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10.06.2012

15:06 Uhr

Streit mit Kunden

"Banker werden keine Samariter"

VonChristian Panster

Immer häufiger ziehen Kunden gegen ihre Banken vor Gericht. Experten berichten von einer wahren Klageflut. Allzu bald dürfte sich daran auch nichts ändern. Die Banker haben sich trotz Finanzkrise nicht gebessert.

Eine Justitia im Amtsgericht in Hannover. Immer mehr Kunden verklagen ihre Banken. dpa

Eine Justitia im Amtsgericht in Hannover. Immer mehr Kunden verklagen ihre Banken.

DüsseldorfRalph Brendel hat in den vergangenen Jahren Tausende Kontoauszüge durchsucht. Nach Zinsbelastungen, Wertstellungstagen, den verschiedensten Gebühren. Er ist Kreditsachverständiger bei der Beratungsgesellschaft Zinspruef in Berlin. Sein Job ist es, herauszufinden, ob eine Bank ihre Kunden über den Tisch zieht oder die sich einfach nur ungerecht behandelt fühlen. Brendels Urteil fällt eindeutig aus: Das schlechte Image der Finanzkonzerne kommt nicht von ungefähr.

Sein derzeit liebstes Beispiel ist Axel Brauer, Unternehmer und seit vielen Jahren Kunde bei der Berliner Volksbank. Brauer hat verschiedene Kredite bei den Genossen, darunter auch Fremdwährungsdarlehen über Schweizer Franken. Probleme gibt es dabei vor allem mit der Umrechnung von Fränkli in Euro. „Bei einem der Fremdwährungsdarlehen waren sämtliche Kurse falsch, und zwar über einen Zeitraum von zehn Jahren“, sagt Prüfer Brendel. Alle zulasten des Kunden. Das sei sicher kein Zufall.

In Brendels Gutachten, das dem Handelsblatt vorliegt, sind insgesamt Dutzende Umrechnungstermine aufgelistet - jedes Mal musste Kunde Brauer draufzahlen. Bei der Volksbank in Berlin verweist man darauf, dass man bisher nur Teile des Gutachtens zu sehen bekommen habe. Außerdem sei man an das Bankgeheimnis gebunden. Sollte Kunde Brauer die Bank davon entbinden, könne man sich sehr viel detaillierter dazu äußern.

Gegenseitig hat man sich offenbar schon länger nichts mehr zu sagen. Wenn, dann höchstens vor Gericht. Viele Gerichte sind überfordert. Brauer und sein Händel mit der Berliner Volksbank sind keine Seltenheit, ganz im Gegenteil. Immer häufiger geraten Finanzinstitute mit ihren Kunden aneinander. Landauf, landab klagen Richter über die wachsende Arbeit mit der Bankenbranche. „Die Zahl der Kunden-Klagen hat im Laufe der Jahre deutlich zugenommen,“ sagt Georg Jäger von der Anwaltskanzlei Rössner in München; viele Kammern seien mittlerweile völlig überlastet. Die Erfahrungen der Finanzkrise haben die Kunden misstrauisch gemacht.

Auf der Anklagebank sitzen Bankvertreter aller Couleur. Großbanker, Sparkassen-Chefs, Genossen, Landesbanker. „Es gibt eine ganze Reihe von Produkten, bei denen die Banken ihre Kunden übervorteilen“, sagt Brendel. Bei der sogenannten Vorfälligkeitsentschädigung etwa. Oder bei Krediten mit variablem Zins, Kontokorrentkrediten beispielsweise. Oftmals tricksen die Banken da bei der Wertstellung. Beliebt sind auch Zinsderivate. In diesem Bereich gibt es die abstrusesten Konstruktionen. „Konstruktionen, bei denen letztlich immer die Bank gewinnt“, meint Brendel.

Kommentare (8)

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Marc

10.06.2012, 15:54 Uhr

"Der zuständige Richter monierte im März vergangenen Jahres, dass das komplexe Produkt von vornherein so angelegt war, dass die Bank in jedem Falle ihre Gewinnmarge kassieren würde."

Ich denke man wird kaum Unternehmen finden, egal ob Groß- oder Einzelhandel (Nichtbanken) die Produkte verkaufen ohne einen Gewinn erziehlen zu wollen. Geschäfte mit einem Deckungsbeitrag von Null zur sicherung hoher Marktanteile mal ausenvor. Dass die Bank mit ihrem Geschäft verdienen will sollte klar sein. Keinem wird beim Kauf einer Brezel gesagt wie viel ein Bäcker daran verdient.... und ob man evtl. der Gewinn der Bäckerei bei einem Laugenweckchen geringer ist.

WFriedrich

10.06.2012, 16:00 Uhr

Zitat: "Allzu bald dürfte sich daran auch nichts ändern. Die Banker haben sich trotz Finanzkrise nicht gebessert".

Daran wird sich nichts ändern. Legislative und Judikative verweigern sich im Ringen gegen Spekulation, gegen das organisierte Schädigen der Bürger - insbesondere der Kleinsparer. Sie sind die eigentlich Schuldigen. Die Täter nutzen ihre Freiräume lediglich aus. So sollten berechtigter Zorn und alternativlose Selbsthilfe zunächst jenen gelten, die das Volk nicht nur mit planmäßiger Tatenlosigkeit verspotten, sondern auch noch ausrauben, um jene Banken vor dem Konkurs zu bewahren, die von unredlichen Kaufleuten statt von seriösen Bankiers geführt werden. Solange die Spreu nicht vom Weizen getrennt wird, wird unsere Finanzminister eine bedeutsamen Teil unserer Steuern nicht erwartungsgemäß in Bildung, Sicherheit und Infrastruktur investieren, sondern zugunsten der Spekulanten veruntreuen.

anno

10.06.2012, 17:24 Uhr

Samariter muss auch nicht sein.
Es reicht schon die Sorgfalt des ordentlichen Kaufmanns.
Dazu gehört, nicht zu betrügen.
Aber so wird man nicht reich, das ist jedem klar.
Schau sich zudem mal einer die Bankgesetze an: bereits wer versucht, sich ernsthaft mit der Geschäftsbeziehung zwischen Privatkunden und Banken vertraut zu machen, wird erschlagen von jeder Menge Vorgaben. Da steht viel drin, aber nicht, dass das Produkt ehrlich dargestellt werden soll. Wie auch, meist ist es so komplex, dass der Verkäufer in der Bank das selbt nicht beurteilen kann.

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