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04.11.2011

18:03 Uhr

Streitfall des Tages

Warum ein herrenloser Hund niemandem gehören darf

VonRenate Reckziegel

Wie ausgehungert und verwahrlost sie auch sein mögen: Herrenlose Hunde oder Katzen dürfen nicht einfach adoptiert werden. Was neue Besitzer beachten müssen, wenn sie einen Vierbeiner bei sich aufnehmen wollen.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.



Der Fall


Der Hund stand schwanzwedelnd im Zwinger des Tierheims. Dem jungen Paar gefiel er sofort. Die beiden hätten das Fundtier am liebsten gleich mit nach Hause genommen. Doch zunächst sollten sie einen Fundtier-Abgabevertrag unterschreiben.

Demnach dürfen Interessenten ein Tier nur dauerhaft behalten, wenn sich innerhalb von sechs Monaten kein Eigentümer meldet. Doch die Vorstellung, es könnte noch jemand auftauchen und ihren Vierbeiner wieder mitnehmen, schreckte die beiden ab. Sie entschieden sich gegen das Tier.

Die Expertin


„Die Lage ist misslich“, urteilt die Bochumer Rechtsanwältin Gina Haßelberg, an die sich das Paar wandte. Denn eigentlich darf jeder herrenlose Dinge – rechtlich zählen dazu auch Tiere – als Eigentum an sich nehmen. Der Haken dabei: „Ausgesetzte und entlaufene Haustiere stellen keine 'herrenlosen Tiere'“ dar – zumindest nicht im juristischen Sinn. Selbst wenn sie offensichtlich bewusst ausgesetzt wurden, haben solche Tiere immer noch einen Eigentümer mit Rechten und Pflichten.

Das Aussetzen von Tieren ist eine Ordnungswidrigkeit, die laut Tierschutzgesetz mit einem Bußgeld von bis zu 25.000 Euro geahndet werden kann. „Ohne diese Vorschriften wäre die Hemmschwelle, Tiere auszusetzen, wesentlich niedriger“, begründet Haßelberg die Rechtslage. Trotzdem führt das nach ihrer Einschätzung oft zu der leidigen Situation, dass Tiere, die jemand ganz offensichtlich nicht mehr haben will, nicht unkompliziert bei Menschen unterkommen, die gut für sie sorgen würden.

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Die Rechtsgrundlage


Haustiere fallen unter das Fundrecht, das im Bürgerlichen Gesetzbuch, §§ 965 ff. BGB, geregelt ist. „Fundtiere dürfen nicht einfach so 'behalten' werden“, betont Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund. Ansonsten macht sich der Finder wegen Fundunterschlagung strafbar.

Wenn Ihnen ein Tier zuläuft

Eigentümer benachrichtigen

Wer ein Tier findet und an sich nimmt, hat den Eigentümer unverzüglich zu benachrichtigen.

Kennzeichnung prüfen

Sie sind zwar nicht verpflichtet, den Eigentümer aufzuspüren. Allerdings können Sie Tier und Herrchen oft ganz einfach helfen: Häufig sind Tiere am Ohr oder der Innenseite der Schenkel tätowiert, Vögel häufig beringt. Vor allem Hunde und Katzen tragen oft einen Mikrochip unter der Haut. Tierärzte können mit einem speziellen Gerät die Registrierung ablesen und so den jeweiligen Halter ermitteln. Der Finderlohn bei Tieren beträgt drei Prozent ihres Wertes.

Wenn Sie eine Kennzeichnung gefunden haben, ist eine effektive Suche über das Haustierregister des Tierschutzbunds möglich. Sie können dort gleich online prüfen, ob diese Nummer registriert ist. Der Verein Tasso widmet sich ebenfalls der Registrierung von Tieren sowie der Rückvermittlung von Fundtieren.

Den Fund melden

Ist der Eigentümer unbekannt, muss der zuständigen Behörde – meistens ist das die Gemeinde – der Fund unverzüglich angezeigt werden. Tiere können bei der nächsten Polizeidienststelle oder im Tierheim abgegeben werden.

Fundtier-Abgabevertrag

Sie können Fundtiere aus dem Tierheim zunächst nur in Pflege nehmen. Dazu ist es nötig, mit dem Tierheim einen Abgabevertrag zu schließen. Die Schutzgebühr, die dabei erhoben wird, variiert je nach Tierart und Alter. Bei Hunden und Katzen fallen im Schnitt zwischen 80 bis 200 Euro an. Meldet innerhalb von sechs Monaten niemand seine Ansprüche auf das Tier an, geht es automatisch an Sie über. Sollte der frühere Eigentümer jedoch noch auftauchen, muss er Ihnen die notwendigen Ausgaben ersetzen, die Sie für Pflege, Tierarzt und Gebühren hatten.

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