Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.10.2011

14:13 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn die Schönheitsoperation schief läuft

VonBarbara Moormann

Schönheitsoperationen sind angesagt. Doch oft sind Pfuscher am Werk und was schöner werden sollte, wurde noch unansehnlicher. Und dann gibt es oft nicht einmal Schmerzensgeld.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

 „Narbenkorrektur, Abdominoplastik mit Fettabsaugung“ hieß es im Operationsbericht. So wollte sich eine junge Dame ein wenig verschönern lassen. Sie hatte sich die Korrektur einer Narbe am Unterleib und die Entfernung von Fettgeschwülsten vorgestellt. Straff und glatt sollte die Haut wieder werden.

Doch es kam anders. In der Patientenkartei heißt es, dass die Behandelte „Schmerzen im Bereich des Gesäßes angegeben hatte, wo eine zirka ein Pfennig große Entzündung aufgefunden worden war“. Der Arzt meinte es gut und saugte auch noch Fett ab.

Die Patientin war darüber alles andere als erfreut. Sie warf ihm vor, entgegen der vorherigen Absprache eine große Bauchdeckenstraffung vorgenommen zu haben. So schlank das nun auch aussehen mag, sie verspüre seither starke Spannungsgefühle und Sensibilitätsstörungen im gesamten Operationsgebiet. Und eine über 40 Zentimeter lange Narbe habe sie nun auch. Sie sei deswegen arbeitsunfähig krank gewesen, habe außerdem einen geplanten Italien-Urlaub absagen müssen. Zudem sei sie in Behandlung wegen einer über dem Schambein eingetretenen Wundheilungsstörung.

In der Klageschrift heißt es, dass "durch Kriechstrom bei der Operation eine zirka sieben mal acht Zentimeter große und 0,5 Zentimeter bis ein Zentimeter tiefe Verbrennung am Gesäß der Klägerin" entstanden sei. Ursache: Die Klägerin habe während der Operation versehentlich in Desinfektionsmittel gelegen, so dass die am Gesäß befestigte Elektrode eine Stromreizung habe hervorrufen können. Die Verbrennung sei nur langsam verheilt. Das Ende: Der Arzt wurde auf Schmerzensgeld auf Schmerzensgeld in Höhe von 6.000 Euro verklagt.

Die Gegenseite

Der Arzt sah das anders. Er habe den Operationsumfang nicht ohne Absprache erweitert. Das Ausschneiden lediglich der Hautnarbe hätte zu keinem Erfolg führen können. „Um den nach der Fett-Gewebsentfernung im Unterbauch resultierenden Weichgewebsdefekt spannungsfrei zu decken, sei eine Hautverschiebung - wie im Operationsbericht beschrieben - notwendig gewesen“.

Nach Meinung des Arztes war alles Schicksal. Bei der Klägerin sei eine "schicksalsbedingte" Wundheilungsstörung aufgetreten. Die jetzigen Beschwerden beruhten ebenfalls auf einer schicksalsbedingten Ursache, nämlich den Verwachsungen im Unterbauch. Die Wunde am Gesäß sei wahrscheinlich auf ein Druckgeschwür zurückzuführen und stünde mit der Operation nicht im Zusammenhang. Immerhin habe die Klägerin seine Rechnung auch vorbehaltlos beglichen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×