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21.02.2013

14:35 Uhr

Stiftung Warentest

Auf Stromrechner im Netz ist kein Verlass

VonKatharina Schneider

Die Stiftung Warentest hat zehn Vergleichsrechner für Stromtarife getestet. Das Ergebnis ist ernüchternd. Ohne Vorwissen tappen Verbraucher schnell in die Falle von Lockangeboten. Auch die Sparversprechen sind überzogen.

Kosten und Service im Vergleich

Stromanbieter im Test

Kosten und Service im Vergleich: Stromanbieter im Test

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DüsseldorfDas Urteil der Tester von Stiftung Warentest ist vernichtend: Kein einziges Vergleichsportal für Stromtarife ist verbraucherfreundlich. Die beste Note war ein „befriedigend“, ein Portal sei sogar „mangelhaft“. Das Problem: Wer sich nicht auskennt und die Voreinstellungen nicht ändert, lande bei verbraucherunfreundlichen Tarifen mit Vorkasse, undurchsichtiger Preisgestaltung oder langen Anschlusslaufzeiten, so die Tester. Auch das versprochene Sparpotenzial von bis zu 1.000 Euro sei unrealistisch.

Die Suche nach einem günstigeren Stromtarif ist für viele Verbraucher ein hoch aktuelles Thema. Zum Jahreswechsel waren mehr als 30 Millionen Haushalte von Preiserhöhungen betroffen. Im Durchschnitt stieg der Strompreis um knapp zwölf Prozent pro Jahr. Bei diesem enormen Anstieg begeben sich immer mehr Verbraucher auf die Suche nach einem günstigeren Tarif und nutzen dafür Vergleichsrechner.

Was ist ein fairer Stromtarif?

So bewerten die Tester

Nach Definition von Stiftung Warentest muss ein Tarif folgende Kriterien erfüllen, um als "fair" zu gelten.

Keine Pakettarife

Auf Pakettarife sollte sich der Kunde nicht einlassen, dabei kauft er eine feste Strommenge als Paket. Verbraucht er mehr, muss er den Strom meist teuer zukaufen, verbraucht er weniger, bekommt er kein Geld zurück.

Kein hoher Neukundenbonus

Ein Neukundenbonus ist verlockend, doch er verschleiert die tatsächlichen Kosten und ab dem zweiten Jahr werden die Tarife meist deutlich teurer.

Monatliche Zahlungsweise

Jeden Monat einen kleineren Betrag zu zahlen ist nach Ansicht der Tester fairer als hohe Vorauszahlungen.

Preisgarantie

Für möglichst viele Bestandteile des Strompreises sowie über mindestens zwölf Monate und mindestens über die Mindestvertragslaufzeit sollte es eine Preisgarantie geben, so die Tester.

Kurze Kündigungsfrist

Die Kündigungsfrist dürfe maximal sechs Wochen betragen.

Nach der Mindestvertragslaufzeit

Ist die Mindestvertragslaufzeit abgelaufen, müsse es eine monatliche Kündigungsmöglichkeit mit nicht mehr als vier Wochen Frist geben.

Stiftung Warentest hat zehn Portale untersucht, ausgewählt wurden solche, die nach einer ersten Untersuchung auf originalen Datengrundlagen basieren, so Holger Brackemann, Leiter der Untersuchung. Im Internet seien noch viel mehr Portale zu finden, dabei handele es sich jedoch um Kooperationen, die auf die gleichen Daten zurückgreifen und lediglich einen anderen Namen tragen.

Negativ fiel bei Vergleichsportalen wie Verivox, Check24 oder Toptarif auf, dass Suchende Häkchen weg- oder hinzuklicken, unverständliche Erklärungen lesen und teilweise erst einmal finden müssten. Wer sich mit den Fallstricken nicht auskenne, laufe Gefahr, in die Fänge von unseriösen Anbietern zu geraten.

So vergleichen Sie richtig

Tipps der Verbraucherzentrale

Vergleichsrechner im Internet sind eine sinnvolle Hilfe bei der Suche nach einem günstigen Stromtarif. Die Verbraucherzentrale NRW gibt Tipps, wie Verbraucher die Rechner richtig nutzen.

Mehrere Preisrechner nutzen

Im Internet finden sich zwar etliche Vergleichsrechner, viele davon greifen aber auf dieselben Preis-Datenbanken zurück. Die größte Transparenz verschafft sich, wer parallel bei verschiedenen Anbietern sucht wie zum Beispiel Verivox, Check 24, Toptarif oder Mut-zum-Wechseln.

Voreinstellungen bewusst wählen

In vielen Eingabemasken sind bestimmte Suchkriterien voreingestellt. Wer mehrere Rechner nutzt, sollte immer dieselben Einstellungen wählen. Die Verbraucherzentrale rät, Angebote mit Vorkasse oder Kaution von der Suche auszuschließen. Auch Boni sollte man zunächst ausblenden, um den Preisvergleich nicht zu verzerren.

