Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.01.2016

13:17 Uhr

Stiftung Warentest prüft Anlageempfehlung

Verbraucherschützer rüffeln Bankberater

VonFrank Matthias Drost

Bei der Anlageberatung steht das Kundeninteresse oft nicht im Vordergrund, bemängelt die Stiftung Warentest nach einem Bankberater-Vergleich. Zwei Geldhäuser fallen durch – darunter eine große Filialbank. Andere glänzen.

Vorsicht Falle: Nicht jede Anlageberatung ist anstandslos zu empfehlen. Imago

Geldanlage

Vorsicht Falle: Nicht jede Anlageberatung ist anstandslos zu empfehlen.

BerlinAuf den Bankberater ist nicht unbedingt Verlass. Auf diese Botschaft kann man eine Untersuchung der Stiftung Warentest über die Qualität der Anlageberatung reduzieren. Die Leistung von zwei Instituten wurde sogar als mangelhaft bewertet. Nur drei schnitten gut ab.

Die Verbraucherschützer haben sich 23 Banken und Sparkassen vorgenommen und dort je sieben Filialen besucht. Alle Kreditinstitute hatten die gleiche Aufgabe zu lösen: Testkunden wollten wissen, wie sie 45.000 Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren am besten anlegen könnten. Etwas Risiko durfte dabei sein, auch wenn die Kunden vorgaben, keine Erfahrungen mit Aktien zu haben. Bei Bedarf sollte das Kapital rasch verfügbar sein.

Top- und Flop-5 der Anlageberatung (Stiftung Warentest, 01/2016)

Top 1

Frankfurter Volksbank
Lösen des Anlageproblems: 2,5
Ermitteln des Kundenstatus: 1,3
Produkt- und Kosteninformation: 2,0
Gesprächsablauf: 1,6
nicht ausgehändigte Beratungsprotokolle: 0
Gesamtnote: gut (2,2)

Top 2

Sparda-Bank Berlin
Lösen des Anlageproblems: 2,5
Ermitteln des Kundenstatus: 1,4
Produkt- und Kosteninformation: 2,5
Gesprächsablauf: 2,2
nicht ausgehändigte Beratungsprotokolle: 0
Gesamtnote: gut (2,3)

Top 3

Nassauische Sparkasse
Lösen des Anlageproblems: 2,2
Ermitteln des Kundenstatus: 2,5
Produkt- und Kosteninformation: 3,8
Gesprächsablauf: 1,7
nicht ausgehändigte Beratungsprotokolle: 0
Gesamtnote: gut (2,5)

Top 4

Berliner Sparkasse
Lösen des Anlageproblems: 2,8
Ermitteln des Kundenstatus: 1,6
Produkt- und Kosteninformation: 2,7
Gesprächsablauf: 2,1
nicht ausgehändigte Beratungsprotokolle: 0
Gesamtnote: befriedigend (2,6)

Top 5

Commerzbank
Lösen des Anlageproblems: 2,8
Ermitteln des Kundenstatus: 1,3
Produkt- und Kosteninformation: 2,8
Gesprächsablauf: 2,1
nicht ausgehändigte Beratungsprotokolle: 0
Gesamtnote: befriedigend (2,6)

Flop 1

Deutsche Postbank
Lösen des Anlageproblems: 4,5
Ermitteln des Kundenstatus: 1,9
Produkt- und Kosteninformation: 3,0
Gesprächsablauf: 2,1
nicht ausgehändigte Beratungsprotokolle: 0
Gesamtnote: ausreichend (3,8)

Flop 2

BW-Bank
Lösen des Anlageproblems: 3,2
Ermitteln des Kundenstatus: 2,7
Produkt- und Kosteninformation: 3,7
Gesprächsablauf: 2,1
nicht ausgehändigte Beratungsprotokolle: 3
Gesamtnote: ausreichend (4,1)

Flop 3

Sparkasse Leipzig
Lösen des Anlageproblems: 3,7
Ermitteln des Kundenstatus: 1,5
Produkt- und Kosteninformation: 4,0
Gesprächsablauf: 1,8
nicht ausgehändigte Beratungsprotokolle: 3
Gesamtnote: ausreichend (4,3)

