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08.08.2011

09:36 Uhr

Streitfall des Tages

Welche Top-Zins-Angebote nur magere Renditen bringen

VonDörte Jochims

Viele Banken werben mit hohen Zinsen. Bei Licht betrachtet, halten die Offerten aber nicht das was sie versprechen. Oft liegen die Renditen weit unter dem Zinssatz. Bei welchen Banken Anleger vorsichtig sein sollten.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

Die 16jährige Lena B. hat den Lehrplatz angetreten, den sie sich gewünscht hat. Ihr nächstes Projekt wird der Führerschein. Dafür legt sie Monat für Monat einen Teil ihrer Lehrlingsentschädigung zurück. Die Verwandtschaft spart bereits seit Jahren für ein Auto.

5.000 Euro stehen bereit und sollen sich noch voraussichtlich drei Jahre lang ordentlich verzinsen. Ist die Lehre geschafft, soll das Vehikel vor der Tür stehen. Angelockt von einer Werbung der Bigbank klicken Mutter und Tochter auf die Internetseite des estnischen Finanzinstituts.

Die beworbenen 5,65 Prozent per anno gibt es zwar erst bei Laufzeiten ab 10 Jahren. Für Beträge unter 10.000 Euro und bei drei Jahren Laufzeit bietet das Institut immerhin 4,25 Prozent. Doch auch dies ist nur der Nominalzins.

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Die jährliche Rendite für den Veranlagungszeitraum liegt nur bei 4,08 Prozent. Am Ende der Laufzeit stünden somit 5.637 Euro zur Verfügung. Bei 4,25 Prozent Rendite wären es knapp 30 Euro mehr gewesen. Der Anbieter liegt damit bezogen auf die Rendite immer noch vorn, zeigt ein Blick auf den Zinsvergleich der FMH-Finanzberatung.

Doch unterm Strich zahlt die Santander Group etwas mehr. Der Grund: Das Institut bietet offiziell „nur“ 4,0 Prozent, schreibt aber die Zinsen vierteljährlich dem Konto gut.

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Die Gegenseite

Die Bigbank weist in einer Stellungnahme gegenüber Handelsblatt Online darauf hin, dass das Haus nicht nur das in Europa gängige Modell „Zinszahlung bei Fälligkeit des Sparbetrages“ anbietet, sondern auch eine jährliche Auszahlung der Zinsen ermöglicht. "Wie zudem im Artikel richtig festgestellt wurde, habe das Haus jüngst ihren Kundenservice dahingehend verbessert, dass sie nun auch eine Vergleichstabelle mit Nominalzins und Jahresrendite zur Verfügung stellt".

Was Zinsprodukte taugen

Tagesgeld

Kunden können ihr Geld tagesaktuell auf den Konten anlegen und wieder abbuchen. Einige Banken nutzen Tagesgeldkonten als Marketinginstrument und locken mit Zinsen weit über dem Geldmarktniveau. Solche Lockvogelangebote haben oftmals nur kurze Zeit Bestand. Kunden mit Renditeneigung wechseln dann zu einer Top-Offerte bei einer anderen Bank. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Festgeld

Kunden legen zu einem fest vereinbarten Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum an. Bei einigen Instituten können sich Kunden den Zinssatz schon für wenige Monate sichern, üblich ist die Anlage für mehrere Jahre. Da die meisten Banken aktuell mit steigenden Zinsen rechnen, steigen die Sätze meist mit der Länge der Laufzeit. Anleger sollten immer reine Zinskonten wählen und so genannte Sternchenangebote meiden. Diese bestehen häufig aus komplizierten Produktkombinationen. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Sparbuch

Sparkonten zählen immer noch zu den Lieblingsprodukten der Deutschen – auch wenn die Zinsen bei einigen Instituten empörend niedrig sind. Einige Institute entdecken das Sparbuch aber gerade neu und werben mit Zinsen weit über Marktschnitt. Das Sparbuch ist flexibler als Festgeld, da Kunden in der Regel täglich abheben können. Im Vergleich zum Tagesgeld sind viele Sparbücher weniger flexibel, weil es Obergrenzen bei der Summe gibt, die Kunden abbuchen können. Wer das Geld benötigt, wird mit Kündigungsfristen oder Vorschusszinsen bestraft. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Girokonto

Im Ringen um die Privatkunden zahlen einige Direktbanken Zinsen für die Einlagen auf dem Girokonto. Eine Kontoführungsgebühr fällt in der Regel nicht an, wenn Kunden bestimmte Einkommensgrenzen einhalten. Interessenten sollten immer alle Konditionen vergleichen, etwa ob hohe Gebühren für beleghafte Überweisungen anfallen oder ob sie an genügend Geldautomaten gratis mit der EC-Karte Geld ziehen können.

Sparbrief

Anleger legen einen festen Betrag für einen längeren Zeitraum zu einem festen Zinssatz an. Die Laufzeiten variieren zwischen einem und zehn Jahren, üblich sind zwei bis sechs Jahre. Ein früherer Ausstieg ist in der Regel nicht möglich. Anleger können bei der Verzinsung zwischen drei Varianten wählen. Bei der jährlichen Ausschüttung landen die Erträge jedes Jahr auf dem Girokonto des Kunden. Das kann einen Vorteil bei der Abgeltungssteuer bringen. Wer eine Variante mit Zinsansammlung wählt, kann eine höhere Rendite erzielen. Die Erträge werden angelegt und der Kunde profitiert vom Zinseszinseffekt. Nachteil: Bei der Auszahlung dürften die Erträge in den meisten Fällen den Sparerfreibetrag überschreiten. Kunden sollten also immer die Nachsteuerrendite zum Vergleich beider Varianten heranziehen. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Bonussparen

Bei Ratensparverträgen zahlen Kunden einen festen monatlichen Betrag über eine Laufzeit von meist mehreren Jahren ein. Neben den Zinsen zahlen viele Banken einen Zinsbonus, der an bestimmte Zeitmarken gekoppelt ist. Wegen der langen Laufzeit ist der Grundzins häufig variabel. Banken müssen den Zins an entsprechende Referenzsätze anpassen. Interessenten müssen die Gesamtrendite nach Steuern vergleichen, um die Qualität eines Produktes einschätzen zu können. Da sich Kunden lange binden, sollten sie immer die Konditionen für einen vorzeitigen Ausstieg checken. Unfaire Verträge verzinsen die Einlagen bei einem vorzeitigen Ausstieg nur mit Sparbuchniveau.

Bausparvertrag

Viele Bausparkassen bieten spezielle Renditeverträge an und sind deshalb nicht nur für Immobilienkäufer sondern auch für Sparer interessant. In der Ansparphase locken sie mit ordentlicher Verzinsung. Die Raten lassen sich vielfach monatlich verändern, auch Einmalbeträge sind möglich. Am Ende einer bestimmten Laufzeit lockt häufig ein Zinsbonus. Arbeitnehmer mit geringem zu versteuertem Einkommen (Ledige: bis zu 17.900 Euro pro Jahr, Verheiratete: 35.800 Euro pro Jahr) erhalten Arbeitnehmersparzulage. Der Staat zahlt auf jährliche Einzahlungen in Höhe von bis zu 480 Euro neun Prozent Zulage. Anleger müssen dann mindestens sieben Jahre sparen und dürfen den Vertrag nicht auflösen, bevor er Zuteilungsreif ist. Wichtig: Für Kreditnehmer sind solche Rendite-Bausparverträge in der Regel nicht lukrativ.

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