Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.05.2011

16:12 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn der Parkrempler in einer Vorstrafe endet

VonDirk Wohleb

Beim Einparken sind kleine Unfälle an der Tagesordnung. Wer anschließend einen Zettel an der Windschutzscheibe hinterlässt und weiterfährt, riskiert aber eine Vorstrafe. Wann Autofahrer aufpassen müssen.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

Für den 58-jährigen Vertriebsmitarbeiter aus Hamburg endete die Dienstfahrt mit einer Vorstrafe. Für ihn auch heute zwei Jahre nach dem Fall völlig unverständlich. Was war passiert? Der Hamburger war mit seinem Mietwagen auf dem Weg zu einem dringenden Termin. Er musste wichtige Gesprächspartner vom Flughafen abholen.

Doch er streifte auf dem Weg dorthin ein parkendes Fahrzeug. Er hinterließ einen Zettel am Wagen des Geschädigten und ließ sich das sogar durch einen Zeugen bestätigen. Aus seiner Sicht schien alles in Ordnung: Die Versicherung hatte den Schaden beglichen.

Doch eines Tages bekam der 58-Jährige an seinem Arbeitsplatz unerwartet Besuch von der Polizei. Denn zwischenzeitlich hatte die Mietwagenfirma routinemäßig die Polizei über den Unfall unterrichtet. Der Vorwurf: Fahrerflucht, im Jargon von Juristen unerlaubtes Entfernen vom Unfallort. Und das, obwohl der Schaden beglichen war und er einen Zettel hinterlassen hatte.

Es folgte ein Strafbefehl über 2000 Euro. Nun ist der Autofahrer vorbestraft.

Streitfall des Tages: Wie Autowerkstätten ihre Kunden abzocken

Streitfall des Tages

Wie Autowerkstätten ihre Kunden abzocken

Zahlreiche Kfz-Werkstätten werben mit Gratis- Reparaturen von Windschutzscheiben. Die Versicherung soll die Kosten tragen, doch oft bleiben die Kunden auf der Rechnung sitzen. Was Autofahrer wissen sollten.

Die Relevanz

Der Fall des 58-Jährigen ist kein Einzelfall. Viele glauben, dass nach einem Parkrempler das Hinterlassen eines Zettels ausreicht, um den Unfallgegner zu informieren. Doch weit gefehlt. "Bei keinem anderen Thema können unbescholtene Bürger so schnell in Berührung mit dem Strafgesetzbuch kommen", sagt Christian Demuth, Fachanwalt für Verkehrsrecht in Düsseldorf.

Alle an einem Unfall Beteiligten haben laut Gesetz die Verpflichtung, Angaben über die Beteiligung am Unfall zu machen. Wenn ein Unfallversursacher einen Zettel an das Fahrzeug des Geschädigten hängt, reicht das nicht aus. Denn der kann verschwinden oder die Angaben könnten falsch sein.

Die Konsequenzen dieses Verhaltens sind dramatisch: Kommt es zu einer Verurteilung wegen Fahrerflucht, gilt der Fahrer als vorbestraft. Dazu kommen saftige Geldstrafen und die Kosten für den Anwalt. Zudem stellt Fahrerflucht einen Verstoß gegen den Vertrag mit dem Haftpflichtversicherer dar. Die Konsequenz: Dieser ist von der Leistung frei und wird den Versicherten bis 5000 Euro in Regress nehmen.

Streitfall des Tages: Wenn Richter irren

Streitfall des Tages

Wenn Richter irren

Gerichtsurteile werden von Menschen gefällt – und diese können sich irren. Bisher hatten Betroffene schlechte Karten, Richter können eine Berufung unwiderruflich ablehnen. Das soll sich nun ändern. VON ULRICH LOHRER

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×