Flop 4

Hypo-Vereinsbank
Lösen des Anlageproblems: 4,6
Ermitteln des Kundenstatus: 2,2
Produkt- und Kosteninformation: 3,5
Gesprächsablauf: 2,6
nicht ausgehändigte Beratungsprotokolle: 0
Gesamtnote: mangelhaft (4,6)

Flop 5

Hannoversche Volksbank
Lösen des Anlageproblems: 4,8
Ermitteln des Kundenstatus: 1,1
Produkt- und Kosteninformation: 2,3
Gesprächsablauf: 1,3
nicht ausgehändigte Beratungsprotokolle: 0
Gesamtnote: mangelhaft (4,8)

Grundsätzlich fiel der Stiftung Warentest auf, dass nahezu alle Banken den Kundenstatus und die Risikoeinstufung „gut“ erfassten. Doch dann trennte sich die Spreu vom Weizen. Denn auf die korrekte Analyse der Kundensituation folgte nicht die Empfehlung angemessener Produkte. Das muss etwas mit den provisionsgetriebenen Verkaufsvorgaben der Institute zu haben, vermuten die Verbraucherschützer.

Mit der Frankfurter Volksbank, der Sparda-Bank Berlin und der Nassauischen Sparkasse attestierte die Stiftung Warentest nur drei Instituten eine gute Beratungsqualität. Diese empfahlen eine Mischung von sicheren Renten- und Festgeldanlagen sowie Aktienfonds und achteten auch auf die Kosten der Geldanlage. Auch berücksichtigten sie, dass die Geldanlagen rechtzeitig aufgelöst werden konnten.

Insgesamt habe sich die Anlageberatung zwar etwas verbessert, urteilt die Stiftung. So seien das Anlageziel und die Risikoeinstufung der Kunden den Instituten fast durchweg gut gelungen. Doch in vielen Fällen hätten dann aber die angebotenen Geldanlagen nicht zu diesen Vorgaben gepasst, stellten die Tester in ihrer am Dienstag veröffentlichten Studie fest. „Gute Anlageberatung ist immer noch Mangelware. Viel zu oft versorgen Berater ihre Kunden mit falschen Produkten, die nicht zum Anlageprofil passen“, sagte Studienleiter Stephan Kühnlenz. „Dieses Problem der Finanzkrise ist bis heute nicht beseitigt.“

Der Branchenverband Deutsche Kreditwirtschaft betonte, dass zwei Drittel der untersuchten Banken gut oder befriedigend beraten hätten. Zu dem Vorwurf, dass vergleichbare Produkte anderswo günstiger zu erhalten seien, schreibt der Verband in einer Stellungnahme: „Die Testanleger haben eine provisionsbasierte Anlageberatung in Anspruch genommen. Klar ist, dass ein Kreditinstitut die Erbringung solch einer für den Kunden kostenlosen Dienstleistung erwirtschaften muss.“

Kommentare (19)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

19.01.2016, 12:21 Uhr

Zum Glück benötige ich keinen Bankberater, dem könnte ich eher noch etwas erklären.
Denn wer wie ich seit über 50 Jahren in die internationalen Prämiumaktien investiert, der weiß wie der Bulle läuft.
Bei Schwäche nachkaufen und bei Schieflage nie verkaufen, denn nur wer Verluste realisiert der macht Verluste.

Dank HBO, das ich hier endlich wieder mal einen Kommentar schreiben konnte. Es ist schon sehr frustrierend, wenn man hier täglich nach einer geöffneten Kommentarfunktion suchen muß.

Herr Ernst Thoma

19.01.2016, 12:25 Uhr

Ein Berater, der im Sinne des Kunden berät ist so selten, wie ein Pferdemetzger, der Schweinefleisch empfiehlt !

Reiner Blumenhagen

19.01.2016, 12:43 Uhr

Was sind denn bitte "Prämiumaktien"?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×