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19.05.2011

09:28 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn der Mieter nicht mehr zahlt

VonDörte Jochims

Mit immer dreisteren Methoden nisten sich Mietnomaden in teuren Wohnungen ein und profitieren von einer laschen Rechtslage. Wie Vermieter unliebsame Mieter vor die Tür setzen und an ihr Geld kommen..

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

Es ist acht Uhr morgens. Da klopft der Gerichtsvollzieher beim Mieter Müller an. Die Tür geht auf. Der Herr im grauen Anzug weist sich aus und zeigt einen gerichtlichen Räumungsbefehl. Mehr als ein Jahr ist Müller im Verzug mit der Miete. Sein Gegenüber grinst. Er sei Untermieter hier und er heiße Meier. Nachdem er seinen Personalausweis gezeigt hat, muss der Gerichtsvollzieher erst einmal abziehen. Erst in einigen Wochen wird er einen zweiten Versuch starten.

Der Vermieter wird weiter keine Miete sehen. „Wohnungstausch zählt zu den neuesten Tricks von Mietnomaden,“ sagt Gerold Happ, Referent bei Haus & Grund.  Sie mieten Wohnungen in der betrügerischen Absicht, nicht zahlen zu wollen. Bei hartnäckigen Fällen dauert es laut Eigentümergemeinschaft Haus und Grund 15 Monate bis der Gerichtsvollzieher zum ersten Mal vor der Tür steht.

Mit der neuen Masche, dass der echte Mieter nicht verfügbar ist, kann sich der Zeitraum bis die Wohnung tatsächlich geräumt ist, um weitere sechs  Monate in die Länge ziehen.

 

Die Relevanz

Eine statistische Erfassung von Mietnomaden gibt es nicht. Der Verband der Hauseigentümer Haus & Grund schätzt die Zahl der Fälle auf 15.000 pro Jahr. Sie seien besonders im Ruhrgebiet und in ostdeutschen Städten wie Leipzig und Dresden vertreten, wo der Leerstand hoch ist.

Der Schaden, der entsteht, treibe Hausbesitzer in manchen Fällen in den Ruin. "Ein hartnäckiger Mietnomade verursacht durch Zahlungsausfall, Anwalts-, Gerichts- und Räumungskosten einen Aufwand  von 30.000 Euro", sagt Gerold Happ,  Referent bei Haus & Grund. Hauptgrund sei vor allem die lange Verfahrensdauer bei den Gerichten. Zudem müssten viele Wohnungen aufwändig saniert werden.

Die  lange Dauer eines Räumungsprozesses ist nicht allein auf die gerichtliche Verfahrensdauer zurückzuführen. Auch die Kosten der Inanspruchnahme des Rechtsweges sind eine Hürde. So müssen Vermieter beispielsweise einen Vorschuss auf die Räumungsvollstreckung zahlen, der üblicherweise 3.000 Euro beträgt. Dies überfordert die durch das Ausbleiben der Mietzahlungen ohnehin beeinträchtigten Vermieter.

Kommentare (10)

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19.05.2011, 10:58 Uhr

Das ist ja schön, das der Mieterbund Kosten bis zu 5.000 Euro als Lappalie ansieht. Als ob jeder Vermieter ein reicher Sack wäre.
Da brauchen die sich nicht zu wundern, wenn "Entmieter" eingeschaltet werden.
Nicht schön, aber durchaus nachvollziehbar. Würde ich wohl auch machen.

Nachdenker

19.05.2011, 11:24 Uhr

Kann ich nicht nachvollziehen.
Wenn der Vermieter zum Abschluß eines Mietvertrages Einkommensbescheide, Steuererklärungen etc. sehen will, was ihn im Grunde genommen einen feuchten Kehrricht angeht, wie können sich dann absichtliche Nichtzahler einnisten?
Das sollte mir mal jemand erklären.

Abgesehen davon ist das deutsche Mietrecht überholt.
Vertrag ist Vertrag. Und wenn jemand diesen nicht erfüllt, hat er die Konsequenzen zu tragen. Eben auch für seine Wohnung.

Leser

19.05.2011, 11:26 Uhr

Wenn der Mieter zwei Monate nicht zahlt, dann sollte er nach drei Monaten geräumt werden können.
Die Rechtslage in diesen Angelegenheiten ist wirklich eine Schande.

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