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13.09.2011

10:06 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn der Handwerker mehr verlangt als abgemacht

VonRenate Reckziegel

Trotz Kostenvoranschlag fällt die Rechnung vom Handwerker oft höher als erwartet. Was Kunden in einem solchen Fall tun können, welche Rechte sie haben und wie sie schon bei der Auftragsvergabe auf Nummer sicher gehen.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.



Der Fall


Den Kostenvoranschlag hat Judith B. schwarz auf weiß vor sich: Für die Renovierung der Außenfassade veranschlagte die Malerwerkstatt knapp 11.500 Euro. In sieben Unterpunkten waren alle Arbeiten plus Material detailliert und korrekt aufgelistet.

Nach Abschluss der Arbeiten eröffnet ihr der Handwerksmeister jedoch, dass er in seinem Angebot aus Versehen die Fensterläden vergessen habe. Fürs Schleifen und Lackieren stehen deswegen zusätzlich 700 Euro auf der Rechnung. Was tun?

Der Experte


„In diesem Fall muss der Kunde wohl zahlen“, urteilt Marion Schmidt von der Verbraucherzentrale Sachsen. „Da ist anscheinend wirklich etwas vergessen worden.“ Handwerker-Rechnungen dürfen bis zu einem gewissen Prozentsatz höher ausfallen als vorab veranschlagt, erläutert Schmidt: „15 bis 20 Prozent werden dem Verbraucher zugemutet. Im Fall von Judith B. entsprechen 700 Euro gerade mal sechs Prozent der gesamten Summe.

Anders wäre es jedoch gewesen, wenn der Kunde vorab verbindlich mit Unterschrift einen Festpreis für die Renovierung der Außenfassade vereinbart hätte, so Schmidt: „Dann darf die Summe nicht überschritten werden.“

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Den Verdacht, dass der Handwerker die Fensterläden vorab absichtlich „vergessen“ hat, um die Kosten bewusst niedrig zu halten und so an den Auftrag zu kommen, hält Schmidt in diesem Fall für nicht wahrscheinlich. Und selbst wenn es so wäre: „Dann muss man beweisen, dass man andere, zwar nicht ganz so günstige, aber reale Angebote dafür ausgeschlagen hat.“ Das heißt: Judith B. hätte vor der Auftragsvergabe tatsächlich mehrere Kostenvoranschläge einholen müssen.

Grundsätzlich müssen Handwerker ihren Kunden umgehend mitteilen, wenn sich während der Arbeiten abzeichnet, dass es wesentlich teurer wird als zunächst kalkuliert. Die Kunden können den Vertrag dann zwar kündigen, müssen aber die bis dahin bereits erbrachten Leistungen bezahlen.

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