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05.08.2011

11:04 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn der Wert der eigenen Immobilie einbricht

VonBarbara Moormann

Die Finanzmärkte spielen verrückt, viele Anleger investieren aktuell in Immobilien. Doch Vorsicht: Schrottobjekte können für hohe Verluste sorgen. Wann Banker falsch beraten und wie Anleger Regress verlangen können.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall


Es sollte ein lukratives Geschäft werden. Doch es kam ganz anders. Ein Ehepaar aus Windach am Ammersee investierte voller Hoffnung in eine Eigentumswohnung in Langerwehe bei Aachen.

Im Sachverhalt eines später ergangenen Urteils (Oberlandesgericht Köln vom 01.10.2010, Az. 13 U 119/06) heißt es: „Der Kläger und seine Ehefrau wurden im Jahr 1993 durch den Vermittler Flieger geworben, zu Steuersparzwecken eine damals im Bau befindliche Eigentumswohnung in dem Objekt „An der Lochmühle" in Langerwehe über eine Treuhänderin zu erwerben.“

Die Immobilie kostete damals, 1993, 190.000 D-Mark. Diese Summe wurde großzügig von der einstigen bayerische Hypotheken und Wechselbank, ein Vorgängerinstitut der HypoVereinsbank, finanziert. Denn den Käufern fehlte das nötige Eigenkapital.

Doch die Rechnung ging nicht auf. Schnell wurde klar, dass die Wohnung viel zu teuer war. Und auch die von der Bank zugesicherte Miete war alles andere als realistisch. Statt Rendite und Steuerersparnis gab es nur Verluste. Im Jahr 2006 brachte die Wohnung in einer Zwangsversteigerung nur noch 7500 Euro. Es folgte eine gerichtliche Auseinandersetzung. Die Kläger wollten von der Bank Schadensersatz.

Die Gegenseite

Die Bank hielt dagegen. Vertrag ist nun mal Vertrag, und dieser sei auch rechtens. Nachdem das Ehepaar seine Kreditzahlungen dann einstellte, kündigte die Bank ihrerseits Zwangsvollstreckungsmaßnahmen an. Sie sah in ihrem Verhalten keine arglistige Täuschung.

Mietrecht: Die Todsünden der Vermieter

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Mogeleien bei der Wohnungsgröße, verbotene Pauschalen bei der Heizkostenberechnung, falsche Mietvertragsklauseln und unberechtigte Mieterhöhungen: Anlässe für Streit zwischen Vermieter und Mieter gibt es viele. Einige grundlegende Fehler von Seiten der Eigentümer lassen sich allerdings leicht vermeiden, weil es eindeutige Gerichtsurteile gibt.

Vielmehr seien die Verantwortlichen, ebenso wie der Bauträger und Mietgarant, bei ihrer Bewertung von der Marktangemessenheit der ausgewiesenen Mieten ausgegangen. Das erklärte man zumindest vor Gericht.

Doch ist auch bekannt, dass die HypoVereinsbank in einigen anderen Fällen mit den Geschädigten Vergleiche geschlossen und nicht auf Vertragserfüllung bestanden hat.

Kommentare (2)

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WFriedrich

05.08.2011, 12:07 Uhr

Als Schrottimmobilien gelten solche, die wegen erheblicher baulicher Mängel oder nicht amortisierbarer Anschaffungskosten unrentierlich sind. Zunehmend prägt sich im öffentlichen Bewusstsein ein weiterer dramatischer Umstand ein: Unvermietbarkeit oder nur defizitäre Vermietbarkeit infolge fehlender Nachfrage. Unvermietbarkeit infolge fehlender Nachfrage ist für jedermann sichtbar. Nicht sichtbar sind die Folgen der defizitären Vermietung. Sie entstehen zum einen, weil Vermieter die Folgen des Leerstandes noch substanzschädigender finden als nicht kostendeckende Mieten. Zum anderen zwingt der Gesetzgeber den Vermietern seit Jahren selektiv-nachteiliges Recht auf. Unter Inkaufnahme wirtschaftlicher Nachteile des Vermieters garantiert der Staat so soziale Sicherheit, die er selbst längst nicht mehr zu leisten vermag. Zugleich hat er damit eine verhängnisvolle Spirale von Mieteinbehalten einerseits und dadurch bedingten Verfall andererseits in Gang gesetzt. In weiten Teilen Ostdeutschlands überlagern sich die Folgen von Marktzerrüttung und Rechtsungleichheit. Diese Situation wird auf alle Regionen übergreifen, die keinen vortrefflichen Arbeitsmarkt - verbunden mit einem lebensfreundlichen Wohnumfeld anbieten können.

herbert1949

06.08.2011, 08:09 Uhr

Es ist bezeichnend das in unserem sogenannten Rechtstaat bei solchen offensichlichen Betrügereien die Verfahren etliche Jahre dauern. Zum Glück für die betroffenen ist es ja so ausgegangen das sie Entschädigt wurden. Aber die Verantwortlichen für solch eine Vertriebspraxis laufen garantiert alle noch frei herum.

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