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03.08.2011

12:37 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn der Fiskus bei Fonds zweimal zuschlägt

VonDirk Wohleb

Anleger investieren Milliarden in thesaurierende Investmentfonds, die Erträge wieder anlegen. Doch Produkten von Anbietern mit Sitz im Ausland droht eine Doppelbesteuerung. Welche Anleger bald zur Kasse gebeten werden.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

Walter Schmitz ist nicht nur Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Prima Management, sondern auch selbst als Anleger mit einem zweistelligem Millionenbetrag in die Fonds des Hauses investiert. Er hat nach einer Steuernachzahlung im vergangenen Jahr sämtliche Fonds seiner Gesellschaft, die nach Luxemburger Recht aufgelegt sind, von einer thesaurierenden auf eine ausschüttende Variante umgestellt.

„Die steuerlichen Nachteile sind so gravierend, dass ich die die Reißleine ziehen musste“, so Schmitz. Denn der erfahrende Investmentprofi wollte die Benachteiligung von thesaurierenden ausländischen Fonds nicht länger hinnehmen. Bei diesen Produkten droht eine Doppelbesteuerung. Bei einem thesaurierenden ausländischen Fonds muss der Anleger den jährlichen Ertrag in der Steuererklärung angeben.

Bei thesaurierenden deutschen Fonds führt dagegen die Fondsgesellschaft die Steuer ab. Damit ist die Sache erledigt. Nicht bei den thesaurierenden ausländischen Fonds. Beim Verkauf der Anteile führt die Depotbank auch auf die thesaurierten Erträge der ganzen Haltedauer noch einmal die Abgeltungsteuer ab.

„Wir wollten unseren Kunden nicht länger der Gefahr einer doppelten Besteuerung aussetzen“, erklärt Schmitz. Bei einer Anlagesumme von 100.000 Euro und einem jährlichen Wertzuwachs von sieben Prozent, bei dem vier Prozentpunkte auf die Erträge zurückgehen, droht bei einem Anlagezeitraum von 20 Jahren eine doppelte Besteuerung in Höhe von 43.250 Euro.

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Die Relevanz

Thesaurierende ausländische Fonds sind in Deutschland weit verbreitet. Manche Spitzenfonds wie der milliardenschwere Mischfonds Carmingnac Patrimoine sind ausschließlich in der thesaurierenden Variante erhältlich. Und auch die großen deutschen Fondsgesellschaften wie DWS, Deka oder Union Investment offerieren über ihre ausländischen Töchter in Luxemburg oder Irland tausende von thesaurierenden Investmentfonds.

Brisant ist das Ergebnis einer Auswertung des Bundesverbandes Investment- und Asset Management (BVI) für Handelsblatt online: Demnach sind allein 2008 rund 19 Milliarden Euro in thesaurierende ausländische Fonds geflossen. Von 2008 bis Mai 2011 kauften Anleger Fondsanteile ausländischer Anbieter mit Thesaurierung im Wert von rund 33 Milliarden Euro, während sie im gleichen Zeitraum aus ausschüttenden Fonds in etwa gleich viel Geld abzogen.

Fondskauf

Hausbank

Die Mehrheit der deutschen Anleger handeln ihre Wertpapiere über ihre Hausbank. Doch gerade bei Aktienfonds, die rasch an Wert gewinnen oder verlieren können, ist der Gang zum Bankberater nicht immer optimal. Denn einerseits gilt die Alternative zu Recht als teuer. Zahlen Anleger hier beim Kauf doch meist den vollen Ausgabeaufschlag. Dafür bleibt jedoch die Rückgabe der Anteile spesenfrei. Das Problem: Die Abwicklung kann hier deutlich länger dauern als einen Handelstag. Das kann zwar gute Gründe haben. Vorsichtige bevorzugen dennoch die Abwicklung über die Börse.

Börse

Der sicherste Variante für zeitbewusste Anleger ist der Handel über die Börse. Dabei geben Anleger wie gewohnt ihre Order beim Bankberater ab, tragen aber als Handelsplatz die Börse Hamburg an. Dadurch fallen zwar Kosten an, die je nach Fonds etwas variieren können (www.fondsboerse.de). Dafür erfolgt die Abwicklung zeitnah. Beim Kauf von Papieren ist es ohnehin meist billiger, Fonds über die Börse zu kaufen. „Wenn Sie die Bank auf diese Option nicht hinweist, macht sie sich unter Umständen eines Beratungsfehlers schuldig“, sagt Johannes Fiala, Anwalt mit dem Schwerpunkt Kapitalmarktrecht aus München.

Onlinebroker

Fondskäufer, die wissen, was sie wollen, sollten Onlinebroker oder Fonds-Supermärkte ins Kalkül ziehen. Sie bieten meist nicht nur eine Auswahl unter tausenden Fonds, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind. Oft können sie hier auch problemlos auf Sparpläne auf Wunschfonds abschließen, die sie via Hausbank nicht bekommen. Die Anbieter handeln die Fondsanteile dabei über dieselben Plattformen wie die Profis. Manche der Anbieter garantieren zudem eine taggleiche Abwicklung der Aufträge, sofern die Order vor zwölf Uhr eintrifft.

Absichern

Wie bei Aktien können Fondsanleger bei manchen Anbietern zudem Limits setzen. Das bedeutet, sie beauftragen den Händler etwa mit einem Stopp-Loss den Fondsanteil zu verkaufen, sobald der Fondspreis unter eine gewisse Grenze fällt. Diese Order kostet wird dann bei steigenden Kursen nicht ausgeführt. Einige Online-Broker ziehen diese Grenze auf Wunsch bei steigenden Kursen kostenlos nach.

Verkaufen manche Anbieter also bevorzugt die thesaurierenden Fondsvarianten mit den potenziellen steuerlichen Nachteilen? „Die meisten Anleger kennen die Problematik der doppelten Besteuerung überhaupt nicht“, sagt Walter Schmitz, Geschäftsführer von Prima Management. Sie gehen davon aus, dass nach der Einführung der Abgeltungsteuer im Jahr 2009 die Steuer automatisch bei allen Fonds einbehalten wird.

Ein folgenschwerer Irrtum. Dasselbe dürfte auch für den Großteil der Vermittler gelten, die ihre Kunden auf diese Problematik hinweisen müssten, diese selbst aber oft nicht kennen. Wird das Problem erst beim Verkauf der Fondsanteile realisiert, ist es im Prinzip zu spät. Anleger können dann kaum noch reagieren. Manche der erforderlichen Unterlagen sind dann möglicherweise nicht mehr aufzutreiben.

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