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07.03.2012

11:29 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn das Traumauto zur Enttäuschung wird

VonBarbara Moormann

Immer wieder halten Luxuswagen nicht, was der Autohersteller und Verkäufer vor dem Kauf vollmundig versprachen. Worauf Kunden bei der Auswahl achten sollten und wie sie Montagsfahrzeuge wieder los werden

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

Solche Zahlen lassen die Herzen von Autofans vermutlich höher schlagen: 309 kw oder 420 PS sollte der neue Audi RS 4 Avant 4,2 Quattro unter der Haube haben. Nicht nur die Leistung der Luxuskarosse war üppig, sondern auch der Preis: .Stolze 66.488 Euro sollte das Fahrzeug kosten.
Doch nach dem Kauf kam die Enttäuschung. Im Wartungsprotokoll nach dem zweiten Werkstattbesuchsstand, dass die Höchstgeschwindigkeit nur schleppend erreicht werde. Daraufhin wurde das Auto nochmals überprüft. Fahrzeug überprüft. Das Ergebnis war ernüchternd: Nach dem Protokoll schaffte der Motor 48,5 kw / 65 PS weniger, als versprochen.

Den Freund des hohen Tempos ärgerte dies gewaltig. Die Sache landete vor Gericht. Er wollte den Kaufpreis plus Zinsen und Anwaltskosten wieder haben. Allein die Zinsen sollten 5.215,61 Euro ausmachen. So dass es gerundet um eine Summe von fast 77.000 Euro ging.


Die Gegenseite


Der Wagen kam zwar mehrmals in die Händlerwerkstatt. Doch der Mangel bezüglich der Motorleistung wurde nicht behoben. Reparaturen, in welcher Art auch immer, fanden nicht statt. Gleichzeitig wurde seitens des Verkäufers erklärt, dass eine Rückabwicklung des Vertrages nicht in Betracht komme. Denn der Käufer habe das Fahrzeug nicht zum Zwecke der Nachbesserung hinsichtlich der Motorleistung in die Werkstatt gefahren. So habe man das auch nicht beheben können.

Wenn Hersteller und Verkäufer zu viel versprechen

Korrekte Angaben

Die Regel gilt zwar für alle Preisklassen. Aber die Fehler werden in der oberen Klasse schnell teurer. Darum sollte vor allem darauf geachtet werden, dass im Kaufvertrag das Herstellungsdatum korrekt angegeben ist und dass tatsächlich die Lieferung eines "Inland-Fahrzeugs" vereinbart wird und - falls nicht ausdrücklich gewünscht - die Lieferung eines Re-Imports ausgeschlossen ist.

Schriftliche Vereinbarungen

Gerade bei Edelautos gibt es viele Sonderwünsche. Umso wichtiger ist es, dass alle Vereinbarungen, wie beispielsweise die Lieferung eines speziellen Zubehörs, schriftlich niedergelegt werden.

Die richtige Unterschrift

Auch hier ist schon viel schief gelaufen. Deswegen raten Juristen dazu, unbedingt darauf zu achten, dass der Vertrag von einer vertretungsberechtigten Person auf Verkäuferseite unterschrieben wird.

Die richtige Reihenfolge

Ganz wichtig: Damit Autokäufer nicht ausgenommen werden, sollten sie den Kaufpreis nur Zug um Zug gegen Übergabe des Fahrzeugs mit allen Papieren zahlen. Wer sich hier großzügig zeigt und zu schnell zahlt, kann nachher eine böse Überraschung erleben.

Alle guten Dinge sind zwei

Ist der teure neue Wagen mangelhaft, hat der Verkäufer laut Experten nur zwei Reparaturversuche. Oft wird von Autohäusern und Herstellern behauptet, es gäbe noch einen dritten Versuch. Falsch. Nach schon nach zwei fruchtlosen Nachbesserungsversuchen kann der Käufer vom Kaufvertrag zurücktreten. Gerade bei hohen Kaufpreisen wird hier dann gern gestritten.

Eine Sache für den Anwalt

Nach dem zweiten Reparaturversuch kann die Einschaltung eines Anwalts unter Umständen weiterhelfen. Denn geht es um eine Rücktrittserklärung, sind verschiedene rechtliche Besonderheiten zu beachten.

Die Relevanz


Luxus ist beliebt. Zumindest bei denen, die ihn sich leisten können. Auch wenn die Produktion nun eingestellt wird, wurden in zehn Jahren 3000 Exemplare de Marke Maybach ausgeliefert. Stückpreis: Rund eine halbe Million Euro. Zwar hat die Wirtschaftskrise zwischenzeitlich auch die Hersteller von Luxusautos erfasst. Doch längst wieder geklotzt. Die Macher von mondänen Karossen wollen ihre Modellpalette deutlich erweitern.

Umso ärgerlicher ist es, wenn deren Kunden viel Geld ausgeben und der fahrbare Untersatz dann nicht hält, was Marke und Macher versprechen. Versierte Rechtsanwälte, die mit Streitigkeiten um Luxusautos befasst sind, kennen die typischen Probleme, die immer wieder auftauchen. Vor allem geht es um Mängel bei Motor, Getriebe, Fahrzeugelektronik, Fahrwerk und Bremsen.


Kommentare (1)

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SX15

07.03.2012, 14:23 Uhr

In Zeiten immer knapper werdender Ressourcen sollte lieber darüber nachgedacht werden wie man Menschen ökologisch sinnvoll und schnell befördern kann. LUXUS-Autos sind out, die Zeiten der Protz-Gesellschaft der 60er/70er Jahre „wo es noch etwas Mehr sein durfte“ ist rum. Die Menschen legen unabhängig von ihrem Einkommen wieder mehr Wert auf die gesellschaftlichen Ziele zu denen auch primär der Umweltschutz steht.
Heute stellt man sich die Frage „wann“ komme ich an, nicht „wie“.

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