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02.11.2011

11:06 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn die Telefonrechnung so viel kostet wie ein Auto

VonBettina Blaß

Immer wieder sollen Kunden hunderte oder gar tausende von Euro für die Telefonrechnung zahlen. Und das obwohl man diese Kosten nicht oder nicht bewusst verursacht hat. Wer ohne Absicht in die Rechnungsfalle tappen kann.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

26.000 Euro. Für diese Summe kaufen sich manche Bürger einen Mittelklassewagen. Andere sollen diesen Betrag der Deutschen Telekom für ihre Festnetzrechnung überweisen. Und das, obwohl ziemlich sicher ist, dass sie diese Summe nicht vertelefoniert haben.

So ist es zumindest bei einem Reisebüro in Freiburg: Die Inhaber haben zwar eine Flatrate für Gespräche in Deutschland, aber nicht für andere Länder. Doch genau dort wurde angerufen, und zwar mehrere hundert Mal an zwei Tagen im April 2011, in den USA, in Großbritannien, in Süd-Korea.

Und das zu allen Tages- und Nachtzeiten, manchmal parallel zu einem anderen Anruf, und nach Aussagen der Besitzer auch zu Zeiten, in denen niemand im Büro war. Die Kosten, die am 17. April 2011 entstanden sind, liegen bei rund 6.400 Euro, am 18. April 2011 wurde laut Rechnung sogar für 19.900 Euro telefoniert.

Das Reisebüro sieht sich nicht in der Verantwortung für diese Summen und hat darum Rechtsanwalt Thomas Hollweck mit dem Fall beauftragt. Der hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt, doch ein Täter konnte nicht ermittelt werden.

„Wäre das Reisebüro nicht auf seinen Anschluss angewiesen, könnte es sagen, es zahlt nicht. Dann würde die Nummer gesperrt, und man sähe sich vor Gericht“, so der Anwalt. Das Reisebüro ist aber unter dieser Nummer bekannt, und so wäre es fürs Geschäft ein großes Problem, wenn sie gesperrt würde. Darum hat Hollweck einen Brief an die Deutsche Telekom geschickt und den Rechnungen widersprochen. „Erstaunlicherweise hat sich die Telekom sehr kulant gezeigt und auf die Hälfte der ausstehenden Summe verzichtet“, sagt der Rechtsanwalt.

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Die Gegenseite


Die Deutsche Telekom sagt zu diesem Fall: “Wir haben den Kunden mehrfach darüber informiert, dass überhöhte Kosten auftreten. Wir haben ihn schriftlich darauf hingewiesen, wie er sein Netzwerk überprüfen und verbessern kann. Ein Techniker von uns war vor Ort und hat den Anschluss geprüft um eine Manipulation von außen auszuschließen. Aber: Für die Sicherung seines Netzwerkes ist jeder Kunde selbst verantwortlich.“

Trotzdem verzichtet die Deutsche Telekom auf die Hälfte der ausstehenden Forderung - aus Kulanz, heißt es.

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