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06.07.2011

10:02 Uhr

Streitfall des Tages

Warum sich Urlauber nicht auf ihre EC-Karte verlassen können

VonDörte Jochims

EC-Karten mit dem blau-rotem Maestro-Logo sollten in Europa eigentlich gut funktionieren. Doch immer mehr Bankkunden stehen im Urlaub plötzlich ohne Geld da. Wer im Urlaub mit finanziellen Notlagen rechnen muss.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall


An ihrem Ferienort an der spanischen Costa de la Luz erlebte die Unternehmerin Annett M. eine böse Überraschung. „Bei drei Geldautomaten in der Nähe des Hotels gab es mit meiner Maestro-Karte angeblich keine Verbindung, “ sagt M.

Vom Hotel aus rief die Alleinreisende ihre Kundenbetreuerin bei der Commerzbank an. Das Konto war gedeckt, die Bankerin konnte keinen Grund für den Fehler feststellen. Sie empfahl, es weiter zu versuchen. Statt daher wie geplant am nächsten Tag einen Ausflug zu machen, ging die Urlauberin zu einem weiter entfernten Finanzinstitut. Vergeblich!

Danach besuchte sie eine Filiale der Deutschen Bank und schilderte ihr Problem. Sie erkundigte sich nach Alternativen, um an Geld zu kommen. Doch Hilfe gab es auch hier nicht. „Übernachtung und Flug hatte ich glücklicherweise vor der Reise überwiesen“, so M. Offen sei jedoch die Spesenrechnung des Hotels gewesen. Schließlich erbarmte sich ein Mitreisender und lieh der Kölnerin das Geld.

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Streitfall des Tages

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Wieder zuhause erfuhr sie, dass der Magnetstreifen ihrer Karte im Ausland nicht richtig funktionierte. In Deutschland konnte sie problemlos Geld abheben. Die Bank tauschte die Karte aus und überwies ihr als Entschädigung 50 Euro.

„Passiert das nochmal, überlege ich, die Bank zu wechseln“, sagt die Kölnerin. Sie erinnert sich, dass bei einer Reise nach Irland anno 2010 das Geldabheben auch erst beim vierten Anlauf geklappt und auf Elba in Italien keiner der Inselautomaten Geld „ausgespuckt“ hatte. Ihre Karte sei danach ausgetauscht worden.

Wann die EC-und Kreditkarten im Ausland nicht funktionieren

EC-Karte

Mit Maestro-Karten, die das Girokonto sofort belasten, können Bankkunden normalerweise weltweit zahlen oder Geld abheben. Besonders viele Vertragspartner und Geldautomaten stehen in Europa. Trotzdem funktionieren die Karten häufig nicht. Das kann mehrere Gründe haben. Vor Reiseantritt notieren sich Urlauber für alle Fälle Karten- und Kontonummer.

Auffällige Konto-Bewegungen

Bei jeder von einer EC-Karte ausgelösten Buchung läuft im Rechenzentrum der Banken eine Sicherheitssoftware mit, die Betrug frühzeitig erkennen und durch Kartensperren verhindern soll. Dabei kann es auch zu ungewollten Sperren kommen. Für Kunden ist es schwierig, sich darauf einzustellen. So zog ein Institut in Barcelona die Karte eines Studenten wegen auffälliger Bewegungen ein. Er hatte in kurzer Zeit zweimal hintereinander am selben Automaten Geld abgehoben.

Dispo-Auslandssperre

Postbank, Deutsche Bank sowie einige Volks- und Raiffeisenbanken haben die Möglichkeit zur Überziehung bei den EC-Karten fürs außereuropäische Ausland gesperrt. De facto gilt hier ein Null-Limit. Kunden können es auf Anfrage vor einer Reise heraufsetzen lassen. Wer das nicht tut, steht womöglich mit leeren Händen da. Nötig ist dazu ein Anruf in der Filiale.

Minus auf dem Konto

Ist das Konto im Minus, bewegt sich aber innerhalb des Verfügungsrahmens können Kunden im Inland problemlos Geld mit ihrer Karte ziehen. Im Ausland steht dieser Verfügungsrahmen bei manchen Banken plötzlich nicht mehr zur Verfügung. Vor allem Länder außerhalb der Eurozone sind von dieser Regelung oft betroffen.

