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01.08.2011

14:14 Uhr

Streitfall des Tages

Wenn EC-Kartenbesitzer Betrügern aufsitzen

VonNicole Wildberger

Die Zahl der Betrugsfälle bei EC-Karten nimmt stark zu. Mit immer neuen Tricks spähen Ganoven die Pins der Betroffenen aus. Warum die Betroffenen häufig auf dem Schaden sitzen bleiben und wann die Bank einspringen muss.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall


Ari D. staunt nicht schlecht, als sie ihre Kontoauszüge überprüft. Dreimal wurden in der letzten Juni-Woche dieses Jahres jeweils 1.000 Euro von Ihrem Konto abgehoben – und das an einem Geldautomaten im Oman, einem Staat auf der arabischen Halbinsel, wo sie noch nie in ihrem Leben gewesen ist.

Die Journalistin ist Opfer einer so genannten Skimming-Attacke geworden. Dabei werden Geheimnummer und Kartendaten an den Geldautomaten von Sparkassen und Banken mit Hilfe ausgeklügelter technischer Systeme gestohlen – ohne dass der Kunde davon etwas merkt.

Die Relevanz


Daten-Diebstahl am Geldautomaten kommt immer häufiger vor. Im Jahr 2010 registrierte das Bundeskriminalamt (BKA)in Wiesbaden 3.183 Angriffe auf Geldautomaten – ein Plus von satten 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr mit 2.059 Angriffen.

BKA-Präsident Jörg Zierke schätzt, dass etwa 190.000 Kartenkunden von solchen Angriffen betroffen waren, da pro Angriff auf einen Geldautomaten durchschnittlich 60 Kunden ausgespäht werden. Insgesamt entstand bei allen Attacken nach Schätzungen des Bundespolizisten ein Schaden von circa 60 Millionen Euro. Besonders häufig werden Automaten an öffentlichen Plätzen, Fußgängerzonen oder Bahnhöfen von den Tätern manipuliert – häufig nur für wenige Stunden.

Streitfall des Tages: Warum sich Urlauber nicht auf ihre  EC-Karte verlassen können

Streitfall des Tages

Warum sich Urlauber nicht auf ihre EC-Karte verlassen können

EC-Karten mit dem blau-rotem Maestro-Logo sollten in Europa eigentlich gut funktionieren. Doch immer mehr Bankkunden stehen im Urlaub plötzlich ohne Geld da. Wer im Urlaub mit finanziellen Notlagen rechnen muss.

Die Geheimzahlen der Geldkarten werden meist mit kleinen Kameras ausgekundschaftet, die oberhalb der Tastatur des Bankautomaten, in den Abschirmblenden oder an den Deckenwänden des Bankraumes angebracht werden. Manche Täter legen auch Tastatur-Attrappen über die Originaltastatur, um die Geheimzahlen abfangen zu können. Die Daten der Karten werden dagegen meist durch aufgeschraubte Lesegeräte an den Kartenschlitzen der Geldautomaten ergaunert.

Gebühren am Geldautomaten: Zwei-Klassen-System statt Transparenz

Gebühren am Geldautomaten

exklusivZwei-Klassen-System statt Transparenz

Ab dem 15. Januar gelten neue Regeln für das Abheben an Automaten fremder Banken. Eigentlich sollte damit die Abzocke ein Ende haben, doch für viele Kunden gibt es ein böses Erwachen.

Die Täter heben dann mit den gestohlenen Daten Geld an anderen Automaten ab, die häufig im Ausland stehen – bei Ariane Kressin eben im arabischen Oman. Nach Einschätzung der Kriminalisten stammen die Tatverdächtigen fast ausschließlich aus Südeuropa und sind meist nur für wenige Tage in Deutschland. In der Regel arbeiten die Täter sehr zügig - zwischen dem Diebstahl der Daten und dem Abheben des Geldes vergehen nur ein bis zwei Tage.

Wie Kunden Betrügereien am Geldautomaten erkennen

Automat checken

Manchmal genügt schon ein genauer Blick auf das Gerät, rät die Verbraucherzentrale NRW. Ist am Karteneinzug ein wackliger Vorbau angebracht oder kommt Ihnen die Tastatur etwa aufgrund falscher Beschriftung merkwürdig vor, waren wahrscheinlich kriminelle Bastler am Werk. Informieren Sie gleich einen Bankmitarbeiter oder die Polizei. Es folgen weitere Tipps der Verbraucherschützer.

