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06.10.2011

13:11 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn das Fitness-Studio die Kunden abzockt

VonBarbara Moormann

Immer wieder gibt es Ärger, wenn Mitglieder den Vertrag für ihr Fitnessstudio kündigen möchten. Oft müssen sie noch lange zahlen, obwohl sie längst nicht mehr trainieren. Wie Studios abkassieren und Kunden Geld sparen.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.



Der Fall


So ein bisschen Sport kann doch nicht schaden. Ein bisschen mehr eigentlich auch nicht. So dachte eine junge Frau und begab sich ins Fitnessstudio. Dort unterschrieb sie dann eine so genannte Mitgliedsvereinbarung, die sie „zur Nutzung sämtlicher Trainingseinrichtungen des von ihr gewählten Fitnessstudios und zur Teilnahme an den im Kursplan aufgeführten Kursen berechtigte“. Die Mitgliedschaft kostete sie monatlich rund 50 Euro. Zur Kündigung stand folgendes im Vertrag: „Ordentliche und außerordentliche Kündigungen bedürfen der Schriftform. Ein außerordentlicher Kündigungsgrund ist durch geeignete Belege glaubhaft zu machen.“

Es kam, wie es wohl öfter kommt. Die junge Sportlerin kündigte am 31.1. zum Ablauf des Februars des laufenden Jahres. Grund: „schweren Rückenleiden“ und Sehnenentzündungen im Fuß, weswegen sie seit Wochen in ärztlicher Behandlung sei. Das Fitnessstudio antworteten darauf, dass die Mitgliedschaft erst zum 31.08. des folgenden Jahres gekündigt werden könne. Es sei denn, es gebe die für eine vorzeitige Auflösung entsprechenden Belege.
Die Kundin schickte zum Nachweis ihrer Sportunfähigkeit die ärztliche Bescheinigung eines Rheumatologen.

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Die Gegenseite


Der Anwalt des Fitnessstudios teilte der Kundin mit, die ärztliche Bescheinigung sei nicht ausreichend und verlangte weitere Aufklärung über die Krankheit. Die Betroffene fügte sich und legte eine weitere ärztliche Bescheinigung vor. Mit der wurden „eine Erkrankung des entzündlich rheumatischen Formenkreises mit Befall der kleinen und großen Gelenke sowie der Verdacht einer entzündlichen Spondyloarthritis und Sacroiliitis“ bestätigt.

Doch auch das war nicht genug, das Studio verklagte die Kundin auf Zahlung der rückständigen Beiträge von März bis September in Höhe von 790,20 Euro.

Denn seitens des Fitnessstudios wollte man die Sportunfähigkeit der jungen Dame nicht wirklich glauben. Dort war man der Ansicht, die Kündigung habe den Vertrag nicht vorzeitig beenden können, so dass er erst zum Ablauf der Kündigungsfrist beendet sei. Bis dahin sei zu zahlen, mit oder ohne Training.

Die vorgelegten ärztlichen Atteste seien keine geeigneten Belege zur Glaubhaftmachung der Sportunfähigkeit. Aber selbst wenn die Beklagte keinen Sport mehr ausüben könne, so könne sie doch die weiteren Angebote wie Sauna, Trainingskurse und Physiotherapie in Anspruch nehmen, weswegen die fristlose Kündigung nicht wirksam sei. So heißt es im Tatbestand des entsprechenden Urteils.

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Kommentare (1)

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Norbert

30.01.2012, 14:58 Uhr

habe soeben Ihren Artikel gefunden und kann diesen voll beatätigen.Ich bin 80 Jahre und90 % behindert Nach 5 Trainingstagen mußte ich wegen Erschöpfung und Schwindel mit Attest Kündigen. Jetzt nach 8 Wochen verlangt der Manager eine Attestbegründung, welches mir den sofortigen Stoppvom Sport verordnet hat! Reine Abzocke. Leider wird diese von Anwälten noch unterstützt.
N.Neurode, Jena

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