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10.05.2011

14:28 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn der Berater in die Insolvenz flüchtet

VonDörte Jochims

Wer seinen Finanzvermittler wegen Falschberatung verklagen möchte, hat häufig gute Chancen. Trotzdem dürften viele Geschädigten leer ausgehen. Viele Vermittler haben keine Versicherung. Wann das Vermögen in Gefahr ist.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

Er war seit 20 Jahren im Geschäft und er galt als tüchtig. Dann verkaufte der Anlageberater aus dem süddeutschen Raum mehreren Kunden eine atypische stille Beteiligung als Instrument zur Altersvorsorge.

Wenige Jahre später musste der geschlossene Fonds Konkurs anmelden. Die Einlagen schmolzen auf den Bruchteil ihres Wertes zusammen. Einige seiner Kunden hatten hohe Summen investiert. Sie nahmen sich einen Anwalt. Die Einstufung der Beteiligung als Instrument zur Altersvorsorge sei nicht anlegergerecht, befand im Sommer 2010 das Landesgericht München. Es verlangte die Rückabwicklung. Alles in allem belief sich der Schaden auf fast 500.000 Euro.

Der Finanzdienstleister war nicht versichert. Er haftete mit seinem gesamten Privatvermögen und meldete im Alter von 62 Jahren Privatinsolvenz an. Dennoch dürfte das Geld nicht reichen. Und die Geschädigten müssen sich trotz Titel mit einem Teilbetrag begnügen. Weitere Geschädigte können sich die Klage sparen. Sie gehen voraussichtlich ganz leer aus – selbst wenn sie vor Gericht Recht bekommen sollten. Es gilt der Grundsatz: Die letzten beißen die Hunde.

  

Die Gegenseite

Der Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. ist nach eigenen Angaben der führende Berufsverband unabhängiger Finanzdienstleister.  Auf Anfrage von Handelsblatt Online schrieb Geschäftsführer Norman Wirth: "Solche Fälle sind leider keine Seltenheit. Geklagt wird von sogenannten Anlegerschutzanwälten häufig gegen das schwächste Glied in der Produkt- und Vertriebskette: den einzelnen Vermittler. Oft tatsächlich mit Erfolg. Jedenfalls auf dem Papier. Denn tatsächlich ist, wie in diesem Fall, häufig bei den Vermittlern nichts zu holen. " Diese Fälle seien schlimm für den Vermittler – aber natürlich auch und erst Recht für die Kunden. Er betont, dass der Verband seit Jahren seine Mitglieder auffordert, für jedes einzelne Finanzprodukt – von Aktienfonds über Bausparvertrag und geschlossenen Fonds bis Versicherung – eine Vermögensschadenshaftpflichtversicherung (VSH) vorzuhalten.

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Kommentare (2)

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Hakdari

10.05.2011, 13:50 Uhr

139.000 Allfinanzbetriebe? Gemeint ist wohl, dass von 150.000 Vermittlern 139.000 für diese Betriebe tätig sind. Dann kann man aber mitnichten von freien Vermittlern sprechen. Dies sind i.d.R immer gebundene Vermittler, max. als Mehrfachagenten tätige. Mir ist kein Allfinanzbetrieb bekannt der mit freien Vermittlern zusammenarbeitet.

eikesiegler

10.05.2011, 15:50 Uhr

Die nützlichen Adressen irritieren mich etwas. Der Link "Beraterlotse" führt ins Leere, die "url" hilft auch nicht zum Thema. Die beiden etablierten Verbände der Finanzplaner (financial planner standard board -www.fpsb.de und Network Financial Planner -www.nfpb.de werden nicht erwähnt.
Liebe Grüße.
Eike Siegler

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