Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.01.2014

08:37 Uhr

Streitfall des Tages

Wähle 110... und zahle

„Riegel vor“ lautet die Kampagne der Polizei. Und Bürger sollen bei verdächtigen Aktivitäten immer die 110 wählen. Im Ernstfall kann es für die wohlmeinenden Besitzer von Alarmanlagen aber ziemlich teuer werden.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall
Er hat alle notwendigen Vorsorgemaßnahmen gegen Einbrecher getroffen. Das dachte Volker L. aus dem Eifelstädtchen Blankenheim jedenfalls. Vor seinem Urlaub im Herbst hatte er eine Alarmanlage an sein Fachwerkhaus von einem Fachbetrieb installieren lassen, sodass er mit seiner Familie ruhig in den Urlaub fahren konnte.

Kaum waren er und seine Frau gen Süden unterwegs, stellte die Alarmanlage ihr Können unter Beweis und weckte morgens um fünf die Nachbarschaft. Eine Nachbarin wusste von der Reise und alarmierte wegen des Alarms per 110 die Polizei. „Am Einsatzort wurde festgestellt, dass es sich um einen Falschalarm der Alarmanlage handelte. Anhaltspunkte für eine Straftat lagen nicht vor“, heißt es in einem offiziellen Schreiben der Kreispolizeibehörde.

Nach dem Urlaub flatterte der Familie, die gerade erst von dem Alarm erfahren hatte, ein Schreiben der Polizeibehörde ins Haus. Darin stand, dass sie die „Kosten für den Einsatz der Polizeikräfte wegen der Alarmierung durch eine Überfall- und Einbruchmeldeanlage“ in Höhe von 110 Euro selbst zu tragen haben – denn der Alarm sei ein technischer Falschalarm gewesen. Die Rechnung für etwas bezahlen, was man nicht bestellt hat? Kann so etwas rechtens sein, wo doch Polizei, Behörden und Politik immer für die Sicherheit trommeln?

Diese Alarm-Arten gibt es

Technischer Alarm, auch Blinder Alarm

Nach der DIN VDE 0833-1 nicht definiert, Ursachen können landläufig aber beispielsweise ein defekter Brandmelder sein.

Böswilliger Alarm

Nach der DIN VDE 0833-1 nicht definiert, beschreibt die missbräuchliche Alarmierung oder das Vortäuschen einer Straftat – beispielsweise durch absichtliches Drücken des Alarmschalters in einer Straßenbahn – der Missbrauch von Notrufen ist nach Paragraph 145 StGB strafbar (gilt auch für Notruftelefonnummern).

Täuschungsalarm

Nach der DIN VDE 0833-1 wird als Täuschungsalarm ein Falschalarm bezeichnet, der durch das Vortäuschen einer physikalischen und/oder chemischen Kenngröße eines automatischen Melders entstanden ist – beispielsweise durch das Abbrennen einer Zigarette vor einem Feuermelder.

Gebühren für einen Falschalarm

Ein Falschalarm, der einen Feuerwehr- oder Polizeieinsatz auslöst, ist in der Regel kostenpflichtig, neben der strafrechtlichen Relevanz des genannten Paragraphen 145 StGB. Hat die alarmierende Person aber aus bestem Wissen und Gewissen gehandelt und ist kein Vorsatz erkennbar, sollte die Allgemeinheit die Kosten übernehmen.

Die Relevanz
In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland stark gestiegen. Die Polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnet allein für das Jahr 2012 einen Anstieg der Einbrüche von 8,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach Angaben des Bundesinnenministers Hans-Peter Friedrich vom Mai 2013 entstanden den Versicherungen durch die rund 144.000 Einbrüche Schäden von insgesamt 600 Millionen Euro.

Für die Betroffenen hätten die Einbruchsdiebstähle neben den materiellen Schäden oft schwerwiegende psychische Folgen, denn selbst ohne Tätlichkeiten werde der Einbruch häufig als tiefer Eingriff in die Intimsphäre empfunden.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

06.01.2014, 15:03 Uhr

"technischer Falschalarm"

Hatten wir auch schon mal, vermutlich durch einen technischen Defekt.
Kostenrechnung von der Polizei: Ca. 120 €
Eigentlich ist das nicht einzusehen, da die Polizei ja sowieso von unseren Steuergeldern bezahlt wird und die 2 Streifenwagenbesatzungen damals ja ohnehin im Dienst waren und nicht etwa wegen des Alarms bei uns eingestellt wurden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×