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29.04.2011

11:35 Uhr

Streitfall des Tages

Kreditkarten – Teurer als der Dispo

VonDörte Jochims

Echte Kreditkarten mit Revolving-Funktion sind hierzulande auf dem Vormarsch. Wer den Kredit in Anspruch nimmt, muss aber mit Zinsen vom mehr als 17 Prozent rechnen. Was Karteninhaber besser wissen sollten.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

 „Heute leben, morgen zahlen“, heißt es auf der Webseite von Barclaycard New Visa. Null Prozent Gebühr im ersten Jahr und keine Kosten bei Barabhebungen – das klingt erst einmal überzeugend. Man bleibe flexibel, wirbt der Anbieter. Denn auszugleichen sind regelmäßig nur mindestens fünf Prozent der Schuld. Doch nach Ablauf einer zinsfreien Frist von zwei Monaten werden auf die Restschuld 17,49 Prozent Zinsen kassiert und damit deutlich mehr als auf die Überziehungszinsen der Hausbanken.

„Anders als bei herkömmlichen Kreditkarten wird bei Varianten mit Revolving-Funktion am Ende des Monats nur ein Bruchteil der Summe, die mit der Karte bezahlt wird, automatisch eingezogen“, sagt Annabel Oelmann, Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale NRW. Wer sich also nicht um seine Abrechnung kümmert, zahlt etwa bei der Mastercard Gold von der Advanzia Bank nach einem Konditionenvergleich der FMH-Finanzberatung 17,9 Prozent Effektivzins. Für die Barclaycard New Visa sind es nach Ablauf einer zinsfreien Frist 17,5 Prozent. Die Postbank Visa Card kommt effektiv auf 15,9 Prozent per anno. Stolze Sätze, wenn man bedenkt, dass sich die Banken derzeit zu einem Spitzensatz von nur zwei Prozent bei der Notenbank refinanzieren können.


Die Gegenseite

 Auf Nachfrage betont Barclaycard, dass Kunden flexible Rückzahlungsmöglichkeiten bei der Kreditkarte angeboten werden. Am Ende des Monats könne auch die komplette Summe, die mit der Kreditkarte bezahlt wurde, automatisch abgebucht werden. „Unsere Kunden können monatlich flexibel entscheiden, zu revolvieren oder die volle Summe in ihrer präferierten Zahlungsmethode (zum Beispiel auch per Lastschrift) zu bezahlen,“ betont Solveig Zechner, Communications Barclaycard.

Dies sei beim Wettbewerb nicht immer möglich. Zudem weise das Haus in den Produktinformationen eindeutig auf das Zeitlimit von zwei Monaten für den zinslosen Kredit hin.

Die Relevanz

35 Prozent der Deutschen verfügen über eine Kreditkarte. Vor allem im Online-Geschäft ist das Plastikgeld das wichtigste Zahlungsmittel. Noch besitzen die meisten Konsumenten eine so genannte Debit-Karte, bei der der geschuldete Betrag am Ende des Monats automatisch vom Girokonto abgebucht wird.

Karten mit Revolving- Funktion sind erst seit wenigen Jahren zu haben und in der Minderheit. Doch sie gewinnen an Boden: Wurden sie zunächst nur von kleineren Instituten und ausländischen Banken angeboten, so springen inzwischen auch immer mehr deutsche Geldhäuser auf den Trend auf. So kooperiert etwa die Commerzbank bei der Ebay-Card. Auch die Postbank hat ein eigenes Angebot. Stark im Kommen sind kombinierte Kunden- und Kreditkarten. Dazu zählen die ADAC- und die Airberlin-Karte mit dem Partner LBB und die Neckermann Master Card der Valovia Bank.

Die Kostenfallen

Wer in Deutschland mit einer Kreditkarte bezahlt, der nutzt in den allermeisten Fällen eine so genannte Debit-Karte, in Fachkreisen auch "unechte Kreditkarte" genannt. Der Betrag, der mit der Karte ausgegeben wurde, wird zunächst gesammelt und dann meist am Monatsende vom Girokonto abgebucht. Das Kreditkartenkonto ist dann ausgeglichen. Zinsen fallen in der Regel nicht an.

Bei Revolving-Karten hingegen zahlt der Inhaber monatlich oft nur einen Teilbetrag zurück. Bei den meisten Anbietern kann man auswählen, welchen Anteil des angesammelten regelmäßig ausgeglichen werden soll. Der Rest sammelt sich als Schuld auf dem Kartenkonto an. Auf diesen Betrag fallen dann Zinsen an, die oft noch höher ausfallen als beim Überziehungskredit.

Manche Kartenunternehmen bieten zudem die Option einer Kreditversicherung an, die etwa bei Arbeitslosigkeit greift. Das verteuert den Kredit in manchen Fällen auf mehr als 20 Prozent.

Dritte und vierte Kostenfalle: Wer mit der Karte Bargeld abhebt, zahlt etwa bei der Advanzia-Bank 25 Prozent. Auch der Auslandseinsatz kann tückisch sein: Für den Gebrauch im Nicht-Euroraum kassieren Anbieter bis zu zwei Prozent Gebühr.

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Kommentare (2)

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Gaunerbank

29.04.2011, 14:32 Uhr

Ich hatte das Angebot auch und gleich wieder gelöscht
Diese Bank ist für mich eine Gauner Bank!
Finger weg!

GMM

03.05.2011, 14:51 Uhr

Frau Aigner, es gibt sehr viel zu tun und fangen sie bitte endlich mal an!

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