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18.05.2011

08:16 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn die Feuerwehr das Haus abbrennen lässt

VonRenate Reckziegel

Viele Immobilienbesitzer verkennen die Risiken von Photovoltaik-Anlagen. Bei einem Brand lässt die Feuerwehr Solarhäuser kontrolliert abbrennen. Welche Risiken noch drohen und wie sich Hausbesitzer schützen.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

Es war einer jener heißen Juli-Tage des vergangenen Sommers: Im badischen Offenburg brannte das Flachdach einer Lagerhalle, auf der eine Photovoltaik-Anlage Strom produzierte. Zufällig waren gerade Handwerker vor Ort dabei, neue Sonnenkollektoren zu installieren. Ein Glücksfall: „Dadurch waren wir über die Anlage informiert und konnten mit  angemessener Vorsicht vorgehen“, berichtet Wolfgang Schreiber, Pressesprecher der Feuerwehr Offenburg, die den Brand mit 30 Mann  relativ schnell unter Kontrolle bekam.

Allerdings war beim Löschen besonders genaues Zielen angesagt. Denn die Module stehen unter Strom und produzieren weiter, selbst wenn der Rest des Stromkreislaufs ausgeschaltet wird. „Das ist eine immer währende Stromquelle“, skizziert Schreiber die Problematik: Kommen Feuerwehrleute mit dem Löschstrahl zu nahe an die Anlage heran, besteht für sie das Risiko, selbst durch einen Stromschlag ernsthaft verletzt zu werden.

Ein weiterer Gefahrenpunkt bei Löscharbeiten: Die Module können bersten und ein Scherbenregen auf Helfer herabprasseln. Außerdem erhöhen die Anlagen die Dachlast um etwa zehn Kilogramm pro Quadratmeter. Das Dach kann also schneller einbrechen. Alles Punkte, weswegen die Feuerwehr unbedingt wissen sollte, ob und wo sich Solarzellen auf dem Dach befinden.

„Photovoltaik ist eine neue Herausforderung für die Feuerwehr. Wir müssen lernen, damit umzugehen“, bestätigt Carsten-Michael Pix vom Deutschen Feuerwehrverband (DFV). Landauf landab werden Einsatzkräfte derzeit dafür speziell geschult.

 

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Die Gegenseite

Nach Einschätzung der Deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE), die im Auftrag des Verbands der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) arbeitet, können brennende Photovoltaik-Anlagen oder Brände in der Nähe solcher Anlagen bedenkenlos gelöscht werden – vorausgesetzt, die Sicherheitsabstände zu den Teilen, die unter Spannung stehen, werden eingehalten.

Zwischen einem und fünf Metern betragen die empfohlenen Abstände – auch mit dem Löschstrahl. Das schreibt der VDE in einer im April eigens zu dem Thema herausgegebenen Pressemitteilung. Demnach können Photovoltaik-Anlagen aber weder im Mondlicht, noch bei künstlichem Licht für Menschen gefährliche Spannungen erzeugen.

Doch der Branche ist  offensichtlich bewusst, dass es technische Defizite gibt: Um Gefahren für Feuerwehrleute weiter einzudämmen, erarbeitet ein Expertenkreis des DKE derzeit einen  Maßnahmenkatalog im Hinblick auf Abschaltmechanismen für Photovoltaik-Anlagen. Die Ergebnisse sollen noch in diesem Jahr vorgestellt werden.

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Kommentare (6)

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Nachdenker

18.05.2011, 11:16 Uhr

Mal sehen, wenn der erste solartote Feuerwehrmann von der Leiter fällt. Unsere grünfanatischen Herberts werden sicher nach einer Schrecksekunde große Feierreden halten, wie vobildlich nachhaltig dieser Einzelfall von uns gegangen ist...

Account gelöscht!

18.05.2011, 12:20 Uhr

Mir war als gab es bereits die ersten toten Feuerwehrleute. Auch schwerste Verletzungen und Stromschläge wurden dokumentiert. Leider nicht öffentlichkeitswirksam...Umweltschutz und tote Helfer -> Das verkauft sich eben nicht so gut

Daniel

18.05.2011, 17:28 Uhr

Ganz im Gegensatz zu unbelegten "ich meine ich hätte gehört"-Verlautbarungen...

An Einsatzstellen ist mit erheblichen Gefahren zu rechnen - mit oder ohne Photovoltaikanlage. Photovoltaikanlagen haben Besonderheiten, wie v.a. die Tatsache, dass man die Spannung zwischen Modul und Wechselrichter nicht wegbekommt, mehr aber auch nicht. Gefahren durch Absturz, Einsturz, Elektrizität oder Giftstoffe bestehen bei einem Gebäudebrand immer. Da bringen PV-Anlagen nichts grundsätzlich neues.

Von dem Zeug, das der Durchschnittsbürger in seinem Keller oder seinem Hobbyraum lagert, geht im Zweifel eine größere Gefahr aus.

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