Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.10.2011

12:57 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn der Bonus plötzlich gestrichen wird

VonBarbara Moormann

Banker kennen die Situation leider zu gut. Plötzlich erklärt die Bank, dass dieses Jahr der Bonus kräftig gekürzt wird, weil das Geschäft nicht so florierte. Betroffene müssen das nicht unbedingt hinnehmen.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

Ein Sales-/Kundenberater in der Investmentsparte der ehemaligen Dresdner Bank wurde nach Tarif bezahlt. Deswegen galt für ihn eine entsprechende Bonusregelung in der Betriebsvereinbarung. Darin hieß es, dass die Bank jedes Jahr einen Bonuspool für ihre Mitarbeiter festsetzt. War dies geschehen, so ergab sich aus dem weiteren Inhalt der Betriebsvereinbarung die Höhe des Bonus für jeden einzelnen. Im Anschluss wurde das Geld ausgezahlt. Meist waren es knapp zwei Monatsgehälter.

Doch dann kam es plötzlich anders. Obwohl die Bank für das Jahr 2008 das gleiche Bonusvolumen wie ein Jahr zuvor angekündigt hatte, gab es für den Kundenberater schließlich lediglich eine „Anerkennungsprämie“ in Höhe von 1.000 Euro. Er rieb sich verwundert die Augen. Und klagte gegen die Bank.

 

Die Gegenseite

Die Bank begründete die Bonuskürzung mit der kritischen wirtschaftlichen Lage des Unternehmens. Vor allem wegen der Pleite der US-amerikanischen Lehman Bank und der sich daraufhin entwickelnden Bankenkrise fuhr die Bank ein negatives operatives Ergebnis von rund 6,5 Milliarden Euro ein. Als Konsequenz wurde der zuvor versprochene Bonus um 90 Prozent gekürzt. Schließlich werden Boni in der Finanzbranche größtenteils erfolgsabhängig gezahlt.

 

Urteile rund um den Bonus

Vorläufige oder feste Zusage

Wenn eine Bank eine hohe Bonuszahlung „vorläufig“ festgesetzt hat, ist sie an diese Zusage nicht gebunden, wenn sich später herausstellt, dass hohe Verluste zu erwarten sind. Sie kann dann den Bonus noch kürzen.

Billiges Ermessen

Grundsätzlich können Bank bei hohen Verlusten in Aussicht gestellte Boni reduzieren. Doch sie hat dann die Grundsätze des  „billigen Ermessens“ zu beachten. Sie muss grundsätzlich die Zusage des Bonuspools berücksichtigen. Im Hinblick auf erwirtschaftete Verluste und unter Berücksichtigung der Leistung des Angestellten kann sie dann den Bonus deutlich reduzieren.

Klare Formulierung

Auch hier hatte das Bundesarbeitsgericht zu entscheiden (Az.10 AZR 825/06): Es ging um vage Formulierungen. Sind Bonuszahlungen nicht eindeutig, muss der Arbeitgeber unter Umständen nachzahlen. Im konkreten Vertrag widersprachen sich zwei Bonusklauseln.

Nur für Mitglieder

Auch das geht. Ein Tarifvertrag darf Bonuszahlung nur für Verdi-Mitglieder vorsehen. So heißt es in einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts (Az. 4 AZR 64/08). In Tarifverträgen können Gewerkschaften und Arbeitgeber vereinbaren, dass nur Mitglieder einer Gewerkschaft eine bestimmte Leistung erhalten sollen.

Vertreter-Provisionen

Ein weiteres Urteil betrifft mal nicht Banker, sondern die Allianz und ihre Vertreter. So ist die Kürzung von Provisionen bei Vermittlung von Kfz-Versicherungen aus dem  Kompakttarif der Allianz unwirksam. Das entschieden die Richter des Oberlandesgerichts München (Az. 7 U 3993/07). In dem Fall sollten rund 11.000 hauptberufliche Vertreter der Allianz bei Vermittlung einer Versicherung aus dem Kompakttarif statt der ansonsten üblichen zehn Prozent lediglich sechs Prozent der Jahresprämie erhalten. Gegen die Kürzung der Provision hatten zwei Vertreter geklagt. Mit Erfolg.

Die Relevanz

Bonuszahlungen machen für viele Banker einen großen Teil ihres Einkommens aus. Und deutsche Banker haben im 2. Quartal dieses Jahres gar nicht schlecht verdient, heißt es seitens des Statistischen Bundesamts. Um überdurchschnittliche 4,6 Prozent erhöhten sich die Verdienste für die Beschäftigten von Banken und Versicherungen im Vergleich zum letzen Jahr. Der größte Teil davon resultiert aus höheren Boni.

Eine Statistik für die Entwicklung der Bonuszahlungen an Angestellte im Wertpapiergeschäft an der Wall Street von 1985 bis 2010 weist ebenfalls beachtliche Summen aus. Die Mittel für die Bonuszahlungen stammen aus dem Bonus-Pool für das Wertpapiergeschäft in New York City. Im Jahr 2010 wurden an der New Yorker Börse Bonuszahlungen an Banker in Höhe von rund 20,8 Milliarden US-Dollar ausgezahlt.

In einer Umfrage in Deutschland von 2009 gaben 6,3 Prozent der Befragten Führungskräfte aus dem Sektor Banken, Versicherungen und Immobilien an, dass ihre Bonuszahlungen um über 50 Prozent gestiegen sind. Doch andere hatten das Nachsehen. So gaben gleichzeitig rund sechs Prozent der Befragten an, dass ihr Bonus um 50 Prozent gefallen sei.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

klongnampla

22.10.2011, 14:47 Uhr

was sind das denn fuer mitteilungen. bonus wird zum ende des geschaeftsjahres gezahlt. wer will denn im 2.quartal bereits eine erhoehung festgestellt haben. ausserdem sind die bonuszahlungen immer variabel, von der leistung, dem geschaeftsbereichsergebnis und dem VORGESETZTEN abhaengig. und ein vernuenftiger banker weiss das auch in dieser zusammensetzung. aber warum wurde die dresdner aufgekauft? weil sie, hier sieht man es, unwissende banker beschaeftigt hatte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×