Technische Pannen

Neben Defekten an Chips oder Magnetstreifen ist ein weiterer Grund für das Nichtfunktionieren der Karten die Umstellung der Institute auf ein neues Bezahlsystem. So wird bei EC-Karten in Deutschland seit einigen Jahren mit dem Maestro-System bezahlt. Das ist ein Abbuchungsdienst vom Kreditkarten-Unternehmen MasterCard, das mittels Magnetstreifen funktioniert. Da Chipkarten als sicherer gelten, führen manche Institute so genanntes V-Pay ein, das Konkurrenz-Produkt von Visa. Vor allem die Postbank rüstet hier um. Wermutstropfen: Einkaufen mit der neuen Karte Glückssache. Denn längst nicht alle Händler haben umgerüstet. Und in beliebten Urlaubsländern wie den USA oder Ägypten funktioniert die Technik generell nicht.

Kreditkarten

Mit ihnen kann man grundsätzlich weltweit zahlen, solange Vertragspartner und Bankautomaten die jeweiligen Karten annehmen. Zum Geldabheben sind Kreditkarten allerdings meist teurer als EC-Karten. Zudem wird selten beim Bezahlen im Inland der PIN verlangt. Viele Kreditkartenbesitzer sollten sich ihre Geheimnummer daher vor dem Urlaub gut einprägen und sich vor Reiseantritt die Kartennummer notieren. Zudem sollten sie sicherstellen, dass die letzte Abrechnung bezahlt ist.

Auffällige Kontobewegungen

Auch bei Kreditkarten sind auffällige Kontenbewegungen und die Auslieferung von defekten Karten ein Thema. Bei auffälligen Käufen oder Abhebungen können Sicherheitsbeamte ohne Nachfrage die Bezahlfunktion abstellen.

Geldreservierungen

Manche Reiseveranstalter, Airlines und Hotels lassen bei einer Reservierung die entsprechende Summe oft im Voraus blocken. Dann ist der Rahmen schneller ausgereizt als gedacht.

Alternative I: Reiseschecks

Sie können vor Antritt der Reise gegen Gebühr in der entsprechenden Landeswährung gekauft werden. Zahlreiche Geldinstitute nehmen sie weltweit an. Vorteil: Die Schecks sind versichert und werden bei Verlust vor Ort binnen 24 Stunden ersetzt, sofern sich der Kunde als Käufer ausweisen kann.

Alterbnative II: Bargeld

Auch wenn es verpönt ist, Cash gehört in jede Urlaubskasse. In einigen Ländern gelten allerdings Obergrenze für die Einführung von Devisen.

Alternative III: Blitzüberweisung

Wenn alle Stricke reißen, das Portemonnaie futsch ist und Urlauber ohne Geld dastehen, besteht die Möglichkeit einer Blitzüberweisung. Der Finanzdienstleister Western Union bietet sie in Zusammenarbeit mit der Postbank und der Reisebank an. Auch MoneyGram ist hier in Kooperation mit den Sparkassen tätig. Damit kann binnen weniger Minuten Geld von einer Postfiliale an eine Auszahlstelle im Urlaubsland überwiesen werden. Wer nicht selbst Online-Kunde bei der Postbank ist, braucht eine Vertrauensperson, die während des Urlaubs in Deutschland ist und sich in eine Postfiliale begeben kann. Nach dem Ausfüllen eines Formulars informiert sie den Urlauber über die Auftragsnummer und teilt mit, wo er sich sein Geld auszahlen lassen kann. Der Empfänger sucht die Agentur auf und erhält mit der Auftragsnummer und der persönlichen Identifikation das Geld.

Kommentare (9)

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Maurice

06.07.2011, 11:17 Uhr

Auf Reisen weltweit empfiehlt sich die DKB VISA Karte, das Abheben am Automaten ist fast immer kostenlos, ich hatte damit noch nie Probleme. Das Konto dazu ist auch kostenlos, also eine günstige Sache.

