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03.08.2012

14:54 Uhr

Streitfall des Tages

Warum Jobwechsler mit Extraurlaub belohnt werden

VonCatrin Gesellensetter

Fast die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer überlegt derzeit, den Job zu wechseln. Die, die damit Ernst machen, könnten sich eine Menge zusätzlicher Urlaubstage sichern. Die erstaunlichen Rechte der Beschäftigten.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.


Der Fall

Acht Jahre hatte Magdalena Stehrl ihrem Chef jeden Wunsch von den Augen abgelesen, ihre Wochenenden für Nachtschichten geopfert und die eher mäßige Bezahlung klaglos akzeptiert.

Ihrem Ziel, unter seiner Ägide möglichst schnell zur Oberärztin aufzusteigen, ist die passionierte Internistin damit jedoch keinen Schritt näher gekommen. Zwar lobte der Professor stets den Einsatzwillen und die Qualifikation der „jungen Kollegin“. Die ersehnte Beförderung blieb jedoch – trotz anderslautender Beteuerungen – immer wieder aus.

Das Angebot eines großen Pharmaunternehmens, die engagierte Medizinerin zu deutlich besseren Konditionen einzustellen, kam daher gerade Recht. Ende Mai kündigte Stehrl ihr Arbeitsverhältnis fristgerecht zum 31. Juli.
Zeitgleich wies sie ihren verstörten Chefarzt darauf hin, dass sie, da sie im laufenden Jahr noch keinen Urlaub genommen habe, nur noch etwa drei Wochen zu seiner Verfügung stehe. Schließlich müsse sie bis zum Ablauf der Kündigungsfrist noch ihren gesamten Jahresurlaub von insgesamt 30 Tagen abfeiern.

Eine offene Provokation für den verdutzten Professor. 30 Tage Urlaub für sieben Monate Arbeit? Niemals! Oder doch?

Wann der Job den Urlaub kostet

Verzichten verboten

Schließen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einen Aufhebungsvertrag, in dem der Verzicht auf "sämtliche aus dem Arbeitsvertrag entstandene Ansprüche" vereinbart ist, bleibt der gesetzliche Mindesturlaub davon unberührt (BAG, Az. 9 AZR 812/96).

Wer weg ist, darf weg bleiben

Selbst wenn der Arbeitsvertrag eine Klausel enthält, wonach der Arbeitnehmer verpflichtet ist, auf Anweisung seines Chefs den Urlaub abzubrechen, ist diese regelmäßig unwirksam (BAG, Az. 9 AZR 404/99).

Geld gibt’s auch ohne Urlaub

Steht einem Arbeitnehmer, zum Beispiel aufgrund seines Arbeitsvertrages, ein Anspruch auf Urlaubsgeld zu, kann er dessen Auszahlung selbst dann verlangen, wenn die Ferien mal ausfallen: Auch wenn ein Arbeitnehmer längere Zeit krank war und seine freien Tage deshalb nicht abfeiern konnte, muss der Chef die gewohnte Summe überweisen (BAG, Az. 9 AZR 436/00). Wie hoch der Betrag ausfällt, bestimmt sich nach der zugrundeliegenden Vereinbarung.

Gefährliche Alleingänge

Weigert sich der Chef, einen Urlaubsantrag zu bewilligen, sollten Arbeitnehmer dieses Nein erst einmal akzeptieren. Wer sich eigenmächtig ein paar freie Tage nimmt und folglich unentschuldigt bei der Arbeit fehlt, riskiert eine fristlose Kündigung. (BAG, Az. 2 ABR 19/97).

Gleiches Recht für alle

Wenn ein Arbeitgeber mehr Urlaub gewährt, als vom Gesetz vorgeschrieben, muss er alle Mitarbeiter gleichermaßen bedenken. Die lange Jahre gängige Praxis etwa im Öffentlichen Dienst, älteren Beschäftigten mehr Urlaub zuzubilligen, als Jungen, ist rechtswidrig (BAG, Az. 9 AZR 529/10).

Die Relevanz

Der Karriereweg vom Lehrjungen zum Abteilungsleiter in ein und demselben Unternehmen wird zur Ausnahme. Treue zum eigenen Arbeitgeber ist inzwischen ziemlich selten.

Wie selten, belegt eine aktuelle Umfrage des Personalberaters ManpowerGroup. Laut der Erhebung sind derzeit stolze 47 Prozent der Deutschen mit ihrer aktuellen Stelle unzufrieden und ziehen einen Jobwechsel innerhalb des kommenden Jahres in Erwägung.

Streitfall des Tages: Wenn Ihr Chef Spione schickt

Streitfall des Tages

Wenn Ihr Chef Spione schickt

Ein unauffälliges weißes Auto, das seit Tagen an der immer gleichen Stelle steht. Eine seltsame Häufung von „falsch verbundenen“ Anrufen auf der privaten Telefonnummer. Wann darf der Chef Späher ausschicken?

Mit anderen Worten: Fast die Hälfte der Beschäftigten würde ihr Arbeitsverhältnis binnen weniger Monate kündigen, um einen besser bezahlten oder prestigeträchtigeren Job anzutreten. Setzt auch nur ein Bruchteil der Wechselwilligen diesen Plan in die Tat um, dürften zahlreiche Personaler schon bald eine Menge Arbeit haben – nicht zuletzt mit der Berechnung von Resturlaubs-Ansprüchen.

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