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27.01.2010

14:12 Uhr

Steuerthema der Woche

Bewirtung öfter von der Steuer absetzen

VonOliver Holzinger

Wurden Kollegen zur Geburtstags-, Beförderungs- oder Abschiedsfeier eingeladen, fiel das bislang unter die private Lebensführung und war steuerlich nicht abzugsfähig. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat aber entschieden, dass der Werbungskostenabzug nicht allein deswegen ausgeschlossen werden muss, wenn der Arbeitnehmer eine Feier aus persönlichen Gründen durchführt.

Wurden Kollegen zur Geburtstags-, Beförderungs- oder Abschiedsfeier eingeladen, fiel das bislang unter die private Lebensführung und war steuerlich nicht abzugsfähig. Da half auch das Argument wenig, dass solche Zusammenkünfte zur Verbesserung des Betriebsklimas beitragen sollen oder als gesellschaftliche Repräsentationsverpflichtungen zu verstehen sind und damit doch etwas mit dem Beruf zu tun haben. Diese strikte Sichtweise scheint sich jedoch zu wandeln.

Aktuelle Urteile erleichtern Werbungskostenabzug

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat in jüngster Zeit gleich in mehreren Urteilen entschieden, dass der Werbungskostenabzug nicht allein durch die Tatsache ausgeschlossen werden muss, wenn der Arbeitnehmer eine Feier aus rein persönlichen Gründen durchführt (Az. VI R 26/07).

Für die berufliche Veranlassung der Bewirtung spricht etwa, wenn der Arbeitgeber die Veranstaltung organisiert und ausrichtet. Bevor Finanzbeamte den Werbungskostenabzug ablehnen, sollen sie zunächst einmal die Festivität insgesamt würdigen und für ihre Entscheidung alle Umstände des Einzelfalls einbeziehen. Dabei ist eine untergeordnete private Bedeutung zu tolerieren.

Grundsätzlich akzeptiert der BFH den Werbungskostenabzug bei Arbeitnehmern mit erfolgsabhängigem Gehalt (Az. VI R 7/07). Denn bei variablen Bezügen spricht vieles dafür, dass eine Bewirtung dem Zweck dient, den Lohn zu steigern. Werbungskosten liegen daher vor, wenn der Abteilungsleiter seine Vertriebsabteilung bei Speis und Trank in harmonischer Atmosphäre zu mehr Umsatz motivieren möchte.

Als Beispiele führen die obersten deutschen Finanzrichter das 25-jährige Dienstjubiläum eines Geschäftsführers, die Bewirtung und Werbegeschenke für Kunden durch den Außendienstmitarbeiter, die vom Versicherungskaufmann organisierte Jahresabschlussfeier für die ihm unterstellten Mitarbeiter oder die Weihnachtsfeier des Abteilungsleiters für seine Mitarbeiter im Brauhaus an.

Aber auch beim Fixgehalt können Aufwendungen bei der Steuer als Werbungskosten geltend gemacht werden, so beispielsweise durch die Feier anlässlich des fünfjährigen Bestehens der Behörde im Anschluss an eine Dienstbesprechung oder ein geselliges Beisammensein als Ersatz für die üblicherweise stattfindende Weihnachtsfeier (Az. VI R 68/06).

Organisieren Angestellte auf eigene Initiative und Kosten für die Mitarbeiter Feiern, nimmt die Pflege der persönlichen Beziehungen zu Mitarbeitern und Kollegen zwar einen hohen Stellenwert ein. Doch das schließt die berufliche Veranlassung grundsätzlich nicht aus. So darf etwa ein Offizier den Empfang aus Anlass der Übergabe der Dienstgeschäfte und der Verabschiedung in den Ruhestand in voller Höhe als Werbungskosten absetzen, obwohl Soldaten bekanntlich keine erfolgsabhängigen Bezüge erhalten.

Fiskus ist weniger streng

Diese günstigen Urteile wendet die Verwaltung jetzt an. Nach einer Verfügung der Oberfinanzdirektion Hannover (Az. S 2350 - 32 - StO 217) wird die Bewirtung von Kollegen nicht mehr generell vom Werbungskostenabzug ausgeschlossen. Die Beamten sollen die Rechtsprechungsänderung beachten.

Geben Behörden- oder Abteilungsleiter zum Beispiel einen Zuschuss zur Weihnachtsfeier, dem Betriebsausflug oder für ähnliche gesellige Veranstaltungen, lässt sich der Aufwand von der Steuer absetzen. Allerdings muss die Gästeliste nahezu ausschließlich aktive und ehemalige Bedienstete ausweisen und nicht vorwiegend die Familienmitglieder der Kollegen. Keine Rolle spielt, ob die Veranstaltung außerhalb der Firma stattfindet.

Der Autor, Oliver Holzinger, ist Steueranwalt und geschäftsführender Redakteur von "Der Betrieb".

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