Account gelöscht!

06.07.2011, 11:59 Uhr

Zum Sperren von EC Karten möchte ich eine kleine Anekdote über die Unprofessionalität deutscher Großbanken beisteuern. Es ist zwar nicht im Ausland vorgekommen - dort aber wäre das Problem fatal geworden.

1) Die Geldbörse war verschwunden, so dass ich alle Karten sperren lassen musste. Dazu habe ich die Postbank unter einer Servicenummer informiert.
2) Die Postbank hat dann umgehend die EC Karte gesperrt und gleich die meiner Frau mitgesperrt.
3) Glücklichereise fand sich die Geldbörse wieder und die Bank wurde informiert, dass die Sperrung wieder aufgehoben werden kann.
Und jetzt begann die Odysee:
4) Die Hotline informierte uns, dass mit Fax die Sperrung wieder aufgehoben werden kann. Wir sandten ein Fax. Auf dieses Fax habn wir bis heute keine Antwort erhalten.
5) Dann besuchte meine Frau die Filiale, die umgehend ihre Karte einzog.
6) Ich besuchte ebenfalls eine Filiale, die mitteilte, dass eine Aufhebung der Sperrung nur möglich ist, wenn das Fax von der Filiale aus versandt wird. Das haben wir dann gemacht. Weiterhin wurde versucht, die eingezogene EC Karte meiner Frau wieder zurückzuholen.
Noch Interesse? Es kommt noch bunter bei der Postbank!
5) Wir erhielten dann Post von der Postbank, dass meine EC Karte wieder freigeschaltet wurde. Mitsamt einer Entschuldigung. Und die Karte funktionierte tatsächlich ... bis
6) Wir einen weiteren Brief erhielten, dass beide Karten gesperrt wurden und wir neue EC Karten erhalten.
7) Bekamen wir dann auch - natürlich ohne PIN, die kam eine weitere Woche später.
Und die Moral von der Geschicht'? Wir verlassen die überforderte Postbank und passen besser auf unsere Geldbörse mit Kärtchen auf.

Account gelöscht!

06.07.2011, 12:01 Uhr

Zum Sperren von EC Karten möchte ich eine kleine Anekdote über die Unprofessionalität deutscher Großbanken beisteuern. Es ist zwar nicht im Ausland vorgekommen - dort aber wäre das Problem fatal geworden.

1) Die Geldbörse war verschwunden, so dass ich alle Karten sperren lassen musste. Dazu habe ich die Postbank unter einer Servicenummer informiert.
2) Die Postbank hat dann umgehend die EC Karte gesperrt und gleich die meiner Frau mitgesperrt.
3) Glücklichereise fand sich die Geldbörse wieder und die Bank wurde informiert, dass die Sperrung wieder aufgehoben werden kann.
Und jetzt begann die Odysee:
4) Die Hotline informierte uns, dass mit Fax die Sperrung wieder aufgehoben werden kann. Wir sandten ein Fax. Auf dieses Fax habn wir bis heute keine Antwort erhalten.
5) Dann besuchte meine Frau die Filiale, die umgehend ihre Karte einzog.
6) Ich besuchte ebenfalls eine Filiale, die mitteilte, dass eine Aufhebung nur möglich ist, wenn das Fax von der Filiale aus versandt wird. Das haben wir dann gemacht. Weiterhin wurde versucht die eingezogene EC Karte meiner Frau wieder zurückzuholen.
Noch Interesse? Es kommt noch bunter bei der Postbank!
5) Wir erhielten dann Post von der Postbank, dass meine EC Karte wieder freigeschaltet wurde. Mitsamt einer Entschuldigung. Und die Karte funktionierte tatsächlich ... bis
6) Wir einen weiteren Brief erhielten, dass beide Karten gesperrt wurden und wir neue EC Karten erhalten.
7) Bekamen wir dann auch - natürlich ohne PIN, die kam eine weitere Woche später.
Und die Moral von der Geschicht'? Wir verlassen die überforderte Postbank und passen besser auf unsere Geldbörse mit Kärtchen auf.

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