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10.08.2011

12:51 Uhr

Streitfall des Tages

Kein Anschluss unter keiner Nummer

VonKirsten Krumrey

Kein Telefonanschluss in den eigenen vier Wänden: Nach einem Wohnungswechsel müssen Betroffene oft monatelang auf die Telekom warten. Auch in Großstädten. Wann man das akzeptieren muss und welche Auswege es gibt.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

DüsseldorfDer Fall

Umzug in eine neue Wohnung, doch die Freude währt nur kurz. Telefon und Internet? Hier nicht! Es gibt zwar eine Dose in der Wand und ein Kabel in den Keller. Doch dort endet der Wunsch nach einem Telefon.

Von Telefonanbietern gibt es anstelle eines Anschlusses nur einen nicht erfüllten Vertrag, zahlreiche Warteschleifen und die Auskunft „keine freie Leitung verfügbar“. Die Telekom oder ein anderer Netzbetreiber müsse erstmal für ein neues Kabel sorgen.

Bis alle Zuständigkeiten geklärt, alle Beteiligten koordiniert, der Vermieter informiert und das nötige Kabel zugeschaltet ist, vergehen oft Monate. Mancher Anbieter empfiehlt da lieber: „Warten, bis ein Nachbar auszieht“. Und dessen Nachmieter? „Das ist dann ja nicht mehr Ihr Problem.“ 

Die Relevanz

Es gibt zu viele Fälle – Menschen, die im Jahr 2011 in ihren eigenen vier Wänden weder Telefon- noch Internetanschluss haben. Dabei spricht man in Deutschland eher vom Breitbandatlas. Von der „flächendeckenden Versorgung unseres Landes mit leistungsfähigen Breitbandanschlüssen“, vom „Aufbau von Netzen der nächsten Generation“ und davon, auch die letzte Alm im allerletzten Winkel des Landes mit einem Internetanschluss zu versorgen.

Doch zahlreiche Telefon-Willige stehen vor einem ganz anderen Problem. Ihnen fehlt nicht nur das flotte Netz, sondern gleich der ganze Telefonanschluss. Solche Versorgungsengpässe währen selten ewig, bleiben aber regelmäßig über Monate bestehen.

Die Ursachen für den mangelnden Telefonanschluss könnten vielfältiger kaum sein.

Ursachen

Alte Leitungen

Weniger Telefonleitungen als Wohnungen? Das kann zum Beispiel passieren, wenn die Leitungen schon etwas älter sind. Gehen ein oder zwei im Lauf der Jahre kaputt, kann es schnell zu einem Engpass kommen.

Hausausbau

Ganz typisch bei Mietshäusern. Der Vermieter baut das Dachgeschoss aus oder teilt früher große Wohnungen in mehrere kleine auf. Oft reichen dann aber die Telefonkabel nicht mehr für alle Wohnungen aus, heißt es in einer Telekomfiliale. Es gibt mehr Bewohner und gewünschte Telefonanschlüsse als vorhandene Leitungen. Was klingt wie ein Problem vom Lande kommt auch in Städten wie Düsseldorf, Dortmund, Köln oder Saarbrücken regelmäßig vor. Vor einer ähnlichen Problematik stehen Eigentümer, die ein neues Haus bauen lassen. Auch hier muss für ein Telefonkabel erstmal gesorgt werden.

Vor- und Nachmieter I

Der Vormieter ist längst weg, der neue Mieter hat sich in seiner neuen Wohnung bereits eingerichtet. Alles bestens? Nicht unbedingt. Wenn der Vormieter im Umzugsstress seinen Telefonvertrag nicht rechtzeitig auf die neue Bleibe umgemeldet hat bleibt der Anschluss belegt. Das Ergebnis: Keiner kann telefonieren.

Vor- und Nachmieter II

Noch zäher wird es, wenn der Anbieter des Vormieters in dessen neuer Bleibe seine Dienste gar nicht anbietet. Das passiert vor allem dann, wenn er einen Vertrag mit einem regionalen Anbieter abgeschlossen hatte. Der kann - verständlicherweise - nicht mit umziehen. Da die meisten Telefonverträge 24 Monate laufen, bleibt der Anschluss in der alten Wohnung belegt. Es gibt zwar ein Sonderkündigungsrecht für solche Fälle - oft bleiben die Weggezogenen aber auf ihren Verträgen sitzen und bezahlen diese weiter, ohne sie nutzen zu können, heißt es von den Verbraucherzentralen. Und der Nachmieter? Der hat keinen Telefonanschluss.

Aus zwei mach eins

Sei es als Paar, als WG oder als Familie: Aus zwei Wohnungen eine zu machen rentiert sich oft. Finanziell wie emotional. Bei Telefonverträgen klappt das nicht ohne weiteres. Die Laufzeit ist das Problem. Während die Kündigungsfrist für eine Wohnung im Normalfall bei drei Monaten liegt, läuft der Telefonvertrag eigentlich weiter, bis die meist vereinbarten 24 Monate rum sind. Das kostet unnötig Geld - und belegt zeitweise den Anschluss in der alten Wohnung, zum Leidwesen des Nachmieters.

Telekom und Drittanbieter

Oft sind Verträge mit Anbietern jenseits der Telekom günstiger. Die Telekom ist jedoch Netzbetreiber, die meisten Leitungen gehören ihr. Einen Teil der Leitungen muss sie an Drittanbieter vermieten. Alle verständlicherweise nicht. Ist das Kontingent in einer Region bereits erfüllt, hat ein Vertrag mit einem Drittanbieter keine Chance.

Die Gegenseite

Der Telekom sei „ein generelles Problem nicht bekannt“, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Lediglich „in wenigen Einzelfällen kann es in unserem Netz zu Verzögerungen bei der Einrichtung kommen“, hieß es weiter. Zu solchen Verzögerungen komme es beispielsweise, wenn Tiefbauarbeiten notwendig seien, wenn also eine Straße aufgerissen werden muss, um tatsächlich physisch eine neue Leitung zu verlegen.

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Kommentare (1)

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Papst

11.08.2011, 14:18 Uhr

Kleine Korrektur:
Es besteht ein Rechtanspruch auf einen "funktionalen Telefonanschluss". Die Legaldefinition eines "funktionalen Telefonanschlusses" beinhaltet einen einfachen Internetaschluss. Leider ist die Übertragungsgeschwindigkeit eines solchen Anschlusses heutigen Ansprüchen nicht gewachsen, von den irren Kosten für die Minutenabrechnung ganz zu schweigen.

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