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23.09.2015

19:54 Uhr

Streit um Ebay-Verkauf

Rücktritt vom Kauf macht nicht automatisch unseriös

Der Abbruch einer Ebay-Auktion muss einen tragfähigen Grund haben, urteilt das BGH. Und: Wer als Käufer von einem Gebot zurücktritt, ist deshalb nicht gleich unseriös. Selbst wenn er 370 mal nicht gezahlt hat.

Wer von einem Ebay-Verkauf zurücktritt, braucht dafür tragfähige Gründe. dpa

BGH-Urteil zu Internetauktionen

Wer von einem Ebay-Verkauf zurücktritt, braucht dafür tragfähige Gründe.

KarlsruheWenn Verkäufer auf der Online-Plattform Ebay eine Auktion abbrechen wollen, muss ihnen hierfür ein tragfähiger Grund bereits bekannt sein. Dass ein solcher Grund möglicherweise vorlag, reicht nicht aus, wie am Mittwoch der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschied. Danach lässt sich zudem nicht generell auf mangelnde Seriosität eines Bieters schließen, wenn dieser in der Vergangenheit bereits mehrere Kauf-Gebote nicht eingelöst hat. (Az: VIII ZR 284/14)

Im Streitfall hatte der Verkäufer einen Jugendstil-Gussheizkörper zum Startpreis von einem Euro angeboten. Als das Höchstgebot drei Tage später bei 112 Euro lag, brach der Verkäufer die Auktion ab. Angeblich war der Heizkörper nach Beginn der Auktion zerstört worden.

Der Bieter der 112 Euro gab sich damit nicht zufrieden. Er behauptete, er hätte den Jugendstil-Heizkörper für 4000 Euro verkaufen können. Mit seiner Klage verlangte er daher 3888 Euro entgangenen Gewinn.

In dem Streit machte der Verkäufer später geltend, er habe inzwischen erfahren, dass der Bieter und sein Bruder in jüngster Zeit 370 auf eBay abgegebene Kaufgebote zurückgenommen habe. Daher habe er das Gebot nicht berücksichtigen müssen.

Das Landgericht Neuruppin war dem gefolgt. Es habe objektive Anhaltspunkte für die „Unseriosität“ des Bieters gegeben.

Bemerkenswerte Auktionen bei Ebay

Der Rekord

Der bisher teuerste über Ebay verkaufte Artikel ist eine Luxus-Jacht. Für 168 Millionen Dollar ging sie 2006 an den russischen Milliardär Roman Abramowitsch. Den vorherigen Rekord hielt seit 2001 ein Gulfstream-Privatjet für 4,9 Millionen Dollar.

Das Dorf

Der Hof Liebon bei Bautzen ist als „Ebay-Dorf“ bekannt. Liebon, aus einem Wohnhaus und mehreren Stallgebäuden bestehend, wurde 2009 als ganzes Dorf zur Auktion gestellt. Bei der Online-Versteigerung fand es nicht direkt einen Käufer. Besitzer Andreas Reitmann erwarb das Anwesen erst später.

Das teuerste Comic-Heft der Welt

Eine „Superman“-Ausgabe wechselte 2014 für 3,2 Millionen Dollar den Besitzer.

Das Toastbrot

Ein Käsesandwich, auf dem man mit etwas gutem Willen ein Frauengesicht erkennen konnte (interpretiert als das Antlitz der Gottesmutter Maria), wurde 2004 für 28.000 Dollar verkauft.

Die Jeans

Dem Hersteller Levi's war 2001 eine seiner Hosen aus dem 1880er Jahren über 46.532 Dollar wert.

Das andere „Papamobil“

Ein VW Golf, den einst Joseph Kardinal Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI. fuhr, wurde bei Ebay 2005 für 188.936,88 Euro von einem US-US-Kasino gekauft. Verkäufer war ein Zivildienstleistender, der den Gebrauchtwagen für knapp 10.000 Euro erworben hatte. Als die Amerikaner zwei Jahre später den Golf wieder versteigern wollten, wurde der von ihnen verlangte Mindestpreis verfehlt.

Der BGH hob dieses Urteil nun aus zwei Gründen auf. Erstens reichten die Kauf-Rücktritte des Bieters und seines Bruders nicht aus, um pauschal von einem unseriösen Käufer auszugehen. Zweitens sei die angeblich fehlende Seriosität nicht der Grund für den Stopp der Auktion gewesen. Als Grund habe der Verkäufer die Zerstörung des Heizkörpers angegeben. Von den Kauf-Rücktritten habe er dagegen erst später erfahren.

Nunmehr soll das Landgericht daher prüfen, ob der Heizkörper tatsächlich zerstört worden ist. Nach den Geschäftsbedingungen von Ebay wäre dies ein zulässiger Grund, die Auktion zu beenden.

Von

afp

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