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21.07.2011

14:15 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn die Bank bei der Order schlampt

VonDörte Jochims

Zeit ist Geld – dieser Grundsatz gilt für Geldanleger. Wenn ein Broker bei der Abwicklung einer Wertpapiertransaktion zu lange zögert, drohen Verluste. Wie Kunden solche Konflikte vermeiden und Betroffene sich wehren.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.



Der Fall


Am Freitag, den 04.01.2008, um 09:54 Uhr erteilte ein Kunde seiner Hausbank den Auftrag zum nächstmöglichen Verkauf eines Fondsanteils. Doch weder Fondsgesellschaft noch das Finanzinstitut waren in der Lage, den Auftrag vereinbarungsgemäß bis zum Montag den 07.01.2008 auszuführen.

Erst am Dienstag, den 08.01.2008 wurde das Papier gehandelt. Kurioserweise ergab sich dadurch ein Plus für den Kunden in Höhe von 3.459,40 Euro. Denn der Kurs des Fondsanteils war vom Kunden unerwartet von Montag auf Dienstag gestiegen.

Glück gehabt, sollte man meinen. Doch der Anbieter forderte etwa ein Jahr später in einem Schreiben diesen Mehrerlös vom Kunden zurück. Die Begründung: Nach ihren Geschäftsbedingungen (AGB) hätte sie mit dem niedrigeren Kurs vom „nächsten Börsentag“ abrechnen können, denn Verkaufsaufträge habe sie nach ihren AGB zu diesem Zeitpunkt auch auszuführen. Dieser Sichtweise hat das Landgericht München eine klare Absage erteilt.

Streitfall des Tages: Neun von zehn Bankern beraten schlecht

Streitfall des Tages

Neun von zehn Bankern beraten schlecht

Versicherungen, Wertpapiere oder Baufinanzierung: Neun von zehn Beratern orientieren sich laut Verbraucherschützer nicht am Bedarf der Kunden. Wie sich Betroffene wehren können und an gute Produkte gelangen.

Die Gegenseite


Die Investmentbank AG hat bisher noch keine Stellungnahme zu dem Fall abgegeben.

Fondskauf

Hausbank

Die Mehrheit der deutschen Anleger handeln ihre Wertpapiere über ihre Hausbank. Doch gerade bei Aktienfonds, die rasch an Wert gewinnen oder verlieren können, ist der Gang zum Bankberater nicht immer optimal. Denn einerseits gilt die Alternative zu Recht als teuer. Zahlen Anleger hier beim Kauf doch meist den vollen Ausgabeaufschlag. Dafür bleibt jedoch die Rückgabe der Anteile spesenfrei. Das Problem: Die Abwicklung kann hier deutlich länger dauern als einen Handelstag. Das kann zwar gute Gründe haben. Vorsichtige bevorzugen dennoch die Abwicklung über die Börse.

Börse

Der sicherste Variante für zeitbewusste Anleger ist der Handel über die Börse. Dabei geben Anleger wie gewohnt ihre Order beim Bankberater ab, tragen aber als Handelsplatz die Börse Hamburg an. Dadurch fallen zwar Kosten an, die je nach Fonds etwas variieren können (www.fondsboerse.de). Dafür erfolgt die Abwicklung zeitnah. Beim Kauf von Papieren ist es ohnehin meist billiger, Fonds über die Börse zu kaufen. „Wenn Sie die Bank auf diese Option nicht hinweist, macht sie sich unter Umständen eines Beratungsfehlers schuldig“, sagt Johannes Fiala, Anwalt mit dem Schwerpunkt Kapitalmarktrecht aus München.

Onlinebroker

Fondskäufer, die wissen, was sie wollen, sollten Onlinebroker oder Fonds-Supermärkte ins Kalkül ziehen. Sie bieten meist nicht nur eine Auswahl unter tausenden Fonds, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind. Oft können sie hier auch problemlos auf Sparpläne auf Wunschfonds abschließen, die sie via Hausbank nicht bekommen. Die Anbieter handeln die Fondsanteile dabei über dieselben Plattformen wie die Profis. Manche der Anbieter garantieren zudem eine taggleiche Abwicklung der Aufträge, sofern die Order vor zwölf Uhr eintrifft.

Absichern

Wie bei Aktien können Fondsanleger bei manchen Anbietern zudem Limits setzen. Das bedeutet, sie beauftragen den Händler etwa mit einem Stopp-Loss den Fondsanteil zu verkaufen, sobald der Fondspreis unter eine gewisse Grenze fällt. Diese Order kostet wird dann bei steigenden Kursen nicht ausgeführt. Einige Online-Broker ziehen diese Grenze auf Wunsch bei steigenden Kursen kostenlos nach.

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