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24.08.2012

19:40 Uhr

Steuerrecht

Wenn Finanzbeamte zu Kunstbanausen werden

VonKatharina Schneider

Bei der Kunstförderung gibt es eigentlich nur Gewinner: Künstler werden unterstützt und Firmen können die Ausgaben steuerlich absetzen. Das funktioniert aber nicht immer, wie nun die Columbus Art Foundation lernen muss.

Installation mit Werken von Gabriela Oberkofler in der Kunsthalle  Ravensburg. (Quelle: Columbus Art Foundation)

Installation mit Werken von Gabriela Oberkofler in der Kunsthalle Ravensburg. (Quelle: Columbus Art Foundation)

DüsseldorfIn der Kunstbranche findet das Engagement des Ravensburger Columbus Holding seit 16 Jahren große Beachtung. 2006 wurden der Unternehmensgründer Götz-Wolf Wagener und seine Frau Gertraud dafür sogar mit dem Deutschen Kulturförderpreis ausgezeichnet. Allein dem Finanzamt scheint der Sinn für Kunst abhandengekommen zu sein. Es will die Förder- und Ausstellungsaktivitäten der Columbus Art Foundation nicht mehr als Betriebsausgaben anerkennen.

„Eigentlich sind die Möglichkeiten der Kunstförderung für Unternehmen in Deutschland sehr umfangreich“, sagt Steuerfachanwalt Jörg Alvermann von der Kanzlei Streck Mack Schwedhelm in Köln. Eine solche Förderung kann entweder als Spende oder als Betriebsausgabe steuerlich geltend gemacht werden. Dabei sind jedoch ein paar Regeln zu beachten.

So verstehen Sie das Finanzamt

Der Einspruch ist zulässig

Wenn das Finanzamt schreibt, dass der Einspruch zulässig sei, klingt das zunächst einmal gut, aber es ist nur die halbe Miete. Denn dies heißt nur, dass der Steuerzahler die formalen Voraussetzungen für einen Einspruch erfüllt hat – wie etwa das fristgerechte Einreichen.

Der Einspruch ist begründet

Erst bei der Frage, ob der Einspruch begründet ist, prüft das Finanzamt das Anliegen des Steuerzahlers inhaltlich.

Das Finanzamt hilft ab

Im Vokabular des Finanzamts bedeutet „abhelfen“, dass die Beamten dem Einspruch des Steuerzahlers folgen und beispielsweise eine außergewöhnliche Belastung doch als solche anerkennen.

Das Finanzamt gewährt AdV

Eigentlich muss eine Steuernachzahlung trotz eingelegtem Einspruch sofort beglichen werden. Der Steuerzahler kann jedoch AdV – Aussetzung der Vollziehung – beantragen. Das ist jedoch gefährlich, denn wenn der Steuerzahler Jahre später doch zahlen muss, kassiert das Finanzamt nicht nur die Nachzahlung, sondern auch noch saftige Zinsen.

Das Verfahren ruht

Wenn zu einer steuerrechtlichen Frage bereits ein Verfahren läuft, muss ein Steuerzahler, der sich aus den gleichen Gründen ungerecht behandelt fühlt, nicht selbst gegen seinen Steuerbescheid klagen. Es reicht, wenn er Einspruch einlegt und auf das laufende Verfahren verweist. Gewährt das Finanzamt das Ruhen des Einspruchsverfahrens, kann der Ausgang des anhängigen Klageverfahrens entspannt abgewartet werden.

Das Finanzministerium verhängt einen Nichtanwendungserlass

Wenn das Finanzministerium für eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs einen Nichtanwendungserlass verkündet, gilt das steuerzahlerfreundliche Urteil nur für den entschiedenen Klagefall. Andere Steuerzahler können sich dann nicht mehr darauf beziehen, sondern müssen gegebenenfalls selbst klagen.

„Bei den letzten beiden Betriebsprüfungen gab es keine Probleme“, sagt Columbus-Sprecher Dieter Götz. Nun werde die Anerkennung der Ausgaben in Frage gestellt. Den Ausgaben müssten auch nachhaltige und angemessen hohe Erlöse gegenüberstehen, so die Begründung. „Dafür müssten wir beispielsweise eine Galerie oder eine Sammlungsberatung gründen, aber das würde unserer eigentlichen Vision völlig entgegenstehen“, sagt Götz.

Die Columbus Art Foundation hat es sich zur Aufgabe gemacht, junge Künstler zu unterstützen. Entdeckt wurden beispielsweise die Künstlerinnen Anna Witt, die heute zu den 30 wertvollsten Künstlerinnen unter 35 Jahren gehört, und Gabriela Oberkofler, die 2011 auch das renommierte Stipendium der Kunststiftung Baden Württemberg gewonnen hat. Um die Erzielung von Gewinnen geht es dem Unternehmen dabei nicht. Noch nie wurde eins der erworbenen Werke weiterverkauft.

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Obwohl der Name „Foundation“ es zunächst vermuten lässt, ist die Columbus Art Foundation keine Stiftung. Auch gesellschaftsrechtlich ist sie keine eigene Einheit, sondern vielmehr ein Art Abteilung der Columbus Holding, einem mittelständischen IT- und Finanzdienstleister. Von den 30 bis 40 Millionen Euro Betriebsumsatz fließen jährlich 250.000 Euro in die Künstlerförderung.

Kommentare (3)

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Installatoer

24.08.2012, 20:36 Uhr

Steuereintreiber müssen ja auch nichts von Kunst verstehen, sowie viele "Mäzene" weder von Kunst noch etwas von Steuern verstehen müssen nolens volens.
Natürlich ein Konstruktionsfehler, der zu diesem Mißverständnis geführt haben dürfte.
Kunstbanausen sollte man hingegen beide nicht bezeichnen dürfen imao.

Beim geldwerten Engagement hingegen finden sich die Steuerbehörden zwar nicht an Kunst, sondern an den damit verbundenen Umsätzen interessiert.

Kunst als Steuerersparnis zeigt umso mehr, wie weit das gekommen ist mit dem Kunstverständnis bei einigen auch finanziell engagierten Rezipienten von Kunst.

Bevor man also einen Cent in Kunst "investiert", sei es nicht aus Liebhaberei oder gar aus Sachverstand, sollte man seinen Steuerberater um fachkundige Beratung bitten.

Betrachterrezipient

24.08.2012, 20:57 Uhr

Eine ganz putzige Auffassung von Kunst war vor ein paar Tagen in einem gebuildet sinnigen Blatt zu finden: ..."kunnst mir mal nen Euro geben...".

So etwas ist witzig und erklärt vielleicht, weshalb zwar viel Kunstintentionen vorhanden sein mögen, es jedoch immer weniger Kunst gibt im Verhältnis zu Kunstbemühungen.

Aber: Wen kann so etwas heutzutage noch wundern...

Kunnst_mich_mal

24.08.2012, 22:18 Uhr

Eine abenteuerliche Prophetie:
Immer mehr wird zu Kunst deklariert werden (müssen) weil es immer weniger Kunst geben wird.
Und das kann man durchaus auch als künstlerische Entscheidung lesen.
Wladimir
So
Estragon
So?
Pozzo
Hopphopp
Lucky
Jaja
Estragon
So

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