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14.07.2011

12:15 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn Ärzte Patienten zu Unrecht zahlen lassen

VonDörte Jochims

Ärzte stellen oft Rechnungen, die eigentlich die Krankenkasse zahlen müsste. Die Kassen informieren Patienten falsch, etwa bei Hautkrebsuntersuchungen. Wann Patienten zu unrecht zahlen und wie sie sich wehren können.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall


Als die Kölnerin Inge K. zum vereinbarten Termin mit ihrer Hautärztin aufbricht, um sich der Krebsvorsorge zu unterziehen, braucht sie fast eine Stunde, um die Praxis zu erreichen. Dort erwartet sie eine unangenehme Nachricht: Da sie zuletzt im Mai 2009 bei einer Hautvorsorge gewesen sei, würde ihre gesetzliche Krankenkasse frühestens im Mai 2011 die Kosten übernehmen.

Denn zwischen beiden Terminen müssten zwei Jahre liegen. Es käme dabei aufs Quartal an, so die Sprechstundenhilfe. 21,43 Euro koste die Untersuchung für Patienten der gesetzlichen Krankenkasse. Frau K. entscheidet sich, die Rechnung selbst zu zahlen. Kurz darauf erwartet sie die zweite schlechte Nachricht: Sie sollte unterschreiben, dass sie 41,03 Euro zahlt.

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Bei einer Privatleistung werde die Vorsorge stets mit Auflichtmikroskop ausgeführt. Dafür werde ein Aufschlag fällig. „Mir hätte die übliche Behandlung gereicht. Ich habe protestiert, “ sagt Inge K. Doch auch die Ärztin habe gesagt, sie könne die Leistung sofort für die rund 40 Euro beziehen oder im Mai wiederkommen. Also habe sie sich untersuchen lassen und gezahlt.

Auf Anfrage bestätigt ihr Versicherer, die MH Plus Betriebskrankenkasse, dass zwei Jahre zwischen den Terminen liegen müssten. Sie konkretisiert das auf Nachfrage auf 24 Monate. Unterstützt von der Unabhängigen Patientenberatung informiert sich die Patientin über ihre Rechte und legt Widerspruch bei ihrer Kasse ein. Zudem fordert sie den Aufschlag für das Auflichtmikroskop von der behandelnden Ärztin zurück.

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Die Gegenseite

„Die Rechtslage ist von der Unabhängigen Patientenberatung richtig beschrieben. Für Frau B. bestand seit dem 01.01.2011 wieder Anspruch auf eine Hautkrebs-Früherkennungs- Untersuchung, “ sagt Michael Pfeiffer, Pressesprecher der mhplus Krankenkasse. Aus dem Bericht lasse sich schließen, dass in diesem Fall von der mhplus Krankenkasse nicht korrekt beraten wurde. „Dafür entschuldigen wir uns! Und selbstverständlich erstatten wir die Kosten für die gesetzliche Leistung, “ so Pfeiffer.

Pro & Contra Gesetzliche Krankenversicherung

Pro: Verteilte Risiken

Solidargemeinschaft von Alten und Jungen, Gesunden und Kranken – die Risiken werden ständig gemischt.

Quelle: wiwo.de

Mitversichert

Kinder und nicht berufstätige Ehegatten sind kostenlos mitversichert

Leistung inbegriffen

Viele Leistungen für Kinder sind bei der GKV vorgeschrieben, die die PKV nicht ohne höhere Beiträge bietet.

Einfache Abrechnung

Pharmafirmen, Ärzte oder Kliniken bekommen feste Kostensätze erstattet – die Leistungserbringer können nicht pokern wie in der PKV und mehrfache Sätze abrechnen.

Moderate Steigerungen

Von politischen Kostensenkungsmaßnahmen oder Kosten-Nutzen-Analysen profitieren die Versicherten, weil so die Beitragssteigerungen moderater ausfallen

Contra: Politik bestimmt

Den Leistungskatalog bestimmt die Politik – das heißt: nichts ist sicher

Festgelegte Beiträge

Die monatlichen Beiträge werden von der Politik festgelegt – Kassen, die gut wirtschaften, können keine niedrigeren Beiträge anbieten

Keine Ideen

Die Politik bremst Kassen aus, die neue Ideen z.B,. bei Kooperationen oder im Krankheitsmanangement realisieren wollen.

Keine Reserve

Die GKV legt keine Altersreserven an, das Geld wird ausgegeben, wie es reinkommt

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