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05.07.2011

09:31 Uhr

Streitfall des Tages

Warum der ICE ständig zu spät kommt

VonDirk Wohleb

Die Unpünktlichkeit der Bahn hat Methode. Vor allem an den Knotenpunkten Köln, Frankfurt und Nürnberg kommt es immer wieder zu Verspätungen. Warum die Züge zu spät kommen müssen und welche Rechte Fahrgäste haben.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

Der 47-jährige Analyst Andreas M. fährt regelmäßig mit dem ICE die Strecke von Köln nach Frankfurt. Wenn er morgens die Domstadt verlässt, kommt der Zug meist pünktlich oder nur mit geringer Verspätung in der Bankenmetropole an.

Ganz anders am Abend, berichtet der Berufspendler. „Der ICE, der um 18 Uhr 10 in Frankfurt Hauptbahnhof startet und um 19 Uhr14 in Köln-Deutz hält, ist für mich eigentlich optimal.“ Doch dieser Zug kommt aus München und sei fast nie pünktlich.

Reisende müssten dann auf den ICE um 18 Uhr 29 ausweichen, der in Frankfurt eingesetzt wird und 19 Uhr 39 in Köln Hauptbahnhof hält. „Auch dieser ICE verspätet sich oft um fünf bis zehn Minuten“, so der Banker.

Unterm Strich komme er oft eine halbe Stunde später am Zielort an. Und das ist fast die Hälfte der gesamten geplanten Fahrzeit von 64 Minuten.

Eine Entschädigung steht ihm dafür nicht zu. Denn laut den seit Juli 2009 gültigen Fahrgastrechten haben Kunden erst ab einer Verspätung von 60 Minuten Anspruch auf die Erstattung von 25 Prozent des Fahrpreises. Wiederholen sich jedoch die Verspätungen mehrmals pro Woche, zeige sich die Bahn oft kulant, sagt M.

Der Streitfall des Tages: Wenn der Schaffner Jagd auf „Schwarzfahrer“ macht

Der Streitfall des Tages

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Falsch gelöste oder fehlende Tickets sorgen beim Bahnfahren immer wieder für Ärger. Selbst auf dem stillen Örtchen lauern Schaffner den Reisenden auf. Wann Kunden zu Schwarzfahrern werden und wie sie sich wehren können.

Die Relevanz

Nach einer Statistik der Bahn kommen angeblich 90 Prozent der Züge im Nah- und Fernverkehr pünktlich an. Doch an den Knotenpunkten Frankfurt, Köln und Nürnberg kommt es immer wieder zu Verspätungen, weiß Mathias Oomen, Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn.

So haben in Frankfurt auch Hochgeschwindigkeitszüge immer wieder zu Stoßzeiten Probleme, den Bahnhof in Richtung Frankfurt-Flughafen pünktlich zu verlassen. Denn auf dieser Strecke teilen sich ICE, Nahverkehrszüge und S-Bahnen die Gleise. Erst das Befahren der Schnellstrecke bis kurz vor Köln verlaufe dann problemlos.

Prügelattacken in Bus und Bahn

28. April 2011

Nach dem Überfall auf einen 21-Jährigen im Berliner U-Bahnhof Amrumer Straße sucht die Polizei mit Bildern aus Überwachungskameras nach drei jungen Schlägern. Zu sehen ist, wie die Männer völlig enthemmt auf den 21-Jährigen einschlagen und einer gegen den Kopf des am Boden Liegenden springt. Das Trio bestiehlt sein schwer verletztes Opfer und entkommt dann unerkannt.

23. April 2011

Im Berliner U-Bahnhof Friedrichstraße tritt ein 18-Jähriger auf den Kopf eines 29-Jährigen ein. Er stellt sich kurz nach der Tat, ebenso sein 18 Jahre alter Begleiter. Gegen den Haupttäter wird Haftbefehl wegen versuchten Totschlags erlassen, dem Komplizen wird gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt. Gegen Auflagen kommen beide bis zum Prozess auf freien Fuß.

Februar 2011

Ein 30 Jahre alter Handwerker wird auf dem Berliner U-Bahnhof Lichtenberg von vier Jugendlichen zusammengeschlagen und liegt mit lebensgefährlichen Hirnverletzungen längere Zeit im Koma. Ein 14-Jähriger und drei 17-Jährige werden nach der Tat als Verdächtige festgenommen. Sie sitzen in Untersuchungshaft.

November 2010

Nach einer belanglosen Auseinandersetzung in einem Nachtbus im westfälischen Münster prügeln drei junge Männer einen 30 Jahre alten Fahrgast auf einem nahe gelegenen Parkplatz fast zu Tode. Die 16, 17 und 19 Jahre alten Angreifer müssen sich seit dem 5. Mai 2011 wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten.

Mai 2010

Tödliche Messerattacke auf einen 19-Jährigen im Hamburger S-Bahnhof Jungfernstieg: Eine Gruppe aus fünf Jugendlichen gerät mit dem späteren Opfer aus nichtigem Anlass in Streit. Ein 16 Jahre alter sogenannter Intensivtäter tötet den jungen Mann mit einem Stich ins Herz und wird dafür später zu sechs Jahren Haft verurteilt.

September 2009

Der Geschäftsmann Dominik Brunner, der sich schützend vor vier Kinder stellt, wird in München am S-Bahnhof Solln von zwei Jugendlichen zusammengeschlagen und stirbt. Die Täter sind 17 und 18 Jahre alt. Der ältere wird im September 2010 zu neun Jahren und zehn Monaten Haft wegen Mordes verurteilt. Sein Komplize erhält sieben Jahre wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

05.07.2011, 10:26 Uhr

Das ist wieder eine typische Rechnung von Amateurkritikern: Investitionen ins Netz pro Bürger.
Bei diesem Schwachsinn müsste man in einem Land wie China oder Indien die Eisenbahn gleich ganz aufgeben. In einem Land wie der Schweiz mit rel. wenig Einwohnern und schwieriger Geographie ist dann nach dieser "Berechnung" alles grossartig.
Oh Herr, wirf Hirn...

Priexo

05.07.2011, 11:52 Uhr

Ihr Kommentar hat durchaus seine Berechtigung! Allerdings habe ich mir eben die Mühe gemacht, die im Artikel genannten Zahlen auf Investitionen pro Schienenkilometer umzurechnen.

Auch da steht die Bahn relativ schlecht da. In Deutschland werden pro Jahr €128T pro Schienenkilometer investiert, während es in Österreich €343T und in der Schweiz sogar €475T. Natürlich ist in unseren beiden Nachbarländern das Terrain schwieriger, aber rechtfertigt dies allein den großen Unterschied?

Account gelöscht!

05.07.2011, 12:22 Uhr

Ein Unterschied ist in jedem Fall gerechtfertigt, aber um die Dimensionen verglecihen zu können braucht man noch die Zahlen für den km im Flachland, die Anzahl der Tunnel und Brücken und noch einige Andere.

Viel interessanter ist aber dennoch die Frage, wie der Unterschied in Österreich und der Schweiz zustande kommt, da ja das Terrain nahezu identisch ist.

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