Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.02.2017

15:43 Uhr

Steuertipp

Kindergeld gibt’s auch im Praktikum

VonConstanze Elter

Volljährige, die eine Ausbildung machen, können weiterhin Kindergeld bekommen. Das gilt auch während eines Praktikums. Ein aktuelles Urteil des Finanzgerichts Düsseldorf dürfte unter anderem angehende Tätowierer freuen.

Wenn ein Praktikum der Vorbereitung auf ein Berufsziel dient, besteht auch bei erwachsenen Kindern weiterhin Anspruch auf Kindergeld. AFP; Files; Francois Guillot

Tätowierer bei der Arbeit

Wenn ein Praktikum der Vorbereitung auf ein Berufsziel dient, besteht auch bei erwachsenen Kindern weiterhin Anspruch auf Kindergeld.

DüsseldorfPraktika werden inzwischen in allen Bereichen der Ausbildung angeboten: Von ersten Orientierungswochen während der Schule über Pflichtpraktika im Studium bis hin zur Abschlussarbeit im Betrieb sind zahlreiche Varianten denkbar. Manche Praktika sind vorgeschrieben – zum Beispiel als notwendige fachliche Voraussetzung oder Ergänzung der eigentlichen Ausbildung. Andere werden in Ausbildungs- und Studienordnungen empfohlen.

Da viele Praktika nur gering entlohnt werden, ist es für Familien interessant, ob für das erwachsene Kind trotzdem weiterhin Anspruch auf Kindergeld besteht. Wenn ein Praktikum weder vorgeschrieben wird noch empfohlen ist, orientiert sich die Familienkasse am Ausbildungscharakter. Es muss also ein Bezug zum Berufsziel bestehen. Dass dies nicht immer einfach nachzuweisen ist, zeigt ein Fall, den das Finanzgericht Düsseldorf jetzt zu beurteilen hatte.

Kindergeld und -freibetrag

Wer ist für Kindergeld zuständig?

Bei Fragen rund um das Kindergeld müssen sich Steuerzahler in der Regel an die Familienkassen der Bundesagentur für Arbeit wenden. Sie ist für die Bearbeitung und Auszahlung zuständig.

Wie hoch ist das Kindergeld?

Im Jahr 2015 bekamen Eltern für das erste und zweite Kind monatlich je 188 Euro. Für das dritte Kind gab es 194 Euro, für alle nachfolgenden Kinder 219 Euro. Im Januar 2016 wurde das Kindergeld um je zwei Euro erhöht.

Wie hoch sind die jährlichen Freibeträge?

Die Freibeträge gliedern sich in einen Kinder- und einen Betreuungsfreibetrag. 2015 betrugen sie 2.256 beziehungsweise 1.320 Euro - insgesamt also 3.576 Euro - und verdoppeln sich bei zusammenveranlagten Ehegatten und bei einem verwitweten Ehegatten. Getrennt lebende Elternteile erhalten die Freibeträge jeweils einmal. Die Freibeträge können aber auf einen Elternteil übertragen werden, sofern der andere seiner Unterhaltspflicht „im Wesentlichen“ nicht nachkommt. Für 2016 liegen die Beträge bei insgesamt 3.624 Euro.

Ein 22-Jähriger hatte sich vergeblich an einer Fachhochschule zur Aufnahmeprüfung im Studiengang Buchkunst/Grafik-Design beworben. Er beschloss, es an anderen Hochschulen zu versuchen und absolvierte währenddessen zwei Praktika in einem Tattoo-Studio. Diese dauerten insgesamt rund ein Jahr. Die Arbeit dort gefiel ihm und er entschied, sich auf eine Selbstständigkeit als Tätowierer vorzubereiten. Die Familienkasse wertete das Praktikum nicht als Berufsausbildung und forderte das gezahlte Kindergeld zurück.

Dagegen zog die Mutter des 22-Jährigen vor Gericht – und bekam Recht. Das Finanzgericht Düsseldorf (Az.: 10 K 1416/16 AO) sah die Voraussetzungen für eine Ausbildung erfüllt. Dafür müsse dem Praktikum kein detaillierter Ausbildungsplan zugrunde liegen: „Der Vorbereitung auf ein Berufsziel dienen vielmehr alle Maßnahmen, bei denen es sich um den Erwerb von Kenntnissen, Fähigkeiten und Erfahrungen handelt, die als Grundlagen für die Ausübung des angestrebten Berufs geeignet sind“, argumentierten die Richter.

Laut Praktikumsbescheinigung erstreckte sich das Praktikum auf Kundenberatung und Betreuung, Terminplanung, Materialplanung und Einkauf, Auf- und Abbau von Arbeitsplätzen, sicherer Umgang mit kontaminierten Material, Recherche und künstlerisches Arbeiten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×