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07.06.2016

10:57 Uhr

Steuerzahler vor Gericht

Schulessen als haushaltsnahe Dienstleistung?

VonConstanze Elter

In vielen Familien gehört es zum Alltag, dass die Kinder in der Schule auch Mittagessen bekommen. Bislang sind die Kosten für diese Mahlzeiten steuerlich nicht absetzbar. Das könnte der Bundesfinanzhof ändern.

Ein Vater will die Kosten für die Verpflegung steuerlich absetzen. dpa

Schulessen

Ein Vater will die Kosten für die Verpflegung steuerlich absetzen.

MünchenNach einem anstrengenden Schultag muss erst einmal aufgetankt werden – am besten natürlich mit einem guten Mittagessen. Verpflegung und warme Mahlzeiten werden inzwischen in den meisten Ganztageseinrichtungen für Schulkinder angeboten. Über die Qualität lässt sich häufig streiten, über den Preis allerdings nicht: Die Eltern müssen das Essen bezahlen, obwohl Anbieter und Mahlzeiten nicht immer frei gewählt werden können.

Ein alleinerziehender Vater hat nun versucht diese Verpflegungskosten steuerlich als haushaltsnahe Dienstleistung geltend zu machen. Begünstigt sind hier grundsätzlich solche Arbeiten, die normalerweise Sie – oder andere Haushaltsmitglieder – selbst erledigen würden. Die Finanzverwaltung erkennt 20 Prozent der Rechnungsbeträge für haushaltsnahe Dienstleistungen an. Das Besondere daran: Dieser Anteil der Aufwendungen ermäßigt direkt die tarifliche Einkommensteuer.

Maximal berücksichtigt der Fiskus bei den haushaltsnahen Dienstleistungen 4.000 Euro pro Jahr. Um in den Genuss dieses Steuervorteils zu kommen, müssen allerdings einige Voraussetzungen erfüllt sein – zum Beispiel eine Rechnung des Dienstleisters sowie eine Banküberweisung des Betrags.

Faustformel für die Definition der haushaltsnahen Dienstleistung ist die Frage nach der hauswirtschaftlichen Tätigkeit: Deswegen zählen Kochen, Putzen oder auch der Gartendienst normalerweise dazu. Allerdings muss eine haushaltsnahe Dienstleistung in aller Regel tatsächlich daheim erledigt werden. Die Allgemeingültigkeit dieses Grundsatzes bestritt der Vater nun – mit Verweis auf die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs.

Diese Belege gehören zur Steuererklärung - und diese nicht

Mantelbogen
  • Zuwendungsnachweise wie z.B. Spendenbescheinigungen
  • Nachweis der Behinderung im Erstjahr bzw. bei Änderung
Zu Anlage G, S, L - Einkünfte aus Gewerbe, Selbstständigkeit, Landwirtschaft
  • Unterlagen über die Gewinnermittlung (aber auch nur, falls nicht elektronisch übermittelt)
Zu Anlage KAP - Kapitalerträge
  • Steuerbescheinigung über anrechenbare Kapitalertragsteuer, nur wenn eine Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge oder die Günstigerprüfung beantragt wird
  • Steuerbescheinigung über Kapitalerträge, für die keine Kirchensteuer einbehalten wurde, obwohl eine Kirchensteuerpflicht besteht
  • Bescheinigung über anrechenbare ausländische Steuern
Zur Anlage N - Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit
  • Lohnsteuerkarte (in der Regel nicht mehr nötig, da Daten elektronisch übermittelt)
Zur Anlage VL - Vermögenswirksame Leistungen
  • Bescheinigung über vermögenswirksame Leistungen
Zur Anlage Unterhalt
  • Nachweis der Unterhaltsbedürftigkeit
Nicht benötigte Belege

Die meisten Quittungen und Bescheinigungen müssen nur auf Nachfrage dem Finanzamt vorgelegt werden, dazu gehören zum Beispiel Nachweise über Ausgaben für:

  • Arbeitsmittel
  • Beiträge an Berufsverbände
  • Beitragsbestätigungen für Versicherungen
  • Kontogebühren
  • Kinderbetreuung
  • haushaltsnahe Dienstleistungen

Die einzelnen Ausgabenposten können aber vom Finanzamt geprüft werden und müssen dann nachträglich belegt werden.

Sein Argument: Bei der haushaltsnahen Dienstleistung gelte ein funktionaler Nähebegriff – und funktional gehöre das Mittagessen zum Bereich des klägerischen Haushalts. Darüber hinaus betrage die Entfernung zwischen seiner Wohnung und der Schule seiner Kinder lediglich 628 Meter.

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