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03.11.2011

09:29 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn der Versicherer um die Zahlung feilscht

VonUlrich Lohrer

Nach einem Unfall können Autofahrer das Geld des gegnerischen Versicherers annehmen, wenn sie den Schaden nicht reparieren. Einige Versicherer übernehmen aber nicht den vollen Preis. Wie Versicherte an ihr Geld kommen.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.


Der Fall


Eine Autobesitzerin erlitt einen Sachschaden an ihrem parkenden Auto. Der Haftpflichtversicherer des Schadenverursachers, die Zurich Versicherung, erkannte auch den Schaden an. Statt eine Reparatur über eine Vertragswerkstatt des Versicherers wollte die Geschädigte den Schaden in Geld erstattet haben – also fiktiv nach den geschätzten Kosten ihrer Vertragswerkstatt abrechnen.

Sie reichte deshalb einen Kostenvoranschlag ihrer Vertragswerkstatt an die Versicherung ein. Darauf antwortete die Zurich: „Wir haben eine Kürzung der Stundenverrechnungssätze vorgenommen.“ Statt einer Erstattung von etwa 1200 Euro will der Versicherer mit dem Hinweis auf eine günstigere Reparaturwerkstatt etwa 200 Euro weniger erstatten.

Begründung: „Zwar kann grundsätzlich der Geschädigte fiktiv nach den Preisen einer Vertragswerkstatt abrechnen, doch muss sich der Geschädigte, der mühelos eine ohne weiteres zugängliche günstigere und gleichwertige Reparaturmöglichkeit hat, sich auf diese verweisen lassen.“ Die Betroffene versteht nicht, weshalb sie nur aufgrund eines Hinweises auf eine andere Werkstatt ohne sonstigen Nachweis keine Erstattung nach Kostenvoranschlag ihrer langjährigen Vertragswerkstatt erhalten soll.

Streitfall des Tages: Wer noch Geld vom Versicherer bekommt

Streitfall des Tages

Wer noch Geld vom Versicherer bekommt

Mehrere Millionen Lebensversicherte, die ihre Policen kündigten, können noch Geld einfordern. Viel Zeit bleibt dafür bleibt aber nicht mehr. Welche Versicherte noch Anspruch auf Nachzahlung haben.

Die Relevanz

Die Kraftfahrtversicherung ist laut Angaben des Branchenverbandes GDV mit rund 104 Millionen Versicherungsverträgen die Sparte mit dem größten Versicherungsbestand. Überhaupt. Die Beitragseinnahmen beliefen nach aktuellsten Zahlen (2009) 20,1 Milliarden Euro, davon entfiel mit 12,2 Milliarden Euro der weitaus größte Anteil der Beiträge auf die Kfz-Haftpflichtversicherung.

Im Jahr 2009 wendeten die Autoversicherer für 9,4 Millionen Versicherungsfälle rund 19,4 Milliarden Euro auf. Durchschnittlich kostete ein Autounfall in der Kraftfahrzeughaftpflicht 3520 Euro. In den vergangenen zwei Jahren wiesen die rund 100 Kfz-Haftpflichtversicherer seit 2001 erstmals wieder im Durchschnitt eine Schadensquote über 100 aus. Das bedeutet, dass sie mehr für Schäden ausgaben als an Versicherungsbeiträge einnahmen. Wollen die Versicherer keine Verluste schreiben, müssen sie bei gleichbleibenden Einnahmen die Höhe der Schadenserstattungen senken.

Was Autofahrer über ihren Haftpflichtschutz wissen sollten

Versicherungsschutz

Die gesetzliche Pflichtversicherung für zulassungspflichtige Fahrzeuge deckt die Schadensersatzansprüche Dritter ab, die beispielsweise durch einen Verkehrsunfall durch den Betrieb des Autos entstehen können.

Deckungssumme

Das ist der maximale Entschädigungsbetrag, der in der Kfz-Haftpflichtversicherung erstattet werden. Die gesetzliche Mindestdeckungssumme in Deutschland für Personenschäden beträgt 7,5 Millionen Euro, eine Million Euro für Sachschäden und 50.000 Euro für die Vermögensschäden, die nicht mit den Personen- oder Sachschäden zusammenhängen.