Ins Gebäude gehen

Meiden Sie nach Möglichkeit außen liegende Bankautomaten, gerade an Wochenenden. Diese können von Betrügern leichter manipuliert werden als Geräte im Schaltervorraum. Vorsicht angebracht ist aber auch an den Türöffnern, die per Karte bedient werden. In keinem Fall wird dort die Eingabe der PIN verlangt!

Anzeige abdecken

Verdecken Sie bei Eingabe Ihrer Pin die Tastatur mit der Hand. So können die Daten weder von einer hinter Ihnen stehenden Person, noch von einer heimlich installierten Minikamera abgefangen werden.

Wartezeit einhalten

Gibt der Geldautomat nicht sofort die gewünschten Scheine aus, sollten Sie noch einige Zeit warten. Manche Geräte brauchen etwas länger. Wer sich bereits 20 Sekunden nach Rückgabe der Karte davon entfernt, kann jedenfalls nicht behaupten, der Automat sei defekt (AG Düsseldorf, Beschluss v. 11.2.1998, Az.: 48 C 20333/97).

Protokoll von der Bank einfordern

Kommt bei einem Abhebungsversuch auch nach mehreren Minuten kein Geld heraus, empfiehlt die VZ NRW, von der Bank das Auszahlungsprotokoll zu verlangen. Dort müssen auch die unmittelbar vor und nach Ihrem Auszahlungsvorgang getätigten Barabhebungen vermerkt sein. Bei Unstimmigkeiten im Protokoll haben Sie gute Chancen, wieder an Ihr Geld zu kommen. Sie können sich auch das Wartungsprotokoll vorlegen lassen und auf Unregelmäßigkeiten prüfen.

Mögliche Täter ermitteln

Fragen Sie die Bank nach Name und Anschrift der Person, die nach Ihnen am Automaten Geld abgehoben hat. Vielleicht hat Ihr "Nachfolger" das Geld mitgenommen. Wenn sich die Bank unter Hinweis auf das Bankgeheimnis weigert, über einen Kunden Auskunft zu geben, hilft möglicherweise eine Strafanzeige (gegen Unbekannt) bei Polizei oder Staatsanwaltschaft weiter.

Zeugen suchen

Informieren Sie sich auch über die Namen der Bankmitarbeiter, die den Automaten befüllt oder den Kassenabschluss vorgenommen haben. Diese könnten in einem späteren Prozess hilfreiche Zeugen sein, wenn es zum Beispiel technische Probleme gab. Allerdings sollten Verbraucher ohne Rechtsschutzversicherung aufgrund des hohen Kostenrisikos besser von einem Rechtsstreit absehen. Lassen Sie sich diesbezüglich von der Verbraucherzentrale oder einem Anwalt beraten.

Kontoauszüge

Kontrollieren Sie regelmäßig Ihre Kontoauszüge. Auch ohne Skimming-Gefahr ist das für jeden Bankkunden eine Pflichtaufgabe.

Kommentare (11)

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secretgarden

01.08.2011, 12:35 Uhr

Heiß das, dass vor dem 01. Januar Abhebungen im Inland möglich waren? Die Banken sagen doch, dass wäre nicht möglch.

herbert1949

01.08.2011, 12:44 Uhr

Betrug wäre vermeidbar wenn dem Kunden die Möglichkeit gegeben würde im Bankensystem seine Karte nur für einen Bestimmten Zeitraum oder für bestimmte Urlaubsländer selber per System freizugeben.
Betrug dann so gut wie ausgeschlossen , denn warum sollte eine Karte in Oman gültig sein wenn ich mich zu hause aufhalte. Also im Prinzip ganz einfach , wenn man seitens der Banken nur wollte !!!!!!!

mahani123

01.08.2011, 15:17 Uhr

Das Thema könnte technologisch leicht gehandhabt werden, wie Beispiele aus dem deutschen Einzelhandel z.B. EDEKA zeigen. Dort wird bereits an vielen Stellen Biometrie als weg zur Autorisierung von Zahlungen eingesetzt. In diesen Systemen können die sensiblen Daten sogar komplett im Hintergrund verbleiben, so dass erst gar kein Ansatzpunkt für Phising und Skimming entsteht. Banken und Sparkassen lehnen diese Technologie bisher ab, weil es einfacher ist, den Kunden mit Verweis auf mangelnden Sorgfalt beim Umgang mit seiner Karte, mit auftretenden Verlusten zu belasten.
UMK

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