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31.01.2012

11:04 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn Anwälte gierig werden

VonBarbara Moormann

Wenn sich Mandanten von Anwälten vertreten lassen, dann müssen sie ihnen vertrauen. Immer wieder gibt es aber Streit ums Honorar. Der Fall eines geschädigten Geldanlegers zeigt, wann Mandanten aufpassen müssen.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.


Der Fall

Eine Anlegerin hatte erfolgreich prozessiert und fordert von der Kanzlei Marzillier, Dr. Meier & Dr. Gunter Rechtsanwaltsgesellschaft mbH aus München, die sie damals vertrat, vereinnahmtes Fremdgeld zurück.

Es ging um einen Prozess vor dem Landgericht Düsseldorf wegen einer Schadensersatzforderung gegen Pershing LLC. Die Anlegerin zahlte damals rund 9.400 Euro an die Kanzlei und zusätzliche Gerichtskosten. Pershing wurde verurteilt (Az. 9 O 117/06) und die Kanzlei bekam aufgrund des Urteils rund 178.600 Euro. Davon erhielt dann die Klägerin nur rund 161.900 Euro. Den Rest behielt die Münchener Kanzlei und schickte sogar eine weitere Rechnung an die Mandantin über ein Honorar in Höhe von rund 6.000 Euro.

Der Mandantin wurde das dann zu bunt. Sie stellte diese letzte Rechnung in Frage, kündigte das Mandat auf und forderte ihrerseits einen Betrag von rund 17.300 Euro von der Kanzlei.

Streitig waren zudem die Kostenfestsetzungsbeschlüsse. Die Mandantin beurteilte die Rechnung der Kanzlei als den Versuch einer rechtswidrigen Übervorteilung. Eine bestimmte Geschäftsgebühr sei nicht geschuldet, weil die Kanzlei von Anfang an einen Prozessauftrag gehabt habe.

Auch eine Gebühr für den Schriftverkehr mit dem BGH-Anwalt sei nicht rechtens, weil es hierfür keinen Auftrag gegeben habe. Und eine Zwangsvollstreckungs- und Hebegebühr habe sie, die Mandantin ebenfalls nicht zu zahlen, weil die Kanzlei die Pershing von sich aus aufgefordert habe, die Schadenssumme an sie auszuzahlen.

Im Laufe des Prozesses zahlte die Kanzlei dann 10.600 Euro an die Mandantin. Und der Streit wurde insoweit von den Richtern für erledigt erklärt.

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Die Gegenseite

Die Kanzlei Marzillier, Dr. Meier & Dr. Gunter Rechtsanwaltsgesellschaft mbH aus München hält ihre Kostenrechnungen für legitim. Denn der Rechtsstreit sei extrem kompliziert gewesen, so dass eine Geschäftsgebühr rechtens gewesen sei. Auch die anderen Gebühren seien rechtlich korrekt.

Zudem habe sich die Mandantin zur Zahlung eines Zusatzhonorars in Höhe von rund 2.900 Euro verpflichtet. Im Übrigen sei die Klageforderung von der Mandantin rechnerisch unzutreffend ermittelt worden.

Gleichzeitig verweist man seitens der Kanzlei auf ein Urteil der 4. Zivilkammer des Münchener Landgerichts, dort beurteilten die Richter den Sachverhalt so wie auch die Kanzlei. Der Vorwurf einer überhöhten Gebühr sei unzutreffend.

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Kommentare (6)

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Account gelöscht!

31.01.2012, 13:18 Uhr

Vielleicht sollte noch erwähnt werden, dass häufig Anwälte ihre ahnungslosen Mandanten in aussichtslose oder wenig aussichtsreiche Klagen hinein führen, nur um noch mehr Geld abzukassieren! Meist können die Mandanten aufgrund mangelnder Sachkenntnis soetwas auch nicht erkennen. Die Gewinner sind immer die Anwälte.

Account gelöscht!

31.01.2012, 14:09 Uhr

JA. Genau wie Ärzte, die sinnlose OP durchführen, Versicherungsvertreterm, die unsinnige Plicen verkaufen, wie Banker, die zu teuere Fonds verkaufen, wie Politiker, die sich bereichern, wie Angestellte, die sich ständig krankschreiben lassen. Alle sind immer die Gewinner.

Wolfi

31.01.2012, 17:51 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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