Versicherungsbeiträge

Die Anbieter der Versicherungen können die Beiträge weitgehend frei kalkulieren. Die Beitragshöhe richtet sich aber nach Fahrzeugtyp (Typklasse), Zulassungsort (Regionalklasse) sowie nach einem Bonus-Malus-System nach Anzahl der schadensfreien Jahre (Schadensfreiheitsrabatt). Aufgrund großer Preisunterschiede unter den Anbietern empfiehlt sich ein Preisvergleich im Internet über verschiedene Versicherungsportale.

Kündigungsrecht

In der Regel ist die Versicherung ein Kalenderjahr gültig und kann zum 30.11 eines Jahres gekündigt werden. Ein Sonderkündigungsrecht besteht, wenn die Versicherung den Beitrag erhöht oder den Versicherungsumfang reduziert, ohne den Beitrag zu senken: Innerhalb vier Wochen kann der Versicherte dann kündigen.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

03.11.2011, 09:49 Uhr

Wenn ein Schaden gemeldet wird, dann stellen die Versicherer die zu erwartende Leistung aus dem Schaden als Buchungsrückstellung auf Spekulationskonten und lassen das Geld arbeiten . Es geht dann nur noch um Zinstage. Wenn es der Versicherung gelingt, bis zur notwendigen Auszahlung möglichst lange Zeit unter fadenscheinigsten Argumenten die Auszahlung zu verweigern, dann kann sie mindestens 6 % der Schadenssumme verdienen je nach Anlage mehr oder weniger. Es müsse eine Regelung geschaffen werden, bei der die Versicherung dem Versicherten oder dem, dem die Leistung zusteht 10 % des Auszahlungsbetrages als Zinsverlust zusätzlich gut schreibt. Dann wird sofort abgewickelt und geleistet.

danke_dir...

03.11.2011, 11:54 Uhr

1. Was hat das mit dem vorliegenden Fall zu tun?
2. Wie Sie Rückstellungen, die voll liquide sein müssen, mit 6% DER SCHADENSUMME verzinsen können, will ich sehen! Sagen wir durch einen unzumutbaren Verweis verzögerte sich die Zahlung (NUR DIE DIFFERENZ 200EUR!) um 3 Monate. Dann sagen Sie hier also, dass Sie einen risikolosen sofort liquiden Zinssatz von 144% erwirtschaften können? Sie scheinen ein Finanzgenie zu sein... Oder ein Schwätzer!

Schweizer

03.11.2011, 18:19 Uhr

Allace65, Sie haben im Prinzip vollkommen recht. Z.B. fuhr im Mai ein Versicherungsnehmer der DA Direkt, einer Tochter der im Artikel angesprochenen Zurich Versicherung, einem Freund von mir ins Auto. Schuld unstrittig zu 100 % beim Unfallgegner. Um es vorwegzunehmen: Die Regulierungssumme wurde bis heute noch nicht ausbezahlt. Erstens versuchte DA Direkt bei der Regulierung 500 € "zu sparen", anstatt den Betrag dann aber schnell zu überweisen, zögerten sie die Auszahlung hinaus. Bei Nachfragen Lügen und Unverschämtheiten am Ende der Hotline. Nach 2 Monaten nahm sich mein Freund einen Anwalt. Die Regulierung wurde neu aufgerollt u. DA Direkt erklärte sich bereit, statt 2300 € nun 2800 E auszuzahlen (u. müssen auch noch den Anwalt bezahlen. Auch im kaufmännischen Sinne ein Saustall ...). Vor 2 Wochen kam ein Brief, daß das Geld überwiesen sei. Das Geld ist bis heute noch nicht auf dem Konto...
@ "danke_dir...": Warum ist das Geld nach bald 6 Monaten noch nicht ausbezahlt? Oder ist DA Direkt ja nicht flüssig? Auf jeden Fall scheinen Sie ein Rüpel zu sein.

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