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05.12.2011

15:06 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn Bankkunden nicht mehr kreditwürdig sind

VonBarbara Moormann

Nicht nur Staaten haben Probleme mit ihrem Rating. Auch bei Bankkunden wackelt schon mal die Bonität. Die Auskunfteien machen beim Scoring aber immer wieder Fehler. Wann Kunden zu unrecht keine Kredite mehr erhalten.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.


Der Fall


Es ist nicht gerade eine Freude, wenn die eigene Bonität negativ beurteilt wird. So führte eine Dame seit 2005 ein Unternehmen, welches unter anderem die Verwaltung und den Betrieb von gastronomischen Objekten zum Gegenstand hatte. Es kam dann ein Inkassounternehmen daher, das auch Wirtschaftsauskünfte erteilte.

Es beurteilte die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens mit „500“ und schätzte seine Zahlungsweise als "langsam und schleppend“ ein. Zum Hintergrund: Die Skala reicht von 1 bis 600, und 1 ist quasi „sehr gut“. Der Bonitätsbeurteilung lagen vier Forderungen gegen die Firma in Höhe von 361, 92 Euro, 205, 10 Euro, 352, 92 Euro und 214, 20 Euro zugrunde.

Die Betroffene klagte vor Gericht und verlangte die Löschung dieser Beurteilung im Datenbestand und Schadensersatz in Höhe von 54.265,75 Euro. Sie hielt nämlich die Bonitätsbewertung für fehlerhaft.

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Die Gegenseite


Das so böse beurteilende Unternehmen war sich keiner Schuld bewusst. So sei in allen vier Forderungsfällen die Einschaltung eines Inkassodienstes notwendig gewesen. Die Bonitätsbewertung erfolgte angeblich mittels eines anerkannten Verfahrens, bei dem nicht nur das Zahlungsverhalten des Schuldners, sondern insgesamt 15 weitere Auskunftsmerkmale berücksichtigt würden.

Was die Schufa alles weiß

Bonitätsauskunft

Es geht zum einem um Informationen, die nötig sind, um Vertrauen von Geschäftspartnern aufzubauen. Zum anderen geht es um eine klar strukturierte, umfangreiche Auskunft rein zur persönlichen Verwendung. Sie enthält alle zur Person gespeicherten Daten.

Zweck der Bonitätsauskunft

Privatpersonen sollen so sich selbst kontrollieren können und über ihre finanziellen Verpflichtungen eine Übersicht erhalten. Gleichzeitig können sie wirtschaftliche Vertrauenswürdigkeit unter Beweis stellen.

Umfang der Auskunft

Nur der Betroffene selbst erhält seine kompletten persönlichen Daten ausgehändigt. Wenn dagegen Dritte anfragen, erfahren sie deutlich weniger.

Banken und Sparkassen

Sie bekommen bankrelevante Positivinformationen. Also über Girokonten und Kreditkarten. Zur bankrelevanten Negativinformation gehört beispielsweise die Kündigung eines Kredites. Auch Infos aus Telekommunikationsumfeld oder dem Versandhandelsbereich, wie gemahnte und unbestrittene offene Rechnungen, sind für Banken sichtbar.

Anfragen

Betroffen können jederzeit erfahren, ob über sie bei der Schufa nachgefragt wurde. Dort sind alle Anfragen zu Auskünften mit Angabe des interessierten Unternehmens ein Jahr lang einsehbar.

Kredite

Die Schufa liefert stets Informationen zu Personen oder Einschätzungen zu einem geschäftlichen Risiko. Das kann durchaus einen gewissen Einfluss auf die Entscheidung über eine Kreditvergabe haben. Meist hängt es davon ab, wie vorsichtig die Bank letztlich ist.

Löschung erst nach drei Jahren

Kredite werden drei Jahre nach dem Jahr der Rückzahlung gelöscht. Nichtvertragsgemäß abgewickelte Geschäfte einschließlich ihrer Erledigung werden zum Ende des dritten Kalenderjahres nach dem Jahr der Speicherung gestrichen. Urteile und Vollstreckungsbescheide bleiben bis zu ihrer Erledigung gespeichert und werden drei Jahre nach dem Jahr der Rückzahlung entfernt.

Kommentare (3)

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anonym

05.12.2011, 17:36 Uhr

Die Auskünfte der Creditreform stellen auch nicht unbedingt das gelbe vom Ei dar; beispielsweise ist mir ein Fall bekannt, bei dem die CR bei der Dateneingabe Ziffern verkehrt eingab und somit ein guter Score ins bodenlose abtauchte; es dauerte mehrere Monate und stattliche Einlassungen, bis dieses Manko behoben war. Die lapidare Erklärung seitens der CR Mitarbeiterin: " wenn Sie meinen Haufen Papier zur Eingabe hier sehen würden und ich bin ganz allein hier...."; traumhaft. Erzähl mir einer nichts ...

Thomas-Melber-Stuttgart

05.12.2011, 18:39 Uhr

Ist Kreditgefährdung keine Straftat?

Account gelöscht!

06.12.2011, 12:21 Uhr

Die Schufa und der Verbraucherkonkurs. Nach einem rechtlich einwandfrei abgelaufenen Konkursverfahren unter 9 jähriger Aufsicht eines Konkursverwalters speichert die Schufa nach der Restschuldbefreiung die Daten noch bis zu 4 Jahren weiter.
Im konkreten Einzelfall den Eintrag eines Gläubigers über einen Titel in Höhe von 2100 Euro aus dem Jahre 1999 bis Ende 2012. Ein Schufaeintrag über 13 Jahre mit den dazugehörigen Folgen inklusive der Tatsache das man - bei eigentlich vorhandener Bonität- noch nicht einmal eine Waschmaschine finanzieren kann. Der Gesetzgeber (Petitionsverfahren) findet das alles nachweislich in Ordnung.
Der gleiche Gesetzgeber im Übrigen, der mit Steuergeldern immer wieder aufs neue Banken raushaut die sich faule Staatsanleihen in den Tresor gelegt haben und eine lächerliche Eigenkapitalquote besitzen und zwar deutlich weniger als die als negativ bewerteten Schufakunden.

Banken die sich untereinander kein Geld mehr leihen und denen das Wasser bis zum Hals steht bedienen sich beim Steuerzahler dem Sie gleichzeitig über Ihre Organisation die Schufa den Kredithahn wegen angeblich schlechter Bonität zudrehen.

Das angeblich so fürchterlich objektive Scoringsystem, krankt schon alleine daran das es Positiv - und Negativmeldungen von Nichtschufamitgliedern gar nicht einbezieht. Der gesunde Menschenverstand und die persönliche Einschätzung des Kunden werden durch einen Knopfdruck und die Datenübertragung an die Schufa ersetzt.

Wer sich gegen die Monströsität der Schufa effektiv wehren will müßte ein Banken und Gläubigerunabhängiges System begründen mit transparenten Kriterien das nach einem open source Modell arbeitet und in das alle Geschäftsbeziehungen einfließen können. Das wäre das Ende von Schufa und Co.
Es geht nicht um die Vermeidung von Gläubigerschutz sondern um ein faires nicht von einseitigen Interessen geleitetes System.

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