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13.12.2012

17:43 Uhr

Steuerrecht

Der Dienstwagen könnte bald günstiger werden

VonKatharina Schneider

Wer seinen Firmenwagen auch privat nutzen darf, muss den Vorteil versteuern. Doch ist die Berechnung noch zeitgemäß? Darüber muss der BFH entscheiden. Der Steuerzahleranwalt ist nach der Verhandlung „noch guter Dinge“.

Das Privileg eines Dienstwagens genießen längst nicht nur Politiker. Viele Arbeitnehmer dürfen die Wagen sogar privat nutzen. ap

Das Privileg eines Dienstwagens genießen längst nicht nur Politiker. Viele Arbeitnehmer dürfen die Wagen sogar privat nutzen.

DüsseldorfDas Urteil könnte etwa 2,4 Millionen Steuerzahler treffen. So viele haben nach Schätzung des Bundesfinanzministeriums einen Dienstwagen, den sie auch privat nutzen. Das Privileg ist nicht nur Statussymbol, sondern führt auch zu einem sogenannten geldwerten Vorteil – und den müssen die Arbeitnehmer versteuern. Diese Tatsache alleine mögen viele Steuerzahler wohl noch akzeptieren, Streit gibt es aber um die Berechnung dieses Vorteils.

Grundsätzlich gibt es dafür zwei Möglichkeiten: das Fahrtenbuch und die 1-Prozent-Methode. Wer ein Fahrtenbuch führt, muss akribisch festhalten, wann er mit dem Auto gefahren ist und welches die Ausgangs- und Endpunkte waren. Den Ort nur vage anzugeben oder als Zweck der Fahrt lediglich „Tanken“ zu nennen, reicht nicht aus. Auch die Kilometerstände müssen notiert werden.

Was gehört ins Fahrtenbuch?

Betriebliche Fahrten

Hier müssen Datum und Kilometerstand zu Beginn und Ende jeder Fahrt, Reiseziel, Reisezweck und der aufgesuchte Geschäftspartner notiert werden. Auch etwaige Umwege müssen dokumentiert werden.

Private Fahrten

Wer das Fahrzeug privat nutzt, muss nur die gefahrenen Kilometer notieren, nicht aber den Grund der Fahrt.

Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte

Wer von der Wohnung zur Arbeit fährt, muss im Fahrtenbuch nur einen kurzen Hinweis notieren.

Formalia

Das Fahrtenbuch muss zeitnah und in geschlossener Form geführt werden. Es muss die Fahrten vollständig und in einem fortlaufenden Zusammenhang wiedergeben.

Einfacher ist die 1-Prozent-Regel. Dabei wird dem Arbeitnehmer jeden Monat ein Prozent des Bruttoneuwagenlistenpreises als geldwerter Vorteil berechnet. Ein Beispiel: Wenn das Auto laut Liste 30.000 Euro kostet, werden monatlich 300 Euro als zusätzliche Einnahmen gesetzt, pro Jahr also 3.600 Euro. Bei einem persönlichen Steuersatz von 40 Prozent würden dadurch jährlich etwa 1.440 Euro Steuern fällig.

Doch diese Methode ist zu teuer für Arbeitnehmer und nicht verfassungsgemäß – dieser Meinung ist zumindest ein Steuerzahler, dessen Fall am heutigen Donnerstag vor dem Bundesfinanzhof (BFH) verhandelt wurde (Az.: VI R 51/11). Sein Arbeitgeber hatte ihm 2009 einen geleasten Gebrauchtwagen als Dienstfahrzeug zur Verfügung gestellt. Der Neuwagenlistenpreis lag bei 81.400 Euro, der Gebrauchtwagenwert nur bei 31.990 Euro. Sein Finanzamt nahm den Bruttoneuwagenlistenpreis als Bemessungsgrundlage und berechnete mit der 1-Prozent-Regel einen zu versteuernden Vorteil von monatlich 814 Euro.

Kommentare (19)

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13.12.2012, 15:10 Uhr

"Er hat hierzu lediglich ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch zu führen"

Zitat aus der Praxis: "Sie können kein Fahrtenbuch führen, das ich nicht beanstanden kann" - ein Betriebsprüfer

asasello

13.12.2012, 15:32 Uhr

Wenn die Klage mal nicht nach hinten los geht. Sobald nämlich mal jemand anfängt zu rechnen, wie groß der geldwerte Vorteil wirklich ist wird er auf weit mehr als 1% kommen. In Zukunft darf darf dann der Wagen zwar mit dem Kaufpreis angegeben werden aber es werden 3% oder mehr fällig.

G4G

13.12.2012, 16:27 Uhr

Die 1% Regel ist absurd, das ist völlig weltenfremd.
Wenn man einen Geschäftswagen auch in geringem Umfang privat nutzt, muss man ein Fahrtenbuch führen.
Ansonsten zahlt man manchmal mehr als das Auto im Leasing tatsächlich kostet.
Das ist absurd.
Es wäre für die krankende Automobilinsdustrie in Deutschland und für die Volkswirtschaft wesentlich sinnvoller zur alten Regelung zurück zu kehren. (Damals konnten Selbständige die Kosten immer voll absetzen. Die Neidpolitik der Sozen hat das gekippt).
Wenn man das wieder praktizieren würde und zudem Marken vorschreiben würde, die Made in Germany (und Firmensitz auch in Germany! Nicht wie bei Daimler/Chrylser), dann würden die deutschen Unternehmer auch wieder Autos kaufen oder leasen sie aus Deutschland kommen. Die Dingerwären dann nach 3 Jahren gut und günstig für den 2.te Handmarkt da.
Das wäre volkswirtschaftlich extrem sinnvoll. Dann würde Opel in Bochum bleiben und der Rest müsste nicht in die Kurzarebeit laufen.
Aber sowas geht nur mit Pragmatikern nicht mit Neidsozen und weltenfremden Politikern.
Lasst die Leute arbeiten und Geld verdienen, dass Sie behalten können, dann geben sie auch was aus.
Stoppt Leiharbeit und HarzIV. Stoppt Kapitalflucht und den Ausverkauf der deutschen Wirtschaft. Stoppt die Geldverbrennung für den ESM.
Der letzte macht ansonsten das Licht aus.

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