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25.07.2011

12:10 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn der Banker Kunden riskante Papiere aufschwatzt

VonDirk Wohleb

Ein Urteil macht tausenden Anlegern Mut. Banker dürfen Kunden keine riskanten Papiere empfehlen, auch wenn die Kunden die Gefahren kennen. Wer Anspruch auf Schadenersatz hat - und wer auf den Verlusten sitzen bleibt.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.


Der Fall


Eine Anlegerin mit einem Depot im Wert von drei Millionen Euro hat gegen die Apotheker- und Ärztebank (Apo-Bank) eine Rückabwicklung des Kaufes von Investmentfonds erreicht. Die Bank muss laut Urteil des Landgerichts Düsseldorf (Aktenzeichen 8 O 290/10) Schadenersatz in Höhe von 220.445 Euro plus Zinsen bezahlen.

Die Anlegerin hatte 2007 auf Anraten der Bank zwei Investmentfonds gekauft: den weltweit investierenden Aktienfonds Lingohr-Systematic-LBB-Invest (WKN 977479) und den Fonds Henderson Horizon Pan European Property Equities Fund (WKN 989232), der sich auf Immobilienaktien konzentriert. Das Landgericht ging von einer Fehlberatung durch die Bank aus, die eine vollständige Rückabwicklung der Geldanlage zur Folge hatte.

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Die Begründung der Richter: Die empfohlenen Fondsanteile überschritten die Risikoklasse, die bei der Kundin im Jahr zuvor im Rahmen eines ausführlichen Beratungsgesprächs ermittelt wurde. Die Wertpapiere zählen zur Risikoklasse D (wachstumsorientiert), obwohl laut der letzten Beratung im Jahr zuvor nur Papiere der Risikoklasse C (chancenorientiert) infrage kamen.

Dabei spielte es nach Auffassung der Richter keine Rolle, dass die Anlegerin risikoreichere Wertpapiere bereits im Depot liegen hatte und über langjährige Anlageerfahrung verfügte.

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Kommentare (6)

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Moneymaker

25.07.2011, 10:07 Uhr

Absolut unverständlich!
Die meine persönliche Risikoneigung kann sich doch im Laufe der Zeit ändern. Je nachdem welche Ziele ich mit meinen Anlagen verfolge gibt es sowieso unterschiedliche Risikoprofile.
Wenn du mein Bankberater das erkennt und weiss, dass ich verschiedene Risikoarten mit meiner Geldanlage abdecken sollte, ist es doch auch richtig wenn er mir dementsprechend Anlagevorschläge verkauft.

Ich warte auf das erste Urteil, wo ein Kunde Schadensersatz von der Bank bekommt, weil er eine zu konservative Anlage empfohlen bekommen hat. Hätte er nach eigenen Angaben dann doch eine risikoreichere Anlage gewählt, hätte sich bei dem Daxanstieg das Geld verdoppelt.

Abwarten. So etwas wird auch noch kommen.

Wir Verbaucher werden in ein paar Jahren merken, dass das Vorgehen gegen die Banken im Bereich WPHG doch nicht so richtig war. Spätestens wenn man mal einen unabhängigen Rat benötigt und die Bank alle auskünfte verweigert.

anonym

25.07.2011, 13:08 Uhr

Ich kann mich meinem Vorredner nur anschliessen.
Ich selbst bin als Anlageberater bei einer Bank angestellt.
Wenn das Thema Dokumentation aufkommt, schütteln die meisten Kunden nur mit dem Kopf.
Ich finde es gut, sich ein komplettes Bild seines Kunden machen zu können mir allen Anlageformen, aber es gibt auch Kunden die mehrere Strategien verfolgen und neue Anlageformen ausprobieren wollen, wie den jetzigen "Rohstoffboom".
Interessant ist es auch, dass nur Banken diese Wertpapierdienstleistungen protokollieren müssen, hingegen freie Finanzdienstleister verkaufen können was Sie wollen.
Deshalb mein Appell: Entweder alle oder keine!
Alleine schon die Überschrift des Artikels bringt mich zum Kopfschütteln.
"Aufschwatzen".. Ich als Kunde kann nicht immer erwarten, dass der Bankkaufmann richtige Entscheidungen trifft. Es liegt auch im Interesse des Kunden sich vorher zu informieren.Es kann nicht sein, dass ein Kunde keine Ahnung hat, das Produkt aber trotzdem kauft, nachdem ich Ihm Kenntnisse und Erfahrungen über dieses Produkt vermittelt habe und er dann eine Woche später kommt und das Geschäft rückabwickeln lässt, weil der Kunde den Verbraucherschutz auf seiner Seite stehen hat und diese immer einen Grund für die "Ahnungslosigkeit des Kunden" finden.
Außerdem ist es schade zu sehen, dass Banken weiterhin das Thema Nummer 1 bei Verbraucherschützern sind, obwohl wir in anderen Branchen ähnliche Probleme haben.
Ich bin auch davon überzeugt, dass der Verbraucherschutz bald alles so eingeschränken wird, dass wir bald keine Wertpapiergeschäfte mehr in unserem Haus machen werden.

Wie gesagt: Transperenz in jeder Branche oder man lässt es einfach sein!

Account gelöscht!

25.07.2011, 13:27 Uhr

Weiter So - Deutschland !! Vorbild USA.

Wir entziehen uns jeglicher Verantwortung, und wenn's schief geht findet unser Anwalt schon irgendeinen Schuldigen - Das Paradies auf Erden!

Ich kenne bereits viele Berater, die sich aus dem Anlagegeschäft zurückgezogen haben, obwohl sie ihren Job immer gerne und zur Zufriedenheit der Kunden gemacht haben. Aber wer hat schon Lust, 245.897 Seiten Beratungsdokumentation anzufertigen und dann immer noch Gefahr zu laufen, etwas vergessen zu haben?

Aber Schuld ist doch die Branche selbst. Alles wird hingenommen, keiner traut sich mal, an die Öffentlichkeit zu gehen und klar zu sagen, was für ein Schwachsinn der Beraterbranche mittlerweile aufgebürdet wird.

Wer immer den Schwanz einzieht, darf sich über die Gesetzgebung und derartige Folgeurteile wirklich nicht wundern.

Wer heute noch seine berufliche Zukunft in der Anlageberatung sieht, sollte sich das wirklich ganz genau überlegen. Kein Mediziner muss derartigen Protokollwahnsinn betreiben, und wahrscheinlich hat selbst ein Zuhälter einen besseren Ruf als der Banker...

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