Hervorgehobene Angebote hinterfragen

Zurzeit finden sich bei manchen Vergleichsrechnern hervorgehobene Angebote ganz oben in der Ergebnisliste, beim Preisrechner Verivox etwa heißen sie „Tipp“, gleichzeitig sind sie als „Anzeige“ ausgewiesen. Die Verbraucherzentrale kritisiert, dass bezahlte Anzeigen in Preisrechnern oft nicht deutlich genug markiert sind. Für Verbraucher ist in vielen Fällen nicht erkennbar, aus welchem Grund manche Angebote besonders empfohlen werden.

Nicht nur auf den Preis schauen

Wer bei der Suche den billigsten Anbieter wählt, kann später Probleme bekommen. Bei der Verbraucherzentrale häufen sich Beschwerden über Stromanbieter, die sich oder ihre Markentöchter mit besonders preiswerten Angeboten an die Spitze der Preisvergleiche schieben. Vor dem Zuschlag sollte jeder im Internet recherchieren, welche Erfahrungen andere Kunden mit dem Anbieter haben.

Vor Vertragsschluss recherchieren

Zur Suche gehört auch: Nicht sofort über den Preisrechner einen neuen Vertrag abschließen. Die Rechner übernehmen nämlich keine Gewähr für Konditionen. Verbraucher sollten sich erst auf den Internetseiten des jeweiligen Stromanbieters informieren, ob der ausgewählte Tarif noch aktuell ist. Auch ein Vertragsabschluss ist natürlich mit dem Stromanbieter direkt möglich, statt über einen Stromvergleichsrechner.

Sich höchstens für ein Jahr binden

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, mit dem neuen Anbieter einen Vertrag von nicht länger als einem Jahr Laufzeit zu vereinbaren. Die Kündigungsfrist sollte höchstens einen Monat betragen. Denn auch vermeintliche Preisgarantien werden im Kleingedruckten manchmal eingeschränkt, so dass die Preise weiter steigen können. Verbraucher und Verbraucherinnen sollten sich die Chance lassen, auf neue Marktentwicklungen schnell zu reagieren.

Die wichtigste Frage der Untersuchung lautete „sind die Portale verlässliche Partner des Verbrauchers bei der Suche nach einem günstigen, aber auch fairen Stromanbieter?“, so Brackemann. Vor dem Hintergrund der Teldafax-Pleite sei der Punkt „faires Angebot“ noch stärker gewichtet worden als in der Untersuchung 2008.

Kommentare (12)

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21.02.2013, 11:52 Uhr

Da der Gesetzgeber nicht in der Lage ist, einfache Sachverhalte für Verbraucher auch einfach zu regeln, kommt der träge Verbraucher nicht umhin, selbst zu denken und die wesentlichen Vertragsbestandteile selbst zu erkennen.
Wer eine Pleite wie bei Teldafax ausschließen will muß halt beim Netzbetreiber (Grundversorger) bleiben. Das ist die sicherste und teuerste Version. Wer sparen will kann es machen wie ich, Beim günstigsten Angebot mit Vorauskasse und Bonus und 1-Jahresvertrag zuschlagen, dabei in den AGB sehen, daß der Bonus bei Erfüllung des Jahresvertrags gezahlt wird und man gezielt zum Endtag mit Mindest-Kündigungszeit kündigt. Für Folgeverträge muß man das Angebot des auslaufenden Vertraggebers ansehen und abnicken oder sich einen neuen Stromlieferanten bei gleicher Handhabung suchen.
Ist zwar mühsamer, hält aber die Gehirnwindungen in Gang und fördert einen Teil Allgemeinwissen.
Wer eine in unserem Wirtschaftssystem leider nicht vermeidbare Pleite mit Totalverlust einer Vorauszahlung scheut oder nicht schultern kann, dann siehe oben teuerste Version.

Account gelöscht!

21.02.2013, 12:29 Uhr

Vorauskasse ??? NIEMALS !!!!!!

Account gelöscht!

21.02.2013, 12:46 Uhr

Wer kein Risiko eingehen will, sollte wenigstens nicht in der teuren Grundversorgung verharren, sondern sich die Tarife seines Anbieters anschauen und durchrechnen. Nachdem Freunde bei Teldafax reingefallen sind, bleiben wir bei der RWE, allerdings Tarif "Treuestrom". Mir ist auch aufgefallen, dass Vergleichsportale diese günstigen Tarife der Großen nicht ausweisen. Besser also, selber nachschauen und wer Aktien von RWE und EON hat, kann ja auch noch mit der Dividende kalkulieren. ;)

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