstecken Superreiche weltweit mindestens 21 Billionen US-Dollar (17 Billionen Euro) in Steueroasen, um dem Fiskus zu entgehen.

Sind die Aktionen legal oder illegal?

Nicht alle Methoden, die deutschen Steuerbehörden zu umgehen, sind illegal. Wer etwa seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt, kann privates Einkommen in ein ausländisches Niedrigsteuerland verlagern, ohne sich strafbar zu machen. Strafbar macht sich aber, wer dem Finanzamt seine Geldanlagen in Überseegebieten verschweigt, seinen Wohnsitz aber in Deutschland hat und dort auch sein Einkommen versteuern müsste. International tätige Konzerne können ihre Gewinne durchaus legal auf die Tochterunternehmen verteilen, so dass ein möglichst geringes Steueraufkommen anfällt.

Die Schweiz bemüht sich darum, ihren Ruf als größte Steueroase der Welt abzuschütteln, indem sie mit anderen Staaten bei der Aufdeckung nicht versteuerte Anlagen zusammenarbeitet. Die Schweizer Regierung hat angekündigt, bis 2018 im Rahmen eines neuen, von der OECD entwickelten, Systems die Kontodaten ausländischer Kunden anderen Regierungen zur Verfügung zu stellen.

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