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07.09.2011

13:34 Uhr

Streitfall des Tages

Wann ein Branchenbucheintrag richtig teuer wird

Die Gelben Seiten sind das wohl bekannteste Branchenbuch. Daneben gibt es viele andere Anbieter, die ihren Kunden in Onlineverzeichnisse aufnehmen. Einige davon neppen ihre Kunden und verlangen vierstellige Beträge.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

Es ist eine Geschichte, wie sie sich in ganz Deutschland Tag für Tag wiederholt: Ein Maler aus dem nordrhein-westfälischen Kamen bekommt im Oktober 2010 Post. Das Schreiben wird oben durch einen dicken gelben Balken geschmückt. Er trägt die gefettete Inschrift „Branchenbuch Kamen“. Eine Zeile tiefer steht - nicht mehr fett - „Ihr Angebot 2010/2011“. Der Betreff lautet „Eintragungsantrag/Korrekturabzug“.

Obwohl im Kopf des Schreibens vom Branchenbuch die Rede ist, wird dem Maler lediglich angeboten, dass er sich in ein regionales Branchenverzeichnis im Internet eintragen lassen kann. Seine Daten sind teilweise schon ins Formular übernommen, er soll sie überprüfen und bis zu einem bestimmten Datum zurücksenden. In der Annahme, dass ein gelber Balken und der Begriff Branchenbuch für einen Eintrag in den Gelben Seiten, dem seriösen und in Deutschland wohl bekanntesten Branchenverzeichnis der DeTeMedien, steht, schickt der Maler das Schreiben zurück.

Leider unterlässt er es dabei, den Text unter seinen Kontaktdaten richtig zu lesen. Denn dort steht das eigentlich Wichtige: Der Eintrag ins Branchenbuch Kamen wird ihn 1.068 Euro netto im Jahr kosten, der Vertrag läuft mindestens zwei Jahre - und: „Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass unser Verlag mit den Gelben Seiten Verlagen der DeTeMedien GmbH in keiner geschäftlichen Beziehung steht.“

Absender des Briefes ist die Neue Branchenbuch AG in Frankfurt. Sie schickt dem Maler Ende Dezember eine Rechnung über 1.270,92 Euro für einen Standard Business Eintrag für zwölf Monate inklusive Mehrwertsteuer. Bis zu drei Telefon- und Faxnummern könnte der Maler dafür auflisten, bis zu zehn Servicenummern und E-Mailadressen, 15 Ansprechpartner und zehn Internetlinks.

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Der Maler ist jedoch ein Kleinunternehmer, der Eintrag für ihn deutlich überdimensioniert, der Preis zu hoch. Und: Es handelt sich nicht um das Branchenverzeichnis, von dem er glaubte, dort eingetragen zu werden: die Gelben Seiten.

Er zahlt nicht, bekommt Anfang Januar eine Zahlungserinnerung und schaltet darauf Rechtsanwalt Sebastian Dosch in Heidelberg ein. Der legt in einem Brief der Neuen Branchenbuch AG dar, weswegen sein Kunde nicht zahlen wird, und dass er keinen Vertrag mit ihnen schließen wollte. Die Neue Branchenbuch AG antwortet ihm im April auf sieben Seiten: Man verstehe nicht, weswegen der Maler sie mit den Gelben Seiten verwechselt habe, das Schreiben vom Oktober sei eindeutig, der Vertragstext inklusive Kosten prominent platziert. Am Ende der sieben Seiten bietet die neue Branchenbuch AG an, dass der Maler in Raten zahlen kann.

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Kommentare (8)

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Account gelöscht!

07.09.2011, 13:50 Uhr

Gründen Sie mal eine kleine Kapitalgesellschaft - dann kriegen Sie Dutzende (sic!) dieser Schreiben. Seien Sie auf der Hut vor diesen Abzockern.

Account gelöscht!

07.09.2011, 16:25 Uhr

Der Spaß beginnt sobald die Eintragung im Handelsregister veröffentlicht wird. Es wäre wahrscheinlich schon ausreichend die massenhafte Abfrage dieser Daten zu unterbinden. Sonntags gibt es große Reden vom Datenschutz und in der Praxis liefern unsere Behörden sensible Daten unredlichen Unternehmen frei Haus.
Es geht ja nicht nur um diese "Branchenbücher", es gibt auch noch welche die einem eine zweite Gebühr für die Eintragung abluchsen wollen, Versicherungen, private Krankenversicherungen,... alle möglichen wollen nur das Beste vom frischgebackenen Unternehmer, sein Geld!

Unternehmer

07.09.2011, 16:26 Uhr

Das Fazit

"Wer als klein- oder mittelständischer Unternehmer Post von einem Branchenbuchverlag bekommt, sollte diese ganz genau durchlesen."

Genau das soll er nicht tun, sondern den Mist gleich in den Schredder geben!

Ich bin mit meinem Unternehmen umgezogen. Seit Wochen bekomme ich solche Angebote. Alle sehen sich sehr ähnlich, sind aufgemacht wie Schreiben von Behörden und die Absender sind meist aus Frankfuht oder Düsseldorf.

Ich frage mich, warum der Gesetzgeber nicht einschreitet. Sonst machen Sie doch auch für jede Kleinigkeit ein Gesetz!

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